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Kantonsärzte als SchiedsrichterDieser Fall sorgt bei den Profiligen für Alarm

Wird der Kantönligeist für die Fussball- und Eishockeyclubs zum grossen Spielverderber? Die Corona-Infektionen im Amateurfussball zeigen, wie kompliziert es werden kann.

Keine besonders guten Aussichten für die Spieler der Swiss Football League: 26 unterschiedliche Schutzmassnahmen wollen sie unbedingt verhindern.
Keine besonders guten Aussichten für die Spieler der Swiss Football League: 26 unterschiedliche Schutzmassnahmen wollen sie unbedingt verhindern.
Laurent Gillieron (Keystone)

Stichtag ist der 1. Oktober. Dann dürfen wieder mehr Zuschauer in die Fussballstadien und die Eishockeyarenen dieses Landes – das hat der Bundesrat entschieden. Doch statt Vorfreude auf den Wiederbeginn herrscht bei den Proficlubs Skepsis. Denn der Bundesrat hat auch bekannt gegeben, dass er die Bewilligungspflicht an die Kantone delegieren wird.

Die Clubs hätten jedoch lieber eine nationale Lösung statt eines kantonalen Flickenteppichs. «Wir erwarten, dass all unsere Clubs gleich behandelt werden», sagt Heinrich Schifferle, Präsident der Swiss Football League. Zumal in der neuen Saison mit Aufsteiger Vaduz auch noch ein ausländischer Club in der Super League mitspielt.

Ähnlich klingt, was SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi sagt: «Es kann nicht sein, dass im einen Kanton dieses gilt und im anderen jenes. Wir sind eine nationale Meisterschaft, wir spielen im selben Land – entsprechend brauchen wir eine nationale Lösung.» Der einflussreiche Funktionär sagt, die Clubs hätten ihre Hausaufgaben gemacht, und erwartet nun, «dass die Behörden eine einheitliche Regelung schaffen».

Nun verdeutlicht der Fall des FC Dietikon aus der 1. Liga, dass die Befürchtungen der Profiligen eintreffen könnten. Er dürfte sie alarmieren – weil er zeigt, was passieren kann, wenn die Schutzkonzepte nicht nach einheitlichen Regeln beurteilt werden. Sondern jeder Kanton für sich entscheidet. Dass, im schlimmsten Fall, 26 Kantonsärzte involviert sind. Mit 26 unterschiedlichen Auslegungen.

Von 9 Spielern nur 6 in Quarantäne

Vom positiven Corona-Fall beim Amateurclub aus der Agglomeration Zürich sind neun Spieler betroffen. In Quarantäne müssen jedoch nur sechs: fünf aus dem Aargau (darunter der Infizierte) und einer aus dem Kanton Schwyz. In Zürich dagegen verzichtete die Gesundheitsdirektion auf die Massnahme. Vom Trainingsbetrieb ausgeschlossen wurden aber auch diese drei Spieler – durch den FC Dietikon. «Das haben wir selbst entschieden», sagt Dietikons Sportchef Christian Müller und findet: «Die Entscheide sind komisch, weil ja alle neun Spieler beim Grillfest zusammensassen. Da müssten für alle dieselben Bedingungen herrschen.»

Nicht rauchen, dafür Maske tragen: In den Garderoben des Amateurfussballs wird die Gefahr für den Profibetrieb sichtbar.
Nicht rauchen, dafür Maske tragen: In den Garderoben des Amateurfussballs wird die Gefahr für den Profibetrieb sichtbar.
Raisa Durandi

Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich äussert sich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht detailliert zum Fall, eher allgemein. Auf Anfrage schreibt sie: Nach mehreren Zusammenkünften der betroffenen Spieler sei die individuelle Kontaktzeit mit dem Infizierten berechnet worden. «Der Entscheid wurde dann unter Berücksichtigung aller Faktoren gefällt.»

Unverständnis bei Politikern

Dass der Kantönligeist die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den verschiedensten Sportarten verkompliziert, sorgt auch bei Politikern für Unverständnis. Der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen (FDP) spricht von einem «Vetorecht der Kantone». Mittels einer Petition, von Wasserfallen mitinitiiert, soll weiter Druck auf die Politik gemacht werden. Bis zum 2. September wird das Innendepartement (EDI) zusammen mit den Kantonen die Rahmenbedingungen der Schutzmassnahmen abstecken.

Ob die Profiligen mit ihrem Vorhaben durchdringen, am Fahrplan noch etwas zu ändern? Fraglich. Im «Blick» klagt Sions Präsident Christian Constantin ohne grosse Illusionen: «Bis zum 2. September können die Clubs nichts machen. Sie stehen weiter still. Und Unternehmungen, die stillstehen, kommen mit jedem Tag dem Tod ein bisschen näher.»

6 Kommentare
    Hubert Glauser

    Was Verhältnismässig sein wird, werden die Anzahl Fälle während einem Fussballspiel zeigen.