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Neues Buch übe den US-PräsidentenDonald Trumps Nichte will das Schweigen brechen

Die Familie des US-Präsidenten hütete bislang ihre Geheimnisse. Nun will Mary Trump in einem Buch über den «gefährlichsten Mann der Welt» berichten.

Sie stehen sich nicht besonders nah: Donald Trump und seine Nichte Mary Trump.
Sie stehen sich nicht besonders nah: Donald Trump und seine Nichte Mary Trump.
Fotos: Keystone/Twitter

Hat die Trump-Familie den gefährlichsten Mann der Welt hervorgebracht? Während sich die meisten Menschen ihre Meinung über Donald Trump nach bald dreieinhalb Jahren Amtszeit gemacht haben, hielten sich die nächsten Verwandten des US-Präsidenten mit öffentlichen Aussagen bislang vornehm zurück. Doch das soll sich nun ändern, denn nun wurde der Titel eines Buches bekannt, das Donald Trumps Nichte Mary in wenigen Wochen veröffentlichen will: «Too Much and Never Enough: How My Family Created the World’s Most Dangerous Man» («Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt schuf»).

Der Buchtitel hat in den USA hohe Wellen geworfen, denn die Trump-Familie hält eigentlich zusammen. Und so ist man gespannt, weshalb die 55-jährige Mary Trump den Präsidenten für den gefährlichsten Mann der Welt hält und sie rund vier Monate vor den Wahlen gut gehütete Familiengeheimnisse lüften will. Anfragen von verschiedenen US-Medien an den Verlag oder die Autorin blieben bislang unbeantwortet, auch das Weisse Haus oder Trumps Geschwister haben bislang keine weitere Auskunft gegeben.

Die «New York Times» weiss, dass Mary im Buch auch bekannt geben wird, dass sie die Hauptquelle für die Recherche der Zeitung über die Finanzen von Donald Trump war und der Times dabei auch vertrauliche Steuerdokumente weitergegeben hatte.

Ein Pilot als Schandfleck der Familie

Zu Mary Trump hatte der US-Präsident allerdings schon seit Jahren ein angespanntes Verhältnis. Sie ist die Tochter von Fred Trump Junior, Donalds älterem Bruder. Dieser wurde von seiner Familie geächtet, als er sich gegen eine Karriere im Trump-Firmenimperium entschied und stattdessen die Pilotenausbildung bei der Trans World Airlines (TWA) antrat, damals eine der grössten Fluggesellschaften der Welt. Donald Trump sagte seinem Bruder, dass er damit seine Zeit verschwende, Vater Fred Senior beschimpfte seinen ältesten Sohn, der nichts anderes sein wolle als ein «Chauffeur im Himmel».

Fred Trump Junior (links) 1966 beim Unterzeichnen eines Vertrags.
Fred Trump Junior (links) 1966 beim Unterzeichnen eines Vertrags.
Foto: The New York Post via Getty Images

Fred Junior starb bereits 1981 im Alter von 42 Jahren an Herzversagen, das auf seine Alkoholkrankheit zurückgeführt wurde. Sein früher Tod war eine Tragödie, die Donald Trump gemäss eigenen Aussagen mehr bewegte als alles andere in seinem Leben und ihn bis heute verfolgt. Fred Junior wollte die Verantwortung des Familienimperiums nicht tragen, und auch der heutige US-Präsident weiss, dass sein Bruder nicht dafür geschaffen war. «Ich bereue es, dass ich ihn unter Druck gesetzt habe», sagte Donald Trump in einem Interview mit der «Washington Post». «Es war einfach nicht sein Ding. Ich glaube, der Fehler, den wir gemacht haben, war die Annahme, dass es allen gefallen würde.»

Streit um das Familienerbe

Der verstorbene Fred Junior hinterliess zwei Kinder, Mary und Fred III. Die beiden gingen davon aus, dass sie nach dem Tod ihres Grossvaters den Anteil von Fred Junior erben würden. Doch Donald Trump und seine restlichen Geschwister, sein älterer Bruder Robert und die beiden Schwestern Maryanne und Elizabeth, hatten andere Pläne. Letztlich soll es der heutige US-Präsident gewesen sein, der seinem Vater beim Umschreiben des Testaments geholfen haben soll. Dabei habe er den an Alzheimer erkrankten Fred Senior beeinflusst, sodass Mary und Fred III nach dessen Tod im Jahr 1999 letztlich kaum etwas erbten.

