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Kommentar zur 1000er-RegelEin Entscheid zur Unzeit – aber was wäre die Alternative?

Die Aufhebung der 1000er-Regel für Grossevents ist nur dann vertretbar, wenn die Kantone den Mut haben, die Einhaltung der Hygieneregeln rigoros durchzusetzen.

Es ist – epidemiologisch betrachtet – eigentlich nicht der Moment für Grossanlässe.
Es ist – epidemiologisch betrachtet – eigentlich nicht der Moment für Grossanlässe.
Foto: Getty Images

«Grossveranstaltungen liegen in dieser heiklen Situation nicht drin.» Es sei dafür schlicht «der falsche Moment», warnte der neue Chef der Covid-Taskforce des Bundesrats, Martin Ackermann, in der «SonntagsZeitung».

Jetzt setzt sich der Bundesrat über die Warnung seines Chefwissenschafters hinweg – ausgerechnet an dem Tag, an dem das Bundesamt für Gesundheit 274 Neuinfektionen meldet (hier gelangen Sie zum Pressekonferenz-Ticker). Das sind Werte, wie wir sie seit Mitte April nicht mehr hatten. Trotzdem will der Bundesrat nun Grossanlässe ab 1. Oktober unter Bedingungen wieder ermöglichen. Diese Bedingungen wird der Bund in den nächsten Wochen definieren.

Vorsichtig einen Weg suchen

Mit diesem Entscheid geht die Landesregierung ein beträchtliches Risiko ein. Es braucht wenig, dass die Corona-Zahlen bald noch steiler ansteigen: Ein paar Superspreader an einem Konzert oder Eishockeyspiel genügen. Ackermann hat recht: Es ist, epidemiologisch betrachtet, eigentlich nicht der Moment für Grossanlässe. Und trotzdem konnte der Bundesrat kaum anders entscheiden.

Denn was wäre die Alternative?

Kaum eine Alternative wäre die Verlängerung der 1000er-Grenze um zwei oder drei Monate. Nach allem, was wir über das Virus wissen, dürfte sich die Seuchenlage in diesem Zeitraum nicht entscheidend verbessern. Das Veranstaltungsverbot also noch weiter verlängern? Um ein Jahr vielleicht? In einem so langen Zeitraum – das scheint unausweichlich – könnten ganze Sektoren unserer Gesellschaft aussterben, ohne die unser Leben nicht mehr dasselbe wäre: der Profisport, Musikfestivals oder der Messetourismus.

Scharfe Auflagen und Kontrollen

Es bleibt uns darum fast nicht anderes übrig, als vorsichtig einen Weg zu suchen auf dem gefährlichen Grat zwischen Gesundheitsschutz, Wirtschaftsinteressen und Gesellschaftsleben. Vor dem Absturz bleiben wir auf dieser Gratwanderung nur dann bewahrt, wenn wir alle die Hygieneregeln in Stadien und Konzertsälen einhalten – und wenn sie von den Behörden rigoros durchgesetzt werden.

Dafür sind die Kantone verantwortlich: Sie müssen die Bewilligungen für Grossanlässe mit scharfen Auflagen verbinden. Sie müssen genügend Personal für Kontrollen mobilisieren. Sie müssen Fussballarenen oder Kulturlokale gnadenlos schliessen, sobald ein Veranstalter pfuscht.

Und sollten die Fallzahlen trotz all dieser Vorsichtsmassnahmen wieder explodieren, dann muss der Bundesrat den Mut aufbringen für ein neues Verbot von Grossanlässen.

182 Kommentare
    Y. Schüpbach

    Wenn man normal leben sollen könnte. Müsste das Corona Theater vom Tisch. Das BAG wünscht es so. Das man das ganze Volk kaputt machen will. Sofort alles aufheben. Abstand halten und Hände mit Seife waschen würde reichen.