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Geldblog: Gedeckte OptionenFinger weg von Derivaten ohne Fachwissen!

Wenn man derivative Instrumente nicht versteht und absolut keine Erfahrung im Umgang mit diesen hat, sollte man diese als Privatanleger nicht einsetzen.

Komplexes Finanzprodukt: Es ist generell nicht sinnvoll, derivative Instrumente zu nutzen, mit deren Funktionsweise man selbst keine Erfahrung hat.
Komplexes Finanzprodukt: Es ist generell nicht sinnvoll, derivative Instrumente zu nutzen, mit deren Funktionsweise man selbst keine Erfahrung hat.
Illustration: Christina Baeriswyl

Mein Anlageberater rät mir, Anlagen im Umfang von 300000 Franken in gedeckte Calls zu tätigen. Ich bin 70-jährig und frei in der Anlage. Einkommen und übriges Vermögen decken meine Auslagen bei weitem. Ich kenne mich im genannten Anlagevehikel nicht aus. Der Berater würde mich an der Hand führen.

Leserfrage von T.W.

Mit einer gedeckten Option – meist wird der angelsächsische Begriff Covered Call genutzt – können Sie auf einer bestehenden Aktienposition Ihre Rendite verbessern. Diese Rendite entsteht, indem Sie eine Call-Option schreiben, deren Ausübungspreis über dem Kurs des Basiswertes liegt. Weil die Basiswerte, auf denen Sie eine Call-Option schreiben, bereits in Ihrem Besitz sind, wäre die Call-Option covered – also gedeckt. Liegt der Aktienkurs zum Verfallsdatum über dem Ausübungspreis der von Ihnen geschriebenen Call-Option, wird die Option ausgeübt. Als Stillhalter muss man dann die Aktien bereitstellen und die Aktien zum festgelegten Ausübungspreis der geschriebenen Call-Option ausliefern.

Weil Sie die Aktien bereits im Besitz haben, bringt Sie dies nicht in Bedrängnis. Sie liefern die Aktien an die Gegenpartei und können die Prämie für die geschriebene Call-Option als Ertrag verbuchen. Fällt die Aktie indes beim Verfall unter den Ausübungspreis, bleiben die Aktien in Ihrem Besitz. Solange Sie die für diese Strategie notwendigen Aktien als Basiswert tatsächlich im Besitz haben, halten sich die Risiken in Grenzen. Auf jeden Fall tragen Sie das eigentliche Anlagerisiko, das mit den Aktien verbunden ist.

Unabhängig entscheiden kann man in Finanzangelegenheiten nur, wenn man die genutzten Finanzinstrumente und Anlagestrategien einigermassen kennt.

Was mir beim Vorschlag Ihres Beraters allerdings nicht gefällt, ist der Umstand, dass Sie mir schreiben, dass Sie sich mit dem Umgang von Covered-Call-Strategien und derivativen Instrumenten absolut nicht auskennen. Ihr Berater würde Sie zwar mit seinem Know-how unterstützen. Aus meiner Sicht ist es aber generell nicht sinnvoll, wenn man derivative Instrumente nutzt, die man selbst nicht kennt und mit deren Funktionsweise man selbst keine Erfahrung hat. In dieser Situation ist man weitgehend auf den Berater angewiesen, was ich nicht ideal finde. Das Anlagerisiko tragen aber immer nur Sie allein. Wenn etwas schiefgeht, ist es allein Ihr Problem. Unabhängig entscheiden kann man in Finanzangelegenheiten nur, wenn man die genutzten Finanzinstrumente und Anlagestrategien einigermassen kennt. Dabei muss man nicht die mathematischen Details verstehen, die bei derivativen Instrumenten oft komplex sind, sondern wenigstens Erfahrung in der Funktionsweise solcher Vehikel mitbringen.

Falls Sie Strategien mit Covered Calls ernsthaft interessieren, empfehle ich Ihnen, sich zuerst etwas tiefer damit zu beschäftigen und dann mit einem kleinen Anlagebetrag erste Erfahrungen zu sammeln. Auf keinen
Fall würde ich ohne spezifische Fachkenntnisse und Erfahrung gleich eine beträchtliche Anlagesumme von 300’000 Franken in eine Covered-Call-Strategie investieren, selbst wenn Sie noch einiges an weiteren Mitteln haben.

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1 Kommentar
    Thomas Biasio

    Sehr gute Antwort von Martin Spieler. — Wozu überhaupt mit Derivaten spekulieren, wenn man eh genug Geld hat? Die Verlustwahrscheinlichkeuten sind gross, und bei einem Gewinn kommt zum vielen Geld noch mehr Geld hinzu (das man eigentlich nicht braucht). Wozu?