Zum Hauptinhalt springen

Wortakrobatik in allen Gefühlsstimmungen

Slam-Poetry der Jungen: Dielsdorf bot am Wochenende die Bühne für jene, die an die Schweizer Meisterschaften des U20-Slam reisen wollen. Die Grippewelle halbierte das Teilnehmerfeld bereits vorentscheidend.

Die vier Teilnehmer der U20-Slam-Poetry-Vorentscheidung profitierten vom Ausfall ihrer Mitkonkurrenten und qualifizierten sich alle für das Finale. Die Niederweningerin Vera Hauser (18, links) wurde am Abend Zweite, hinter Miriam Schöb (18, rechts), aber vor Ruby Betulius (16) und Luca Koch (19).
Die vier Teilnehmer der U20-Slam-Poetry-Vorentscheidung profitierten vom Ausfall ihrer Mitkonkurrenten und qualifizierten sich alle für das Finale. Die Niederweningerin Vera Hauser (18, links) wurde am Abend Zweite, hinter Miriam Schöb (18, rechts), aber vor Ruby Betulius (16) und Luca Koch (19).
Leo Wyden

Einen wortgewaltigen Wettkampf boten sich am Freitagabend im Bistro Philosophe in Dielsdorf Poetinnen und Poeten vor einem jubelnden Publikum – das ist schliesslich Slam-Poetry: ein Dichterwettstreit, bei dem die Teilnehmer selbst geschriebene Texte auf der Bühne vortragen. Damit schaffte 2013 die mittlerweile landesweit bekannte Dielsdorferin Hazel Brugger ihren Durchbruch.

Der Anlass im Philosophe war die erste der zwei U20-Slam-Zürich-Vorrunden, deren Sieger sich an der kantonalen Meisterschaft Zürich messen. Die Grippewelle hatte dafür gesorgt, dass von den geplanten acht lediglich die Hälfte der Slammer erschien: Vera Hauser (18) aus Nieder­weningen, Ruby Betulius (16) aus Zürich, Miriam Schöb (18) aus St. Gallen und Luca Koch (19) aus Schwyz gaben alles, um das Publikum von sich zu überzeugen, denn die Jury bestand aus fünf Besuchern, die für jeden Auftritt Punkte vergab. Das über 100-köpfige Publikum genoss die Auftritte sichtlich und kommentierte die Punktevergabe jeweils mit Klatschen oder aber mit Buhen bei zu tiefen Bewertungen.

Eloquenz der Ideen

Die Slammer Laurentia Nussbaum und Fabian Engeler vom Verein Solarplexus führten gewitzt und gut gelaunt durch den ganzen Abend. Für Uneingeweihte im Publikum wurden die Regeln erklärt: Sechs Minuten Zeit hatten die Jungpoeten, um ihre selbst geschriebenen Text vor­zutragen, ohne Requisiten oder Verkleidungen. In zwei Runden ging es an die Kunst des gesprochenen Wortes.

Vera Hausers erster Beitrag war eine poetisch-schöne Metapher auf die Grauen des Krieges, verpackt in ein Märchen von einem Hirtenjungen und seinem goldenen Vogel, bei dem die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verflossen. Ihr zweiter Text war eine abstrakte, nachdenkliche Sinncollage um die (Nicht-)Farbe Weiss.

Ruby Betulius hatte in Dielsdorf ihren allerersten Auftritt als Slam-Poetin. Sie trug einen Streitmonolog mit der Liebe vor sowie einen Appell gegen Diskriminierung der Frauen.

Miriam Schöb führte mit «Blinzeln» in eine Art «Alice im Wunderland»-Welt, die nicht nur von Ideen und Emotionen sprühte, sondern auch von Alliterationen und Reimen. Ihr zweites Stück war eine lustige Erinnerung an eine Klasse mit all ihren komischen Gestalten, sie selbst ein­geschlossen. Luca Koch fing mit Herzschmerz an, als er eine knallharte Abrechnung mit einer zerbrochenen Beziehung vortrug. Sein «Appell an das Leben» war wiederum ein positives Hoch auf die Zeit, die man nutzen soll.

Alle sind eine Runde weiter

Der Abend machte in den acht Texten alle Gefühlspaletten durch. Für die Niederweningerin Vera Hauser scheint aber beim Schreiben eher eine Emotion überhandzunehmen, wie sie selber sagt: «Ich kann nicht auf Kommando lustig sein. Slam-Poetry ist ja mehr Wortakrobatik mit etwas Witz drin. Ich schreibe eher Kurzgeschichten», gibt die 18-Jährige zu. Ihre Inspiration holt sie sich von Gelesenem und ihrem Notizbuch, in dem sie regelmässig Ideen festhält. «Ich notiere mir zum Beispiel Sätze, die ich mag, wie ‹Hoffnung ist ein Mangel an Informationen›, und um diese Sätze her­um forme ich meine Geschichte.» Mit nur zwei Punkten weniger als Miriam Schöb wurde Vera Hauser Zweite.

Die Überraschung für alle Teilnehmenden folgte nach der endgültigen Punktevergabe: Alle vier qualifizierten sich für die kantonale Meisterschaft, damit diese genug Teilnehmer hat.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch