Regensdorf

Wettlauf gegen die Zeit um ein Stück Raumfahrtgeschichte

Das Schweizer Raumfahrtunternehmen Ruag Space stellt Guido Schwarz den Prototypen eines Raumfrachters zur Verfügung. Der Gründer des Swiss Space Museums würde das riesige Stück nur zu gerne annehmen, hat aber bis jetzt keine Lagermöglichkeit.

Der Prototyp der Grundstruktur eines solchen Raumfrachters (im Bild der ATV-4 namens Albert Einstein) könnte schon bald Guido Schwarz gehören und somit künftig Teil des Swiss Space Museums sein.

Der Prototyp der Grundstruktur eines solchen Raumfrachters (im Bild der ATV-4 namens Albert Einstein) könnte schon bald Guido Schwarz gehören und somit künftig Teil des Swiss Space Museums sein. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für Guido Schwarz ist es eine kleine Sensation. Weniger vom Finanziellen her, sondern vielmehr aufgrund des ideellen und historischen Werts. Die Rede ist vom Prototypen eines Raumfrachters, den ihm das Schweizer Raumfahrtunternehmen Ruag Space zur Verfügung stellen will. Das Problem an diesem Geschenk ist dessen Grösse: Mit einem Durchmesser von 5 Metern und einer Länge von 7 Metern ist es nicht gerade handlich. Gesucht ist deshalb eine Lagermöglichkeit, wo der Prototyp für mindestens die nächsten zwei Jahre bleiben kann. Guido Schwarz hat auch schon befreundete Direktoren von Raumfahrtmuseen aus dem umliegenden Ausland angefragt. Bisher blieb die Suche allerdings erfolglos.

Versorgung der Raumstation

Von den europäischen Raumfrachtern, die zwischen 2008 und 2014 Lebensmittel, Sauerstoff und Treibstoff zur Internationalen Raumstation ISS transportierten, gab es insgesamt fünf Stück. Die Grundstruktur des sogenannten Automated Transfer Vehicle – kurz ATV – baute Ruag Space. Der Prototyp genau dieser Grundstruktur könnte nun also schon bald Guido Schwarz gehören. «Es geht um ein Stück Raumfahrtgeschichte, das droht, für immer zu verschwinden», fasst er die zusammen.

Der Regensdorfer Guido Schwarz ist Gründer des Swiss Space Museums. Seit 2011 arbeitet er auf sein Ziel hin, den Weltraum auf die Erde zu holen und in einem Museum den Besuchern die Geschichte der Raumfahrt näher zu bringen. Vergeblich suchte er bisher nach einer geeigneten Halle. Aufgrund des jüngsten zukünftigen Museumsstücks drängt nun aber die Zeit. «In den nächsten Wochen müssen wir, wenn auch nicht für das gesamte Museum so zumindest für den Raumfrachter, eine Lösung finden», sagt Schwarz. Ansonsten sieht es nicht gut aus, denn die Ruag Space kann den Prototypen nicht mehr lange bei sich in Zürich-Seebach lagern. Die Zeit, während der das Unternehmen den Raumfrachter für Tests und Messungen benötigt hat, ist vorbei. «Im Notfall müssten wir das riesige Stück auseinander nehmen, um wenigstens einzelne Teile zu retten», sagt Schwarz. Doch so weit möchte er noch gar nicht denken.

Ziel weiterhin vor Augen

Rund 2000 Objekte aus der Raumfahrt hat Schwarz bisher gesammelt. Das fängt beim Pin an, geht weiter über schriftliche Dokumente bis hin zu einem echten Astronautenanzug und der Replika eines Apollo-Cockpits. Jedes Stück ist ein kleiner Schatz. Aufbewahrt werden die künftigen Museumsstücke im mehreren Lagerräumen im Raum Regensdorf. Der Traum, dass seine Schätze eines Tages im Scheinwerferlicht von den Besuchern betrachtet werden können, hat Schwarz noch lange nicht aufgegeben. Selbst wenn er sein ursprüngliches Ziel, das Museum im Sommer 2019 – 50 Jahre nach der ersten Mondlandung – zu eröffnen, nicht erreichen wird. «Ich lasse mich deswegen nicht unterkriegen.» Er werde oft von Leuten angefragt, wo man das Museum denn nun besuchen könne. «Das Publikum wäre auf alle Fälle da, jetzt fehlen nur doch die Räumlichkeiten.»

Roadshow zum Jubiläum

Auch wenn das Museum nicht rechtzeitig parat sein wird, möchte Guido Schwarz das Jubiläum der Mondlandung immerhin mit einer Roadshow feiern – und nicht wie letztes Jahr angekündigt mit einer Ausstellung an der Messe Basel. An verschiedenen Standorten will er eine Auswahl seiner Sammlung zeigen. «Wir werden auf die historische Mondmission aber auch auf die Gegenwart und die Zukunft eingehen», verspricht Schwarz. Der Auftakt zur Ausstellung soll im Rahmen der Fantasy Basel anfangs Mai erfolgen. Als weitere Standorte sieht er unter anderem auch grössere Aulen von Schulen als geeignet. Sicher kein Teil der Roadshow wird allerdings der ATV-Raumfrachter sein – selbst wenn sich bis dahin eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit gefunden haben sollte. Er ist schlichtweg zu gross um vom einen zum anderen Ort transportiert werden zu können.

Wer eine geeignete Halle für die Unterbringung des Raumfrachters oder gar für das Museum kennt, meldet sich unter info@swissspacemuseum.ch.

Erstellt: 08.02.2019, 17:33 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles