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Folge der Corona-KriseFast 70 Prozent der Gastbetriebe arbeiten kurz

Die Zahl der Kurzarbeitsgesuche ist regelrecht explodiert. Der Bund fürchtet, dass schon bald bis zur Hälfte aller Angestellten davon Gebrauch machen müssen.

In der Gastronomie arbeiten laut dem Seco inzwischen fast 70 Prozent kurz. (Foto: Urs Jaudas)
In der Gastronomie arbeiten laut dem Seco inzwischen fast 70 Prozent kurz. (Foto: Urs Jaudas)

«Das ist eine unglaubliche und noch nie gesehene Entwicklung», sagt Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Bereits haben über 130’000 Betriebe mit 1,45 Millionen Erwerbstätigen Kurzarbeit angemeldet. Dies entspricht knapp 30 Prozent aller Beschäftigten. Und der Bund befürchtet, dass es noch viel schlimmer kommt. «Die Zahl der Gesuche könnte auf bis zu 50 Prozent der Erwerbstätigen ansteigen», sagt Zürcher.

In der Gastronomie sind es bereits heute viel mehr. Dort arbeiten laut dem Seco inzwischen fast 70 Prozent kurz. Hoch sind die Zahlen auch in den Bereichen Kunst, Unterhaltung und Erholung. In der Luftfahrt seien gar 100 Prozent von Kurzarbeit betroffen, so Zürcher.

Mit dieser Massnahme will der Bund vermeiden, dass Mitarbeiter entlassen werden. Öffentliche Spitäler und Verkehrsbetriebe dürften allerdings nicht davon Gebrauch machen. Entsprechende Pläne im Kanton Freiburg seien nicht zulässig, betont das Seco. Es warnt auch vor Betrügereien. Während der Corona-Krise werde man kaum dazu kommen, die Eingaben der Betriebe vertieft zu überprüfen. Doch nach der Krise werde dies nachgeholt. Und bei Betrug werde Strafanzeige erstattet, so Zürcher.

Pro Tag 1900 neue Arbeitslose

Trotz der Möglichkeit, Kurzarbeit anzumelden, sind im März viele Beschäftigte entlassen worden. Damit ist die Arbeitslosenquote im März stark gestiegen – gesamtschweizerisch von 2,5 auf 2,9 Prozent. Boris Zürcher hat das Ausmass überrascht: «Ich hätte erwartet, dass die Kurzarbeit stärker dämpft.»

Kommt hinzu, dass die Arbeitslosigkeit im März in der Regel zurückgeht. Das war auch in der ersten Hälfte des Monats noch der Fall. Doch seit der Bundesrat den Lockdown verhängt hat, steigen die Arbeitslosenzahlen rasant an – pro Wochentag kommen rund 1900 Personen hinzu. Und dies wird im April so weitergehen, erwartet das Seco. «Je länger die Corona-Krise dauert, desto schwieriger wird es, wieder rauszukommen», sagt Zürcher. Dann würden Firmen vermehrt Angestellte entlassen.

Immerhin ein Trost bleibt: Wenn es mit der Wirtschaft wieder aufwärtsgehe, so Zürcher, würden Schweizer Unternehmen auch schnell wieder einstellen.

Die Restaurants sind wegen des Coronavirus bis auf weiteres geschlossen. (Foto: Keystone/Urs Flüeler)
Die Restaurants sind wegen des Coronavirus bis auf weiteres geschlossen. (Foto: Keystone/Urs Flüeler)
14 Kommentare
    Frederik Abelard

    Endlich erwacht die Schweiz aus ihrem Panikkoma, das ein Virus namens Covid19 verursacht hat und besinnt sich auf die wirtschaftlichen Folgen, die uns der Bundesrat mit einer Nacht- und Nebelaktion eingebrockt hat. Wie in aller Welt konnte man nur so kurzsichtig sein und diese finanzielle und wirtschaftliche Katastrophe ausblenden? Vergleichen wir doch mal ganz sachlich und nüchtern die Gefahr von Covid19 mit der Gefahr einer Rezession oder gar wirtschaftlichen Depression. Hätte man dies von Anfang an getan, hätten wir dem Virus kaum Beachtung geschenkt. Jetzt aber haben wir die Misere, die uns jahrelang beschäftigen wird.