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Millionen Tiere bedroht Eisberg von der Grösse des Kantons Waadt auf Kollisionskurs mit Insel

Vor drei Jahren hatte sich ein gewaltiger Eisbrocken von der Antarktis losgelöst. Der Koloss droht auf eine Inselgruppe zu prallen. Gefahren wie diese dürfte es künftig immer wieder geben, sagen Experten.

Gehörte zu den grössten bekannten Eisbergen der Geschichte, ehe zwei Brocken abbrachen: Satellitenaufnahmen zeigen A68a im Atlantik.
Gehörte zu den grössten bekannten Eisbergen der Geschichte, ehe zwei Brocken abbrachen: Satellitenaufnahmen zeigen A68a im Atlantik.
Foto: Esa 

Ein riesiger Eisberg ist auf Kollisionskurs mit der Insel Südgeorgien im Südatlantik. Der Eisberg A68a könnte das Tierleben dort gefährden, wie die europäische Weltraumbehörde ESA mitteilte. Der Koloss könnte demnach für bis zu zehn Jahre vor der Insel, die mit rund 3500 Quadratkilometer Fläche (ungefähr die Grösse des Kantons Waadt) etwa gleich gross ist wie er, auf Grund laufen. Das könnte die Nahrungssuche von Pinguinen und Robben behindern und das Leben auf dem Meeresboden zerstören.

Besorgniserregend ist laut Geraint Tarling vom British Antarctic Survey (BAS) nicht nur die Grösse des Eisbergs, sondern vor allem dessen flache Form. «Der Berg könnte sich direkt an die Küste heranbewegen, wo er die Tierkolonien daran hindern würde, an ihre Futterquellen und wieder zurückzugelangen, um es ihren Jungen zu geben», meinte der Professor gegenüber der Deutschen Welle.

Aufgrund der Blockade müssten die Tiere neue Wege finden, längere Distanzen zurücklegen, um an Futter zu kommen. Für die Jungtiere wäre dies fatal: «Müssen sie einen Umweg machen, bedeutet dies, dass sie es nicht mehr rechtzeitig zurück zu ihren Jungen schaffen, um sie vor dem Verhungern zu retten», wird Tarling in einem Artikel des BAS zitiert.

Südgeorgien ist nicht durchgehend von Menschen bevölkert, dort leben aber Millionen Pinguine. Im Jahr 2004 war vor der Insel ein anderer Eisberg auf Grund gelaufen. Damals seien viele tote Pinguin- und Robbenjunge entlang der Küste gefunden worden, hiess es von der ESA.

Auf Südgeorgien leben mehrere Millionen Pinguine.
Auf Südgeorgien leben mehrere Millionen Pinguine.
Foto: Wolfgang Kähler (LightRocket / Getty Images) 

Nebst den Tieren auf dem Land wären jedoch auch diejenigen im Meer und auf dem Grund betroffen. Durch das schmelzende Eiswasser würden sich die Bedingungen unter Wasser verändern. Als Folge davon könnten Algen als Nahrungsquelle absterben. «Und wenn es diese nicht mehr gibt, kann auch alles, was auf sie angewiesen ist, nicht mehr gedeihen», sagte Tarling der Deutschen Welle. Auch bestünde die Gefahr, dass Kohlenstoff, der auf dem Meeresgrund gespeichert sei, aufgewirbelt und zurück in die Atmosphäre gelange.

Der riesige Koloss könnte jedoch auch Vorteile mit sich bringen, sagen Experten. Eisberge können, wenn sie sich vor ihrem Eintritt ins Meer über Land bewegt haben, grosse Mengen an eisenhaltigem Material mit sich führen. Über das Schmelzwasser wird dieses Material in den Ozean abgegeben, was wie ein Düngemittel auf Unterwasser-Organismen wie Plankton wirkt, wie Grant Beck, Professor an der University of Sheffield in England, der Deutschen Welle erzählte. Plankton wiederum bindet Kohlenstoffdioxid aus der Oberfläche und trägt damit zur Verringerung der CO2-Emissionen bei.

Der Eisberg A68 hatte sich im Juli 2017 vom Larsen-Schelfeis an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel gelöst.
Der Eisberg A68 hatte sich im Juli 2017 vom Larsen-Schelfeis an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel gelöst.
Foto: Mario Tama (Getty Images) 

A68a hat bisher etwa 1600 Kilometer zurückgelegt und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von ungefähr einem Kilometer pro Stunde durch das Wasser. Bei gleichbleibender Geschwindigkeit würde er die verbleibenden knapp 350 Kilometer bis zur Insel in maximal zwei Wochen geschafft haben. Gemäss der europäischen Weltraumbehörde ESA besteht jedoch noch Hoffnung, dass Meeresströmungen ihn an der Insel vorbeileiten. Denkbar ist laut Experten auch, dass der Eisberg aufgrund der starken Wellen auseinanderbricht, ehe er die Insel erreicht.

Doch selbst wenn eines dieser Szenarien eintreten und die Insel verschont werden sollte: Angesichts der Klimaerwärmung und der damit verbundenen verstärkten Eisschmelze dürfte es solche Situationen in Zukunft immer wieder geben, sagen Experten. «Es würde mich nicht überraschen, wenn wir in den kommenden Jahren weiterhin grössere Eisberge sehen werden, die für Menschen und Tiere gleichermassen eine grosse Gefahr darstellen», meinte die Glaziologin Miriam Jackson gegenüber der «New York Times».

Der Eisbrocken ist noch etwa 350 Kilometer von der südgeorgischen Küste entfernt. Laut Experten könnte er in maximal zwei Wochen auf die Insel auftreffen.
Der Eisbrocken ist noch etwa 350 Kilometer von der südgeorgischen Küste entfernt. Laut Experten könnte er in maximal zwei Wochen auf die Insel auftreffen.
Foto: Esa 

Der Eisberg A68 hatte sich im Juli 2017 vom Larsen-Schelfeis an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel gelöst. Ursprünglich war er mit einer Fläche von 5800 Quadratkilometern — was etwa der Fläche des Kantons Bern entspricht — einer der grössten bekannten Eisberge der Geschichte. Später brachen zwei Eisbrocken ab. Der Hauptteil wird nun A68a genannt.

Noch ist unklar, wie sich die Ablösung von A68 auf das Larsen-Schelfeis auswirken wird. Möglich wäre eine Destabilisierung und schliesslich ein Einsturz der Eisplatte. Durch den Abfluss aller auf dem Schelfeis befindlichen Gletscher würden gewaltige Wassermassen freigesetzt. Laut Experten würde der Meeresspiegel dadurch um etwa zehn Zentimeter steigen.

sho/sda

19 Kommentare
    Kurt Hunkeler

    Könnte, würde, vielleicht, oder auch doch nicht ... bitte benutzen Sie bei der nächsten Übersetzung aus juristisch abgesichertem Englisch die üblichen deutschen Formulierungen statt diesem Pseudo-Deutsch das niemand verwendet.