Als die beiden Geschwister deswegen vor Gericht zogen, verärgerten sie Donald Trump damit aufs Äusserste. Er stoppte die bis dahin vom Trump-Clan finanzierte medizinische Behandlung von Freds Sohn, der an Zerebralparese erkrankt war. «Ich war verärgert, weil sie mich verklagten», erklärte er später seine Reaktion. Fred III war über das Verhalten seiner Onkel und Tanten entsetzt, sie hätten seinem Sohn einfach so die Deckung der Behandlungskosten entzogen, nur um ihn unter Druck zu setzen und im Streit um das Erbe klein beizugeben, gab er vor Gericht zu bedenken.

Donald Trump und sein Vater Fred Trump mit Box-Promoter Don King 1987 in Atlantic City.
Donald Trump und sein Vater Fred Trump mit Box-Promoter Don King 1987 in Atlantic City.
Foto: Keystone

Der New Yorker Tageszeitung «Daily News» sagte Fred III, dass seine Verwandten keine warmherzigen Menschen seien. Sie hätten seinen Sohn William kein einziges Mal im Spital besucht. «Man muss in dieser Familie widerstandsfähig sein. Mein Vater konnte das nicht.» Er habe aber nicht zurückgesteckt. Letztlich sollen sich die Parteien aussergerichtlich geeinigt haben. Details zur Aufteilung des Erbes sind allerdings nicht bekannt, die Familie hütet dieses Geheimnis seit über 20 Jahren.

Mary Trump unterstützte Hillary Clinton

Auch Fred III und Mary schwiegen bislang. Mary sagte der «Daily News» nach dem Erbstreit lediglich, dass es ihr um die Anerkennung ihres Vaters ging, der schliesslich der älteste Sohn war. Und um die medizinische Behandlung für William, der schliesslich der Urenkel des verstorbenen Fred Senior sei. «In dieser Familie wäre es aber naiv zu denken, dass es ihnen nicht um das Geld ging», sagte Mary über ihre Verwandtschaft.

In ihrem Buch «Zu viel und nie genug» wird es daher wohl auch um Geld gehen. Dass Mary kein Fan ihres Onkels Donald ist, zeigte sich schon nach dessen Wahl im November 2016. Mary zeigte sich auf Twitter schockiert, auf mehrere Tweets antwortete sie, das sei die schlimmste Nacht ihres Lebens.

Sie hatte damals wohl nicht ihren Onkel gewählt, sondern die demokratische Kandidatin Hillary Clinton, wie ein weiterer Tweet vermuten lässt. Sie zeigte sich fassungslos, dass Clinton gegen «das» verloren hat, womit Donald Trump und sein Wahlkampf gemeint ist.

Der US-Präsident hat zwar noch zwei weitere Neffen – seine beiden ältere Schwestern haben je einen Sohn, wie die «Washington Post» in einem Stammbaum der Sprösslinge von Fred Trump Senior und Mary Anne MacLeod Trump aufzeigt. Zudem hat der jüngere Bruder Robert den Sohn seiner Ehefrau adoptiert.

Mary Trump ist somit die einzige Nichte des Präsidenten, der selber drei Söhne und zwei Töchter hat: Donald Jr., Eric und Ivanka aus erster Ehe mit Ivana Zelnickova, Tiffany aus zweiter Ehe mit Marla Marples und Barron aus der Ehe mit der jetzigen First Lady Melania Trump.

