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Wulle-Hüüsli schliesst – Strick-Leidenschaft bleibt

Sonja Stillhard sagt von sich selber, dass sie wohl bereits gestrickt habe, bevor sie gehen lernte. Trotz dieser grossen Leidenschaft gibt die Besitzerin des Wulle-Hüüsli in Regensdorf ihr Lädeli Mitte Jahr auf.

Sonja Stillhards Wulle-Hüüsli gibt es nur noch bis Ende Juli. Dass das Stricken dennoch ihre grosse Leidenschaft bleibt, zeigt sie damit, dass sie sich fürs Foto spasseshalber inmitten ihrer Kreationen im Schaufenster setzt.
Sonja Stillhards Wulle-Hüüsli gibt es nur noch bis Ende Juli. Dass das Stricken dennoch ihre grosse Leidenschaft bleibt, zeigt sie damit, dass sie sich fürs Foto spasseshalber inmitten ihrer Kreationen im Schaufenster setzt.
frc

Bis unter die Decke und darüber hinaus, so scheint es, stapeln sich Woll- und Garnknäuel. Dazwischen lugen Figuren aus Ton und eine kunstvoll gemachte Porzellanpuppe hervor. Inmitten der bunten Umgebung sitzt an diesem Nachmittag auch die bald 60-jährige Sonja Stillhard, natürlich im selbstgestrickten Pullover. Die Tage ihres Wulle-Hüüsli, welches sie jeweils nachmittags und am Samstag offen hat, sind allerdings gezählt.

Der Umsatz ging zurück

An den Morgen arbeitet Sonja Stillhard jeweils als kaufmännische Angestellte. Die 50-Prozent-Stelle im Büro wird sie behalten. Obwohl das Stricken und Gestalten eigener Bekleidung ihr ganz grosses Hobby ist, wird sie ihr Geschäft an der Watterstrasse aber schliessen. «Ich möchte einfach mehr Zeit haben für mich», sagt sie.

Dies sei der wichtigste Grund. Aber Sonja Stillhard gibt auch zu, dass der Umsatz seit der Eröffnung 2005 zurück gegangen ist. «Da ändern auch Modetrends nichts», erklärt sie auf die Frage hin, wieso sie nicht vom momentanen Strickhype profitieren könne. «Ich profitiere leider nur kurzfristig von Modeerscheinungen wie beispielsweise myboshi, Mützenpommeln oder Loops (eine Art Schal).»

Ausserdem spüre auch sie den Einfluss des Internets. Mit ihren Strick-Aktionen für Hilfsorganisationen wie beispielsweise die Krebsvorsorge oder «Denk an mich» sei sie aber immer erfolgreich gewesen. Auch leitet sie ein kleines «Lismigrüppli». Ob dies weiter bestehen bleibt, ist noch nicht restlos geklärt. Die Chancen dafür stehen aber nicht schlecht.

Durch die Schliessung ihres Lädelis wird Sonja Stillhard auch wieder mehr Zeit für andere Hobby haben. Sie und ihr Mann sind öfters mit dem Fahrrad unterwegs und radeln gern entlang der grossen Flüsse Europas. Nebst dem Stricken ist sie auch Aktivmitglied bei den Freischützen Niederweningen. Im Gespräch stellt sich dann auch noch heraus, dass die vielseitige Dame in einem Chor singt. Diese Hobbys wird sie weiter ausüben. Da ist sie sich sicher.

Farbige Socken für den Gatten

Das Stricken hat Sonja Stillhard als Kleinkind gelernt. «Das ‹Lismen› hat eine lange Tradition in meiner Familie. Ich konnte wohl schon stricken, bevor ich laufen lernte», sagt sie verschmitzt. Sie erinnert sich an die Kaffee- und Strickrunden bei ihrer Tante. «Nur Kaffee zu trinken, wäre ja eine Zeitverschwendung.» Durch das Stricken und Gestalten eigener Kleidung kann sich Stillhard kreativ ausleben.

«Ich wollte und will keine 08/15-Kleider», betont sie. Vor dem Fernseher sind zum Beispiel schon zahlreiche Socken entstanden. «Mein Mann liebt meine Socken. Möglichst farbig sollen sie sein». erzählt sie und schmunzelt. Wie zur Bestätigung kommt in diesem Moment eine Kundin in den Laden und sieht sich suchend um. Sie möchte Sockenwolle kaufen. Nachdem Sonja Stillhard ihr eine gute Alternative zur nicht vorhandenen gewünschten Wolle empfohlen und verkauft hat, kommt bereits die nächste Kundin, auch sie auf der Suche nach Wolle für Socken.

Zukunft wird nicht langweilig

Es sind aber nicht nur Frauen, die die Gelegenheit, noch vor der Schliessung im Wulle-Hüüsli einzukaufen, nutzen. «Der junge Herr, der Wolle suchte für das Fingerstricken, brachte sogar mir als Expertin noch etwas bei. Nämlich was Fingerstricken – also das Stricken ohne Stricknadeln – ist.» Bei dieser Erinnerung muss die bald 60-Jährige schmunzeln. Auch der Gedanke an die Bewohnerin des nahe gelegenen Alterswohnheimes, deren Argument für die Wahl des Heimes die Nähe eines «Lismi- ladens» war, rührt die Wulle-Hüüsli-Besitzerin.

Wie es in der Zukunft weitergehen wird, ist noch nicht ganz klar. «Sicher werde ich mit meinem Engagement für ‹Denk an mich› weitermachen. Vielleicht wird es auch einen ‹Sonjas Strickservice› geben. Sicher aber freue ich mich über die neu gewonnene Zeit», sagt Sonja Stillhard.

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