Region

Wespen Ja, Plage Nein

Grösser, stärker, aggressiver – die Wespe macht derzeit ausschliesslich Negativschlagzeilen. Tatsächlich aber scheint das schwarz-gelbe Insekt dieses Jahr vielmehr die Medien als die Schädlingsbekämpfer auf Trab zu halten.

Wegen der warmen Temperaturen sind die Wespennester derzeit grösser als im Juli anderer Jahre.

Wegen der warmen Temperaturen sind die Wespennester derzeit grösser als im Juli anderer Jahre. Bild: Archiv ZU

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Der Blick auf die aktuelle Einsatzliste der Feuerwehr Bachenbülach/Winkel ist eine eintönige Sache: Von 23 Einsätzen seit Mitte Juni standen 13 mit Wespen in Verbindung. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Stützpunktfeuerwehr Dielsdorf: Von 31 Einsätzen in den letzten sechs Wochen geschah dies in 20 Fällen wegen Wespen. Zum Vergleich: 2014 war die Feuerwehr im selben Zeitraum nur gerade sechs Mal wegen der Insekten unterwegs. Ist 2015 also ein aussergewöhnliches Wespenjahr? Sucht uns gar eine Wespenplage heim, wie es in einigen Medien geschrieben steht?

Jürg Fritschi winkt ab. Der Materialwart der Feuerwehr Embrachertal befreit sein Einsatzgebiet schon seit 13 Jahren von lästigen Wespen. «2015 liegt bisher im normalen Rahmen», sagt er. Die letzten Tage sei er ein paar Mal wegen der Insekten im Einsatz gestanden, ungefähr 30 Mal insgesamt in diesem Sommer. «Aber das ist nicht übermässig viel. Und nicht immer wurde ich wegen eines grossen Wespennests gerufen. Manchmal war es auch nur eine Wabenzelle mit einer einzigen Wespe, die störte.»

Mehr Sächsische Wespen

Auch Roland Meier, Wespenbeauftragter der Feuerwehr Banesto, spricht nicht von einer Wespenplage. 18 Mal war er bisher in den Gemeinden Bachs, Neerach und Steinmaur wegen Wespen unterwegs. «Das ist normal. Es ist aber möglich, dass am Ende der Sommerferien noch einige Einsätze mehr hinzukommen.» Dann nämlich kämen die Leute von den Ferien zurück und bemerkten womöglich, dass sich bei ihnen Wespen niedergelassen haben.

Einer Wespenart ist Meier in diesem Sommer jedoch häufiger begegnet, als in anderen Jahren: der Sächsischen Wespe (siehe Kasten). «Da sie nicht so angriffslustig ist und nicht an unser Essen geht, stört sie die Leute jedoch nicht so sehr. Deshalb fällt sie wohl auch weniger auf», sagt er. Weshalb genau diese Art öfters vorkommt, kann sich Meier nicht erklären. «Positiv für alle Arten war aber sicherlich der relativ gleichmässig kalte Winter. Weil es nie richtig warm wurde, sind die Wespen nicht aus ihrem Winterschlaf erwacht und hatten im Frühling genügend Kraft, sich zu vermehren.» Nicht in jeder Gemeinde des Zürcher Unterlandes ist es die Feuerwehr, die sich um Wespenprobleme kümmert. Viele Gemeinden verweisen auf private Schädlingsbekämpfungsunternehmen. Eines davon ist Desinfecta in Dällikon. «Derzeit ist bei uns täglich ein Mann alleine mit den Wespen beschäftigt», sagt Andy Probst, Niederlassungsleiter bei Desinfecta.

Von einer Wespenplage könne jedoch nicht die Rede sein. «Weil es dieses Jahr über lange Zeit sehr warm war, ist es lediglich so, dass es vergleichsweise mehr und grössere Nester gibt.» Und eine weitere Aussage von Probst relativiert die diesjährige Wespenzahl: «In den vergangenen beiden Jahren hatte es weniger Wespen als es sie in normalen Jahren. 2015 haben wir nun wieder normale Populationen.»Olivia Rigoni Wegen der warmen Temperaturen sind die Wespennester derzeit grösser als im Juli anderer Jahre.

Erstellt: 24.07.2015, 18:21 Uhr

Zwei lästige Arten

In unseren Breitengeraden findet man sechs Wespenarten in der Nähe von Siedlungen: Die Hornisse, die Mittlere Wespe, die Sächsische Wespe, die Feldwespe, die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Allerdings sind nur zwei davon manchmal für den Menschen lästig: die Deutsche und die Gemeine Wespe. Diese beiden Wespenarten sind die einzigen, die uns beim Essen im Freien zu nahe kommen. Beide bauen ihre Nester in Höhlen und können sehr grosse Völker bilden (1000 bis 7000 Tiere). Während die friedlichen Arten meistens nur bis Mitte September fliegen, können die Gemeine und die Deutsche Wespe bis im November aktiv sein. (ori)

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