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Harte Kritik am US Open«Es ist abscheulich, wie sie uns behandeln»

Kristina Mladenovic führte 6:1, 5:1 und brach dann völlig ein. Komplett abgeschottet, weil sie in Kontakt mit dem Coronavirus gekommen sein könnte, ist sie am Ende mit den Nerven.

«Es ist ein Albtraum, den wir hier erleben.» Kristina Mladenovic bereut es, am US Open teilgenommen zu haben.
«Es ist ein Albtraum, den wir hier erleben.» Kristina Mladenovic bereut es, am US Open teilgenommen zu haben.
Foto: Keystone

Die Französin Kristina Mladenovic möchte nur noch nach Hause. Doch sie darf nicht. Denn sie zählt zu jenen, die sich am US Open in der Nähe von Benoît Paire aufgehalten hatten, bevor dieser positiv auf Covid-19 getestet wurde. Deshalb musste sie weitreichenden Einschränkungen einwilligen, um trotzdem das Turnier spielen zu dürfen.

Das wurde für sie nun in der zweiten Runde zu einem zweifelhaften Vergnügen: Sie führte gegen die junge Russin Varvara Gratschewa 6:1, 5:1 und 15:0 bei eigenem Aufschlag, verpasste später aber noch vier Matchbälle und verlor 6:1, 6:7, 0:6.

«Es kommt mir vor, als seien wir Gefangene oder Kriminelle.»

Kristina Mladenovic

Danach zog sie gegenüber französischen Journalisten über die Organisatoren des US Open her. «Es ist absolut abscheulich, wie sie uns behandeln», klagte sie. «Es kommt mir vor, als seien wir Gefangene oder Kriminelle. Für die geringste Bewegung müssen wir um Erlaubnis bitten, obwohl wir jeden Tag getestet werden und schon 30 negative Tests gehabt haben. Es ist ein Albtraum, den wir hier erleben.» Die 27-Jährige ist, wie zehn andere, in die «Blase in der Blase» versetzt worden, weil befürchtet wird, sie könnte das Virus wegen ihres Kontakts mit Paire in sich tragen.

Hätte sie gewusst, dass ein 40-minütiges Kartenspielen mit Maske mit besagtem Paire zu solchen Konsequenzen führen könnte, sie hätte nie einen Fuss in dieses Turnier gesetzt, sagte Mladenovic. Ihr Fall zeigt auch: Wer zusagt für einen Event, muss auch dessen Regeln akzeptieren. Und die können zu Corona-Zeiten zu einschneidenden Massnahmen führen.

Sie müsste bis zum Final «gefangen» bleiben

«Ich habe nur einen Wunsch: meine Freiheit wiederzubekommen», sagte Mladenovic. «Aber selbst darum muss ich kämpfen.» Denn gemäss der Vorgaben müsste sie noch bis zum 12. September, bis zum Tag des Frauenfinals, in ihrem Hotelzimmer auf Long Island bleiben. Ob sie zusammen mit Timea Babos am Doppel teilnimmt, ist nach ihrer vernichtenden Kritik am Turnier wohl noch offen. Das Duo wäre als Nummer 1 gesetzt.

Paire wurde inzwischen negativ getestet auf das Coronavirus, doch das ändert nichts mehr. Ausser, dass es unter den Spielern Misstrauen schürt, einige denken, der Franzose sei Opfer eines falschen Testresultats geworden. Der 31-Jährige meldete sich derweil via Instagram mit Storys aus seinem Hotelzimmer, wo ein ziemliches Chaos herrscht, weil der Zimmerservice nicht rein darf.

Überall liegen leere PET-Flaschen und volle Abfallsäcke herum. Demonstrativ misst Paire im Kurzvideo seine Temperatur: «Ah, kein Fieber!», ruft er aus. «Aber ich langweile mich. Es wird langsam hart.» So hatte er sich sein US Open definitiv nicht vorgestellt.

5 Kommentare
    Alphonse Z.

    Einzelspielerinnen welche bereits in der 1. Runde scheiterten, erhielten immerhin noch ein Preisgeld von 61.000 US-Dollar.

    99% der Weltbevölkerung lassen sich für dieses Geld gerne 2 Wochen in einem Luxushotel einsperren.