Schleinikon

Zweiter Platz beim Melkwettbewerb

Schweizer Meister im Melken war Andreas Utzinger bereits im Januar geworden. Deshalb konnte er nach Deutschland an die Europameisterschaft reisen.

Andreas Utzinger, Vize-Europameister im Melken, ist flink bei der Arbeit und sorgfältig im Umgang mit den Kühen.

Andreas Utzinger, Vize-Europameister im Melken, ist flink bei der Arbeit und sorgfältig im Umgang mit den Kühen. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine Urkunde und einen Eintritt an die Eurotier in Hannover im November haben Andreas Utzinger und Simon Bach als Vize-Europameister im Melken erhalten. Der 19-jährige Landwirt freut sich über den Erfolg, der eine Selbstbestätigung sei. Aber er kümmert sich lieber um die Tiere und erledigt seine Arbeit, als dass er weiter über seinen Titel nachdenkt. Ein bisschen stolz ist er schon. «Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass wir eine Chance haben», sagt er. Dass er bei den Europameisterschaften erfolgreich war, hat sich in Fachkreisen bereits herumgesprochen. Im Moment arbeitet er aber weiterhin auf dem elterlichen Hof in Schleinikon und bei einem zweiten Betrieb in Lengnau (AG).

Kaum zurück, schon wieder an der Arbeit

Ende April war Andreas Utzinger zusammen mit seinem Teamkollegen Simon Bach und Betreuer Franz Sutter, Geschäftsführer von Profi-Lait, eine Organisation, die sich für die Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Milchproduzenten einsetzt, nach Hamburg geflogen. Von dort ging es mit dem Auto weiter zum Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem. Vier Tage später landete der Schleiniker wieder in Kloten. Kaum war er zu Hause, stand er schon wieder im Stall.

Der junge Mann ist mit Leib und Seele Bauer. «Es war mein Berufswunsch. Mein Vater ist Bauer, und mein Grossvater ist seinerzeit vom Dorf hierher auf Bernalten ausgesiedelt. Ich wusste genau, was mich erwartet.» Die dreijährige Ausbildung absolvierte er im Strickhof in Lindau und im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg (AG). Einer seiner Lehrmeister motivierte ihn für die Teilnahme an Melk-Meisterschaften. «In der Regionalausscheidung bin ich dritter geworden, deshalb konnte ich im Januar dieses Jahres an der nationalen Ausscheidung teilnehmen», erklärt er. Dass er dort als Bester der insgesamt acht Teilnehmer abschneiden und damit den Schweizermeister-Titel holen würde, hätte er nicht gedacht.

Letzte Vorbereitung im Flugzeug

Die Folge davon war die Teilnahme an der Europameisterschaft. «Simon und ich haben uns auf dem Flug noch mit den Theoriefragen beschäftigt.» Ein Teil der Fragen sei bekannt gewesen «natürlich ohne die Lösung», betont er. Obwohl die tehoretische Prüfung für Andreas Utzinger die grösste Herausforderung war, erzielte er 36 von 40 möglichen Punkten. «Ein paar Fragen bezogen sich auf deutsche Verhältnisse, da wusste ich nicht so gut Bescheid.»

Sicher fühlte sich der Schleiniker dagegen beim praktischen Teil. Zwar habe er sich auf die fremde Umgebung und unbekannten Tiere einstellen müssen. Aber beim Melken kennt er sich aus. Zu Hause warten zweimal täglich 40 Kühe im modernen Melkstand darauf, dass sie gemolken werden. Der Ablauf bleibt auch an den Wettkämpfen der-selbe. «Zuerst muss die Erstmilch von Hand aus dem Euter gestrichen werden. Dann folgt die Reinigung des Euters, bevor die Melkmaschine angehängt wird», erklärt Andreas Utzinger. «Bei der Schweizermeisterschaft vergass ich, zuerst in die Kontrollschale zu melken, um die Milchqualität zu beurteilen.» Weil er den Fehler aber sofort bemerkte und selber darauf hinwies, kam er trotzdem weiter. Ist der Melkvorgang abgeschlossen – die Maschinen stellen selber ab – müssen noch von Hand die Euterkontrolle durchgeführt und zum Schluss die Zitzen desinfiziert werden.

Nur knapp hinterDeutschland platziert

Die beiden jungen Männer aus der Schweiz erreichten eine Gesamtzahl von 205,5 Punkten, die Sieger aus Deutschland kamen auf 206,4. «Es war also sehr knapp», sagt Andreas Utzinger. Gemäss Einschätzung von Franz Sutter spielte der Zeitfaktor die entscheidende Rolle, die Schweizer waren langsamer, dafür gründlicher. «Bei der Sauberkeit holten wir das Maximum von 8 Punkten», sagt Andreas Utzinger. Ob ihm der Titel für seine berufliche Entwicklung nützt, weiss er nicht. Er überlegt sich, die Meisterprüfung zu machen. Auch ein Aufenthalt in Übersee reizt ihn. «Im Moment mache ich weiter wie bisher, denn im kommenden Januar muss ich in die RS. Danach schaue ich weiter.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 16.05.2018, 16:41 Uhr

Prüfung in Theorie und Praxis

Je ein Zweierteam aus Belgien, Deutschland, Österreich und der Schweiz massen sich Ende April im europäischen Länderwettkampf Melken. Die Europameisterschaft fand im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem in Niedersachsen statt. In einem Side-by-Side-Melkstand, der das Melken der Kühe von hinten ermöglicht, mussten die Teilnehmer 12 Kühe melken. Zum Programm gehörte auch der vorgängige Eutergesundheitstest. Besonders viel Gewicht wurde bei der praktischen Melkarbeit neben der Funktions-kontrolle, der Gewandtheit beim Vorbereiten der Kuh und dem Umgang mit dem Melkzeug, der Ansetzzeit, dem Ausmelkgrad und der Melkleistung beige- messen. Die erreichten Punktzahlen wurden mit den von Testmelkern ermittelten Resultaten unter «Wettbewerbs- bedingungen» verglichen.

Neben dem praktischen Teil galt es, 40 Fragen zu beant- worten zu den Themen Landwirtschaft, Milchviehaltung und Melken.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!