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Politshow in ItalienDiese Lust an der List


Wunderbar, so eine Regierungskrise in der Pandemie! Wie Italien sich mit dem ganz normalen Wahnsinn der politischen Blase unterhält – allem Ärger zum Trotz.

Giuseppe Conte unter Druck: Der Premier inmitten der Presse.
Giuseppe Conte unter Druck: Der Premier inmitten der Presse.
Foto: Imago

Ein Winterabend in Rom, kurz vor 22 Uhr, gleich beginnt die Ausgangssperre. Blaulicht flackert in den Regenlachen, auch das Pantheon steht in diesem grellen Blau. Kein Passant auf der Piazza, Touristen sowieso nicht, nur Militär und Polizei mit ihren gepanzerten Wagen und den Sirenen. Sie sperren alle Zugangsgassen zum Palazzo Madama, dem Senat, als wäre er das Capitol in Washington, als stünde er kurz vor der Stürmung. «C’è il voto», sagt ein Beamte, es werde gerade abgestimmt. Dann schaut er wieder auf sein Handy.

Im Palast am anderen Ende der Via Giustiniani entscheiden sie über das politische Schicksal des Premiers, von Giuseppe Conte, einem parteilosen Anwalt aus Süditalien. Elegant im Auftritt, Krawatten von einem berühmten Schneider, immer ein weisses Tuch in der Brusttasche. Er ist beliebt im Volk, aber ein politischer Amateur. An diesem Abend wird Conte die Vertrauensabstimmung nur knapp gewinnen, mit der Hilfe von Senatoren, die sich bis zur allerletzten Sekunde zieren mit ihrem Ja. Einer von ihnen ist Lello Ciampolillo (48), früher Cinque Stelle, von dem man bisher nur wusste, dass er die Bakterie, die in seiner Heimat Apulien die alten Olivenbäume krank macht, mit Seife bekämpfen will. Ciampolillo stimmt so spät für Conte, dass sie den Videobeweis heranziehen müssen. War er nicht zu spät dran, zwei, drei Sekunden?

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