Thalwil

Ehefrau soll ihren dementen Mann entführt haben

Ehefrau und Tochter werden beschuldigt, einen dementen 78-Jährigen nach Kroatien ins Pflegeheim entführt zu haben. Gegen die Weisung der Kesb. Die beiden Frauen sagten vor Gericht, sie hätten die Erlaubnis dazu gehabt.

Weil sie ihren dementen Mann nach Kroatien bringen wollten, mussten sich eine 81-jährige Thalwilerin und deren Tochter heute vor Gericht verantworten.

Weil sie ihren dementen Mann nach Kroatien bringen wollten, mussten sich eine 81-jährige Thalwilerin und deren Tochter heute vor Gericht verantworten. Bild: Symbolbild/Keystone

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Die Geschichte ist ohne Zweifel tragisch. Eine 81-jährige Thal­wile­rin pflegt ihren dementen Mann jahrelang zu Hause. Als sie sich überfordert fühlt, planen sie und ihre Tochter im Sommer 2013, den Ehemann und Vater in ein Pflegeheim nach Kroatien zu bringen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Ho­rgen bekommt davon Wind – durch einen anonymen Hinweis.

Nach einem Hausbesuch entscheidet die Kesb, dass die beiden Frauen den dementen Herrn nicht ohne Wissen der Behörde an einen anderen Ort bringen dürfen. Im November wird es der Ehefrau zu viel. Sie fährt mit Bekannten und ihrem Mann nach Kroa­tien. Die Tochter soll bei den Vorbereitungen geholfen und von der Reise gewusst haben. In Kroatien kommt der alte Mann ins Pflege­heim. Seine Frau bleibt noch ein paar Tage bei ihm, dann geht sie zurück in die Schweiz. Keine zwei Wochen später stirbt der Mann in einem kroatischen Spital eines natürlichen Todes.

Für die Mutter und ihre Tochter beginnt damit ein Albtraum, wie sie am Bezirksgericht Hor­gen ausführten. Die Kesb reicht Strafanzeige wegen Entführung ein. Die Behörden führen Hausdurchsuchungen durch. Die 81-Jährige muss ein 13-stündiges Ver­hör über sich ergehen lassen. Ihre Tochter wird acht Tage lang in Untersuchungshaft verfrachtet, wegen angeblicher Verdunkelungsgefahr. Die Staatsanwaltschaft bringt die beiden vor Gericht – wegen Entführung. Der Staatsanwalt verlangte am Dienstag je eine 14- und eine 18-monatige Gefängnisstrafe auf Bewährung.

Frauen fühlen sich im Recht

Die Beschuldigten bestritten die Reise nach Kroatien nicht. Allerdings sei das Ehepaar nur ferienhalber ins Heim gefahren. Bezahlt haben sie für drei Monate. Auch die Aufenthaltsgenehmigung war für drei Monate ausgestellt. Der Vertrag für das Heim war unbefristet, hätte aber jederzeit gekündigt werden können, wie die Ehefrau sagte. Die beiden Frauen fühlen sich im Recht. Das führen sie auf eine Generalvollmacht zurück, die alle drei beim Notariat Thalwil 2008 unterzeichnet haben. Schlimme Demenzfälle in der Familie hätten sie dazu gebracht, die Vollmacht aufzugleisen. Ziel war es, eine würdige Pflege zu ermöglichen.

Die Ehefrau führte aus, dass ihr Mann sich gewünscht ­habe, nicht in der Schweiz in ein Pflege­heim zu kommen. Aus finanziellen Gründen, aber auch weil sich seiner Meinung nach die Pflegenden in der Schweiz nicht ausreichend um die Patienten kümmern können.

Freisprüche gefordert

Die Vollmacht sei der Kesb ­bekannt gewesen, das Verfahren hätte schnell wieder eingestellt werden können, meinte der Verteidiger der Tochter. Doch die Kesb habe das ignoriert und stattdes­sen eine psychiatrische Untersuchung des dementen Mannes angeordnet. Offenbar um herauszufinden, ob er zum Zeitpunkt der Vollmacht noch urteilsfähig war. Die Verteidiger bezeichneten dies als sinnlos. Vielmehr hätten die zuständigen Notare befragt werden müssen. Schliesslich müssen diese feststellen, ob die Unterzeichnenden urteilsfähig sind. Beide Vertei­diger forderten Freisprüche und Genug­tuung für ihre Mandan­tinnen. Die Kesb habe den Fall verschleppt, warf der Verteidiger der Tochter ein. So wurde der Entführungsfall Entführung vor Gericht schnell zum Fall Kesb.

Entsprechend sprach der Staats­anwalt von Kesb-Bashing. Diese habe jedoch die nötigen Abklä­rungen gemacht. Verzögert hätten die Beschuldigten das Verfahren mit einer Einsprache beim Bezirksrat gegen den Beschluss.

Die Urteilseröffnung findet heute Mittwoch statt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.10.2016, 08:59 Uhr

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