Andelfingen

Einmal freiwillig im «Knast» wohnen

Wer einmal in einem Kittchen wohnen will, ohne straffällig zu werden,der hat in Andelfingen die Möglichkeit dazu. Im alten Bezirksgefängnis ist eine Wohnung ausgeschrieben.

Das Bollenhaus in Andelfingen war einmal das Bezirksgefängnis.

Das Bollenhaus in Andelfingen war einmal das Bezirksgefängnis. Bild: Enzo Lopardo

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Laut Persoenlich.com, dem Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft, ist der Newsletter Ron Orp «das urbanste Medium der Schweiz». Zwei Werber aus Zürich gründeten ihn vor gut zwölf Jahren. Den Online-Newsletter mit dem Slogan «Inspiriert dein Stadtleben» gibt es für mehrere Schweizer Städte sowie für die angesagten europäischen Metropolen Berlin, Hamburg und Wien.Auf Ron Orp Winterthur fällt aktuell eine Wohnungsanzeige auf. Mit der Überschrift «1 Jahr im Gefängnis wohnen?» wird versucht, die vorwiegend städtische Leserschaft für eine Wohnung auf dem Land zu interessieren, zumindest vorübergehend. Auch die «regelmässigen ÖV-Verbindungen nach Winterthur/Schaffhausen/Zürich» locken. Die möblierte Loftwohnung mit viereinhalb Zimmern und Galerie befindet sich im Dachgeschoss des ehemaligen Bezirksgefängnisses in Andelfingen. Der Mietzins beträgt laut Anzeige 1656 Franken, Nebenkosten inklusive.

Gefängnis 1996 geschlossen

Das alte Gefängnis befindet sich nicht etwa im Haus des Bezirksgerichts Andelfingen, sondern an der Bollenstrasse. Das deshalb auch als Bollenhaus bezeichnete Haus liegt neben dem Holzbauunternehmen Robert Schaub AG. Die Firma renovierte das unter Denkmalschutz stehende Haus 1999/2000 und baute es zu einem Wohnhaus um. Bauherr war Robert Schaub junior.

Das Bezirksgefängnis Andelfingen wurde Ende 1996 geschlossen. In einer kantonsrät­lichen Anfrage vom Dezember 1999, in der es um die damals vorgesehene Aufhebung eines Werkhofs ging, wurde die Schliessung des Gefängnisses erwähnt. «Einmal mehr ist der Bezirk Andelfingen durch die Aufhebung des Werkhofes Hirstig von einer weiteren Schliessung und Versetzung eines Betriebes betroffen (Inselklinik Rheinau, Bezirksgefängnis Andelfingen).»

«Seltene Baugattung»

Das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Bezirksgefängnis in Affoltern am Albis ähnelt jenem von Andelfingen. Die kantonale Denkmalpflege hat beide Bauten als «Vertreter einer kulturhistorisch bedeutungsvollen und relativ seltenen Baugattung» als schutzwürdig bezeichnet. Die zwei Gefängnisbauten seien im Sinne des Spätklassizismus «schlichte, kubische, axialsymmetrische Giebelbauten mit drei Geschossen». Den beiden Häusern sei ein schutzwürdiger Eigenwert zuzusprechen, weil sie die einzigen noch in der Ursprungsform erhaltenen reinen Gefängnisbauten aus der Zeit der politischen Neuordnung im 19. Jahrhundert darstellten.

Prominenter «Vormieter»

Wer für gut ein Jahr ins Andelfinger Bollenhaus zieht, der kann von sich sagen, mindestens einen prominenten und urbanen «Vormieter» gehabt zu haben. Ernst Nobs sass einen Monat im Bezirksgefängnis Andelfingen, weil er zum Landesstreik vom November 1918 aufgerufen hatte. Im Jahr 1942 wurde der SP-Politiker zum Stadtpräsidenten von Zürich gewählt. Und im Dezember 1943 wurde Nobs als erster Sozialdemokrat überhaupt in den Bundesrat gewählt.

Erstellt: 10.08.2016, 18:24 Uhr

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