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Golf: Marco Iten in ZwangspauseEinen Tag nach dem anderen nehmen

Marco Iten sieht sich wie so viele Profisportler durch die derzeit geltenden Coronavirus-Massnahmen beruflich ausgebremst. Dafür trägt der Niederglatter Golfer seit Wochen als Zivilschützer seinen Teil zum Kampf gegen die Pandemie bei.

Der Niederglatter Marco Iten nimmt als Stabsassistent in der Zivilschutzzentrale Glattfelden einen Anruf entgegen.
Der Niederglatter Marco Iten nimmt als Stabsassistent in der Zivilschutzzentrale Glattfelden einen Anruf entgegen.
Foto: Johanna Bossart

Wenn in diesen Tagen die Zuständigen der Gemeinden Glattfelden, Stadel oder Weiach bei der Zivilschutzstelle ihres Sicherheits-Zweckverbands Hilfe anfordern, ist die Chance gross, dass sie einen der besten Golfspieler der Schweiz am Draht haben. Als Stabsassistent koordiniert Marco Iten beispielsweise die Verlegung und den Transport eines erkrankten und positiv auf das neuartige Coronavirus getesteten Asylbewerbers in eine andere Unterkunft oder bietet zusätzliche Zivilschützer für den Unterstützungsdienst im Altersheim auf und schreibt deren Dienstpläne. «Jeder Tag ist ein wenig anders als der vorherige», erklärt Iten.

Er selbst erhielt für Ende März ein Aufgebot zum Zivilschutzeinsatz, ursprünglich für eine Dienstwoche. «Seither bin ich immer wieder gefragt worden, ob ich weitermachen möchte – jetzt sind es bald schon fünf Wochen», schildert er. Jeweils aufs Neue zuzusagen, fiel dem 29-Jährigen leicht. «Dieser Einsatz ist eine sinnvolle Art, mich in dieser Krise einzubringen», führt er aus, «ausserdem wäre ich sonst ja gezwungenermassen arbeitslos.» Der Sold, den er als Zivilschützer erhält, verschafft ihm, im Gegensatz zu manch anderen Profis im Moment, ein willkommenes Einkommen. Zudem könnte ihm der Sondereinsatz auch sportlich dereinst zugutekommen. «In der Vergangenheit war es nicht immer einfach, die Zivilschutzaufgebote mit den Golfturnieren im Ausland unter einen Hut zu bringen», erklärt Iten. «Wenn ich jetzt so viele Diensttage absolviere, könnte mir das helfen, wenn es mit dem Golfen wieder losgeht.» Wann das so weit sein wird, steht derzeit freilich völlig in den Sternen.

Arbeit an der Physis

Im Kalender der Pro-Golf-Tour figuriert als erstes Turnier nach dem Coronavirus-bedingten Unterbruch mit der Verschiebung mehrerer Wettkämpfe die Extec Trophy im tschechischen Liberec von Mitte Mai. Ob es tatsächlich dazu kommt? «Sicher ist im Moment gar nichts», sagt Marco Iten dazu nur. Er hoffe, dass auf internationalem Green im Juni oder Juli wieder Golf gespielt werden könne. «Das scheint mir realistisch, aber sich zu fest damit zu beschäftigen, bringt nichts», meint er. «Wir müssen es einfach nehmen, wie es kommt.» Fest steht für ihn nur eines: «Sobald es irgendwo ein Turnier geben wird, für das ich qualifiziert bin und an das ich reisen darf, werde ich dort antreten.»

Wann wird Marco Iten wieder einen Schwung auf der Anlage seines Stammvereins, dem  Golfclub Rheinblick im grenznahen Lottstetten, so  durchziehen können?
Wann wird Marco Iten wieder einen Schwung auf der Anlage seines Stammvereins, dem Golfclub Rheinblick im grenznahen Lottstetten, so durchziehen können?
Foto: Balz Murer

Besonders nervös oder unruhig klingt die Stimme des 29-Jährigen keineswegs, wenn er all das schildert. «Als Golfprofi bin ich es gewohnt, oft nur sehr kurzfristig planen zu können, zum Beispiel weil man bis zuletzt nicht weiss, ob man einen Platz auf der Startliste eines Turniers bekommt oder nicht», führt er aus, «ich denke, das hilft mir auch jetzt, mit der Ungewissheit umzugehen.» Um bereit zu sein, wenn die Corona-Zwangspause endet, hält sich Marco Iten einstweilen körperlich in Form. Im Hause seiner Eltern, ihres Zeichens Sportlehrerin und Sportlehrer, findet er Utensilien für das Krafttraining, an der Ausdauer arbeitet er mit einem Lauf. «Alles, was ich fürs körperliche Training brauche, habe ich zur Verfügung», meint er.

Verständnis für Golf-Lockdown

Freilich wünscht sich Marco Iten auch, dass die Golfplätze bald wieder öffnen. Da sein Sport einer der wenigen ist, der sich unter Einhaltung der geltenden Abstandsregeln ausüben liesse, scheint eine Lockerung zumindest denkbar. Dass der schweizerische Golfverband Swiss Golf Association allen Mitgliedsclubs die Schliessung empfahl, nachdem der Bundesrat am 13. März die ausserordentliche Lage ausgerufen hatte und diese dem Aufruf Folge leisteten, unterstützt Iten dennoch vorbehaltlos. «Ich denke, es war sehr wichtig, dass die Behörden eine klare Linie fahren, auch damit wirklich allen klar wird, dass wir in einer ernsten Situation sind», kommentiert er, «für uns Profis ist so zwar ein wesentlicher Teil des Berufs weggefallen, aber das geht ja vielen anderen Leuten im Moment auch so.»

Sobald das Golftraining wieder ist, möchte er die turnierfreie Zeit nutzen, um intensiv an seiner Technik zu arbeiten – und an seine gute Form vor dem Unterbruch anzuknüpfen. Noch am Donnerstag, 12. März, unmittelbar vor dem allgemeinen, europaweiten Sport-Lockdown in allen möglichen Disziplinen, beendete er in Marokko sein heuer bereits sechstes Turnier auf der Pro-Golf-Tour. Auf ihr plant er heuer einige Starts, nachdem er im Vorjahr 103 Positionen in der Rangliste der European Challenge Tour und damit auch seine volle Startberechtigung in der zweithöchsten europäischen Profiserie eingebüsst hatte. Die ersten Eindrücke und Resultate mit einem 3. Rang als Bestergebnis stimmen ihn für 2020 zwar verhalten optimistisch: «Mein Spiel war ziemlich stabil, meine Form nicht schlecht, es wäre noch mehr als der eine Podestplatz dringelegen.» Ziele für seine vierte Profisaison formulieren möchte der Niederglatter angesichts der vielen Unwägbarkeiten in der derzeitigen Situation aber nicht. «Es wäre komisch, jetzt gross von sportlichen Zielen zu reden», meint er. Und nimmt, wie so viele im Moment, einen Tag nach dem anderen.

Marco Iten blickt als Koordinator im Zivilschutz der Zukunft zuversichtlich entgegen, ohne allzu weit vorauszuschauen.
Marco Iten blickt als Koordinator im Zivilschutz der Zukunft zuversichtlich entgegen, ohne allzu weit vorauszuschauen.
Foto: Johanna Bossart