Winterthur

Einer schlug den «Hanfpapst» blutig, der andere liess ihn sterbend liegen

Vor Gericht stehen morgen zwei junge Männer, die laut Anklage verantwortlich sind für den Tod des Marihuanahändlers Robert Frommherz im Tössfeld. Sie beraubten ihn, und einer schlug mehrmals zu, sodass der «Hanfpapst» starb.

Unscheinbarer Tatort: «Hanfpapst»  Martin Frommherz wurde 2014 in Winterthur getötet.

Unscheinbarer Tatort: «Hanfpapst» Martin Frommherz wurde 2014 in Winterthur getötet. Bild: Heinz Diener

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zu viert gingen sie an jenem Dienstag im Mai 2014 zu Werk. Ihr Plan war, sich zu bedienen beim Dealer, der in der Stadt und darüber hinaus unter dem Namen Hanfpapst bekannt war. Einer des Quartetts brachte Pfefferspray mit, einer zwei Schals und zwei Brillen, offenbar um sich teilweise zu maskieren und unerkannt zu bleiben. Etwa um 14 Uhr trafen sie sich am Bahnhof und nahmen den Bus zur Haltestelle Gaswerk.

Dort in der Nähe wohnte Martin Robert Frommherz. Einer der vier war schon am Morgen dort gewesen, um sich ein Gramm Marihuana für 15 Franken zu kaufen. Diesmal wollten sie es gratis. Man läutete unten, Frommherz öffnete von oben, sie gingen rauf.

Die beiden Jüngeren im Quartett blieben gemäss der Anklage draussen vor der Wohnungstür; sie mussten sich inzwischen vor der Jugendanwaltschaft verantworten, da sie noch nicht volljährig waren zur Tatzeit. Die anderen beiden sind heute 20- und 23-jährig, sie gelten als die Haupttäter.

Angeordnete Anonymität

Ihre Namen, sogar ihre Initialen und alles Weitere, was sie erkennbar machen könnte, bleibt aufgrund eines richterlichen Beschlusses in der Berichterstattung unerwähnt. Nennen wir sie also A und B; B ist der Haupttäter.

A und B gingen laut der Anklageschrift in Frommherz’ Wohnung, trotz der Maskierung erkannte dieser seinen Kunden vom Morgen und begrüsste A per Handschlag. B sprühte Pfefferspray, während A wusste, wo das Marihuana lag: im Gefrierfach des Kühlschranks. Er schnappte sich ein Päcklein von etwa 25 Gramm und verliess laut Anklage die Wohnung wieder. Zusammen mit den beiden Jüngeren vor der Tür soll er das Haus verlassen haben.

B blieb derweil bei Frommherz, der geschrien habe: «Spined ihr eigentlich!» Zur seiner Verteidigung habe er eine Schere in die Hand genommen, doch B kickte sie ihm aus der Hand und schlug ihm die Faust ins Gesicht, laut Anklage mehrmals und heftig.

Er filmte seine Gewaltorgie

Frommherz, das zeigte sich später, erlitt eine Nasenbeinfraktur und eine Augenbodenhöhlenfraktur. Er stürzte nach hinten und schlug mit dem Hinterkopf ungebremst am Boden auf. B aber liess noch immer nicht von ihm ab, kniete auf ihm nieder, brach ihm Rippen, würgte ihn und versetzte ihm zum Schluss noch einen Fusstritt gegen den Kopf. Dies soll er sogar noch mit seinem Handy filmisch dokumentiert haben. Er liess Frommherz blutend und röchelnd liegen, ging nach draussen zu den Kollegen und sagte: «De Hanfpapst schlaaft jetzt.» Die vier sahen sich den Handyfilm an, teilten die Beute und trennten sich. Keiner kümmerte sich um den Schwerverletzten. Tags darauf frühmorgens starb er an «hirndruckbedingter zentraler Atemlähmung».

A und auch die beiden Jüngeren hätten Frommherz noch helfen können, hätten möglicherweise sein Leben retten können, wenn sie Hilfe herbeigerufen hätten – nötigenfalls auch anonym. Sie wussten ja aus dem Handyfilm, wie es um den Hanfpapst stand. Keiner der drei tat etwas.

A ist deshalb der Nötigung angeklagt sowie der unterlassenen Nothilfe. Der Staatsanwalt fordert eine Strafe von 30 Monaten, wovon 20 Monate bedingt wären. B soll für 11 Jahre hinter Gitter wegen vorsätzlicher Tötung, Nötigung und Raub. Diese Freiheitsstrafe soll aufgeschoben und B in einer geschlossenen Einrichtung platziert werden, um seine psychische Störung zu behandeln.

Das Medieninteresse an diesem Fall wird gross sein; das Gericht weist darauf hin, dass darüber hinaus nicht viele Publikumsplätze vorhanden seien.

Erstellt: 23.11.2015, 19:54 Uhr

Artikel zum Thema

Zweitägiger Prozess im Fall Hanfpapst

Winterthur In einem Monat stehen zwei Männer wegen des Mords am Tössemer «Hanfpapst» vor Gericht. Mehr...

Elf Jahre Haft für «Hanfpapst»-Mord gefordert

Winterthur Die Staatsanwaltschaft spricht von vorsätzlicher Tötung, der Angeklagte macht hingegen Notwehr geltend. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.