Wahlkampf für den Vater: Die Halbschwestern Tiffany und Ivanka Trump traten 2016 gemeinsam in der Kampagne von Donald Trump auf. Während Ivanka mit ihrem Ehemann Jared Kushner nun den Präsidenten berät, ist es um Tiffany ruhig geworden – im Mai hat sie nach drei Jahren Studium eine Anwaltsschule abgeschlossen.
Wahlkampf für den Vater: Die Halbschwestern Tiffany und Ivanka Trump traten 2016 gemeinsam in der Kampagne von Donald Trump auf. Während Ivanka mit ihrem Ehemann Jared Kushner nun den Präsidenten berät, ist es um Tiffany ruhig geworden – im Mai hat sie nach drei Jahren Studium eine Anwaltsschule abgeschlossen.
Foto: Keystone

Zwist gab es in der Trump-Familie offenbar, als der jüngste Bruder Robert die Trump-Casinos verwalten sollte und Donald ihm vorwarf, dass er seinetwegen ein Vermögen verliere. Robert habe daraufhin den Bettel hingeschmissen, das Verhältnis der Brüder soll sich abgekühlt haben, berichtete der Leiter eines Casinos in Atlantic City, wo sich der Streit ereignet haben soll.

Robert äusserte sich aber nie zum Vorfall, Donald stritt den Bericht ab. Bei der Wahl 2016 unterstützte Robert seinen älteren Bruder und feierte mit ihm den Sieg, später soll eine Firma, in die er investiert hatte, staatliche Aufträge erhalten haben, wie die «Washington Post» berichtete.

Was sagt Trumps älteste Schwester?

Donald Trump mit seiner ältesten Schwester Maryanne Trump Barry bei der Verhandlung eines geplanten Trump-Golf-Resorts in Schottland, dem Heimatland ihrer Mutter Mary Anne MacLeod Trump.
Donald Trump mit seiner ältesten Schwester Maryanne Trump Barry bei der Verhandlung eines geplanten Trump-Golf-Resorts in Schottland, dem Heimatland ihrer Mutter Mary Anne MacLeod Trump.
Foto: Reuters

Donald Trumps Schwester Maryanne Trump Barry war bis 2019 Bundesrichterin am Berufungsgericht der USA. Sie trat zurück, als eine Untersuchung eingeleitet wurde, bei der es darum ging, ob sie im Zusammenhang mit den Steuerpraktiken des Familienunternehmens gegen gerichtliche Verhaltensregeln verstossen hatte. Maryanne soll nicht nur gut über ihren Bruder Donald sprechen. Wie ihre jüngere Schwester Elizabeth Grau hat sie sich aber nie öffentlich zur Präsidentschaft Trumps geäussert.

Im Buch «Too Much and Never Enough: How My Family Created the World’s Most Dangerous Man» soll es aber auch um Gespräche gehen, welche Mary Trump mit ihrer Tante Maryanne Trump Barry geführt hatte und was sie von ihrem Bruder hält. Die beiden gaben den Medien bislang aber keine weitere Auskunft. Das Buch soll am 28. Juli 2020 erscheinen, genau 14 Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen am 3. November. Der herausgebende Verlag Simon & Schuster hat auch schon «Fear: Trump in the White House» von Watergate-Rechercheur Bob Woodward oder kürzlich die inoffizielle Melania-Trump-Biografie «The Art of Her Deal» veröffentlicht.

Bei Amazon kann das Buch bereits bestellt werden. Dazu heisst es: «In diesem aufschlussreichen Porträt von Donald J. Trump und der vergifteten Familie, die ihn zu dem Mann machte, der er ist, wirft Mary L. Trump, eine ausgebildete klinische Psychologin und Donalds einzige Nichte, ein helles Licht auf die dunkle Geschichte ihrer Familie, um zu erklären, wie ihr Onkel zu dem Mann wurde, der heute die Gesundheit, die wirtschaftliche Sicherheit und das soziale Gefüge der Welt bedroht.»
Bei Amazon kann das Buch bereits bestellt werden. Dazu heisst es: «In diesem aufschlussreichen Porträt von Donald J. Trump und der vergifteten Familie, die ihn zu dem Mann machte, der er ist, wirft Mary L. Trump, eine ausgebildete klinische Psychologin und Donalds einzige Nichte, ein helles Licht auf die dunkle Geschichte ihrer Familie, um zu erklären, wie ihr Onkel zu dem Mann wurde, der heute die Gesundheit, die wirtschaftliche Sicherheit und das soziale Gefüge der Welt bedroht.»
Foto: Amazon