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Bülach und HöriEinmal half sogar der Papst dem Friedensrichter

Seit 18 Jahren ist Rolf Anliker der «Schlichter vom Dienst». Dabei greift der Bülacher Friedensrichter auch mal zu unkonventionellen Methoden. Bald tritt er zurück.

Friedensrichter Rolf Anliker in Bülach tritt nach 18 Jahren im Amt zurück.
Friedensrichter Rolf Anliker in Bülach tritt nach 18 Jahren im Amt zurück.
Foto: Balz Murer 

Nervosität, Selbstsicherheit, Siegeswillen: Die Emotionen stehen den Menschen, denen ein Friedensrichter die Türe öffnet, meist ins Gesicht geschrieben. Die Maskenpflicht macht Rolf Anliker die Arbeit in seinen letzten Monaten im Amt bestimmt nicht einfacher, denn die Masken verbergen die Mimik dahinter. Umso mehr helfen dem 66-Jährigen seine 18 Jahre Erfahrung und seine Menschenkenntnis. «Und mein Engagement als Samichlaus», fügt er hinzu, «da weiss ich auch nie, welche Emotionen mich erwarten.»

Insgesamt rund 4000 Fälle hat Anliker in den vergangenen 18 Jahren in Bülach und in den letzten 12 Jahren zusätzlich in Höri betreut. Dabei hat er sich wohl weit mehr als 10’000 unterschiedliche Standpunkte angehört. Diese werden im eher nüchternen Büro im noch nüchterneren Gewerbebau im Süden Bülachs bisweilen sehr emotional vertreten. «Ich habe gelernt, dass es durchaus gut, ist wenn die Parteien erst einmal etwas Dampf ablassen können. Immer unter der Voraussetzung, dass es nur eine aufs Mal tut», sagt Anliker. Erhitzen – auch das weiss der Friedensrichter – können sich Gemüter schon bei vermeintlichen Kleinigkeiten, etwa bei einem «falsch» bemalten Gartenzaun oder einer vom Nachbarskind zerbrochenen Engelsfigur auf dem Balkon. «Manche wollen einfach poltern», sagt Anliker. Diesbezüglich hat sich in seiner Amtszeit nur wenig geändert. Und doch: In einem Punkt unterscheiden sich die Klientinnen und Klienten von heute von jenen seiner ersten Amtsjahre: Sie kommen dank Internetrecherche in der Regel besser informiert zu ihm und bringen nicht selten einen Anwalt oder eine Anwältin mit.

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