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Wohnungsputz für eine gesunde Vogelbrut

Wenn es um die Gesundheit der im nächsten Frühling schlüpfenden einheimischen Vögel geht, denkt der Verein Natur und Umwelt Rümlang jetzt schon voraus. Die Nistkastenreinigung um die frühe Winterzeit ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Engagements seiner Mitglieder.

Teo Vergine (15) aus Rümlang und Ernst Räth, Präsidentdes Vereins Natur und Umwelt, arbeiteten Hand in Hand.
Teo Vergine (15) aus Rümlang und Ernst Räth, Präsidentdes Vereins Natur und Umwelt, arbeiteten Hand in Hand.
Katarzyna Suboticki

Fünf Mitglieder des Vereins Natur und Umwelt Rümlang mit Präsident Ernst Räth sowie zwei Freiwillige versammelten sich beim Tierheim der Helena Frey-Stiftung für Tierschutz zu einem Winterputz von Nistkästen. Mit Spachtel, Zangen, Schraubenziehern und Holzstangen, um die Kasten von den Bäumen zu holen, gingen sie am letzten Samstag in zwei Gruppen aufgeteilt in den nahe liegenden Rümlangerwald. Viele der 200 aufgehängten Nistkästen dienen seit Jahren den Vögeln als Ersatz für fehlende Baumhöhlen dienen. Diese wurden von alten Nestern aus Moos, Wurzeln, Federn und Halmen bereinigt.

Plagende Vogelflöhe

Der Hauptgrund für die Putzaktion ist die Entfernung von Parasiten wie Vogelflöhe, die sich in den Nestern vermehren. «Ein paar Vogelflöhe schaden nicht gross, wenn aber im Nest viele sind, machen sie die Brut kaputt», erklärte Räth. «Sie saugen so viel Blut aus den Jungvögeln aus, dass diese keine Überlebenschance haben.»

Da Vögel alte Nester von sich aus nicht entsorgen, sondern jeden Frühling neue auf alten bauen, muss der Verein putzend eingreifen, da die Nistkästen eh ein künstlicher, wenn auch nötiger Eingriff des Menschen sind. «Wir sind in einem Wirtschaftswald, hier werden Bäume im besten Alter für Nutzung gefällt. Deswegen haben die Bäume fast keine natürlichen Löcher, welche die Vögel nutzen können.» Die Winterzeit wird für diese Aktion gewählt, weil die Flöhe dann weniger aktiv sind. «Sie überleben zwar auf dem Menschen nicht», angenehm seien die Springer auf der Haut trotzdem nicht.

Ein Skelett, ein Ei...

Schon im ersten heruntergeholten Kasten machten Ernst Räth, Teo Vergine (15) und seine Mutter Patrizia einen Fund: Das Skelett eines Jungvogels. Rumpf, Oberschenkel und Rippen waren noch am Stück, daneben lag eine Vielzahl von Miniaturknochen. Warum dieses Junge starb, liess sich natürlich nicht sagen, obwohl Räth neben den Flöhen die wechselhaften Frühlingstemperaturen als einen Grund für tote Jungvögel sieht. «Wir finden auch oft unausgebrütete Eier. Wenn es im Frühling plötzlich kalt wird, hören die Eltern mit dem Brüten oft auf, sonst könnten wegen Nahrungsmangel sowohl sie wie die Jungen sterben.»

Ein solches Ei fand im zweiten Nest auch schon Teo Vergine. «Ich war schon einige Male dabei und finde es spannend.» Ernst Räth vermass das gefundene Ei (16 auf 13 Millimeter) und schätzte es als das einer Kohlmeise ein. Bei jedem Nest bestimmte er anhand des Nistmaterials und der Schlupflochgrösse die Vogelart, die dort gewohnt hat. Alles wurde genau von Patrizia Vergine protokolliert.

… und ein frustrierter Vogel

Einen etwas seltenen Anblick bot ein abgebrochener Kirschbaum. «Totholz ist wahnsinnig wichtig, weil darin das Leben pulsiert», sagte Räth. Insekten, Käfer und ein natürliches Nest von einem Specht konnten die Drei auf dem zweieinhalb Meter hohen Stamm beobachten. Im Nest selber fand sich kein Vogel. Im Gegensatz zum nächsten. Als Teo Vergine dieses herunter holte und Räth den Deckel öffnete, flog eine Kohlmeise raus und reklamierte lauthals. «Sie übernachtet hier, aber das Nest nehmen wir trotzdem weg», bestimmte Räth.

Beide Gruppen schauten bei gut je einem Dutzend Nestern vorbei. Mehr lag an dem Tag wegen der kleinen Anzahl Freiwilligen leider nicht drin.

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