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Weihnachtslieder mit Konsumkritik

Mit seinen neuen Songs will Musiker Marco Santilli Rossi zum Nachdenken anregen. Zu seinem Glück braucht er nun nur noch jemanden, der ihm das Administrative abnimmt.

Marco Santilli Rossi ist Musiker aus Leidenschaft.Foto: PD
Marco Santilli Rossi ist Musiker aus Leidenschaft.Foto: PD

Passend zur Adventszeit hat der Musiker Marco Santilli Rossi vier neue Weihnachtslieder herausgebracht. «Christmas News» oder «Mistletoe Forever» hören sich anfänglich wie typische Weihnachtslieder an. Doch wenn man der tiefen Stimme genauer lauscht, hört man dabei eine gewisse Ironie gegenüber Weihnachten heraus. «Ja, das ist so», sagt der Niederhasler lachend. «In den Liedern stelle ich den grossen Konsum an Weihnachten infrage. Meiner Meinung nach bekommt Weihnachten dadurch eine falsche Bedeutung, und ich frage mich, ob das besinnliche Fest an sich nicht einfach reichen würde.» Es sei aber eine Sozialkritik mit einem Lächeln, versichert der gebürtige Tessiner.

Überraschend ist dies nicht, denn Santilli Rossi ist für seine (Selbst-)Ironie bekannt. «In meinen Liedern geht es selten um Liebe, sondern vielmehr um Themen, die die Zuhörer zum Nachdenken anregen.» Die Ironie ist dabei ziemlich gut versteckt und die Themen sind äusserst originell. Im Lied «Cocoriti» vergleicht er zum Beispiel einen Wellensittich mit der Gesellschaft, die – wie auch der Vogel – in einem Käfig gefangen ist.

Doch wie kam dieser tiefgründige Songschreiber überhaupt indie Deutschweiz? «Ich bin ineinem kleinen Dorf namens Giornico im Nordtessin aufgewachsen», erzählt der 52-Jährige. In dem idyllischen Dörfchen am Fluss Ticino kam er erstmals in der Primarschule mit Instrumenten in Kontakt. «Dort mussten wir lernen, auf der Blockflöte zu spielen», sagt Santilli Rossi. «Alle meine Mitschüler hassten es, aber ich fand es lustig.» Später war es die Klarinette, welche Mutter und Onkel spielten, die es ihm besonders angetan hat. Doch vom eigenständigen Musiker war er damals noch weit entfernt.

Der Weg zum Musiker

Nachdem er die Handelsschule abgeschlossen hatte, arbeitete Santilli Rossi als junger Mann vier Jahre lang im Büro, um Geld für das Studium zu verdienen. Danach absolvierte er ein Klarinettenstudium am Konservatorium Zürich und schaffte es mit seiner Klarinette und seinem Talent in das Orchester der Oper Zürich. «Dort bot ich zudem verschiedene Workshops für Kinder an», sagt er. Auch sonst war Santilli Rossi in Sachen Projekte nicht faul und nahm als Klarinettist oder als Sänger mit verschiedenen Musikern CDs auf – meistens auf Italienisch. «Ob Jazz, Klassik oder Rock, ich fühlen mich in allen Musikrichtungen wohl.»

«Man kann davon leben, aber reich wird man nicht.»

Santillit Rossi

Das Leben als Musiker passte zum Tessiner, doch: «Als Musiker hast du viele Freiheiten, aber es ist nicht immer ganz einfach, es braucht viel Selbstdisziplin.» Vor allem das Organisieren bereite ihm Mühe. «Das ist wirklich nicht mein Ding», sagt er. Doch er schaffte es auch über die Landesgrenze hinaus. So spielte er in Frankreich, Italien, New York und wurde von der Schweizer Botschaft nach Kasachstan eingeladen. «Ich komme aus einem kleinen Dorf und hätte damit nie gerechnet.»

Nach 25Jahren als Berufsmusiker sagt er: «Man kann davon leben, aber reich wird man nicht.» Für ihn stimme es so – «Ich kann ja auch nichts anders», witzelt er. Und schliesst an: «Viele Jüngere wollen vor allem nur eines: berühmt werden. Doch bei diesem Beruf muss man mit Leidenschaft dabei sein, es ist ein nicht anhaltender künstlerischer Prozess.» Dieser ist auch bei Marco Santilli Rossi, der nächstes Jahr eine neue CD herausbringt, noch nicht abgeschlossen. «Ich möchte so weitermachen wie bisher, doch ich muss unbedingt jemanden finden, der für mich den organisatorischen Teil übernimmt», sagt der Tessiner lachend.

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