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Formel-1-Zampano im SpitalFlavio Briatore – für einmal ansteckend positiv

Der italienische Geschäftsmann und Playboy liegt mit Covid-19 im Spital. Ein Kapitel mehr in seinem skandalumwitterten Leben.

Der Zampano: Flavio Briatore beim Grossen Preis von Monza 2011.
Der Zampano: Flavio Briatore beim Grossen Preis von Monza 2011.
Foto: Giorgio Perottino (Reuters)

Zuerst kam das Dementi. «Ich habe nur eine starke Prostata-Entzündung», sagte Flavio Briatore dem «Corriere della Sera». Die Zeitung wollte ihm nicht glauben, bohrte nach bei dem 70-jährigen Ex-Rennstallchef. Denn in seinem Billionaire-Club auf Sardinien waren Dutzende von Mitarbeitern positiv auf Covid-19 getestet worden. Das Nachtlokal wurde geschlossen.

Briatore räumte ein, es könnte sein, dass auch er angesteckt worden sei, «durchaus möglich, bei den Winden, die auf Sardinien herrschen». Schliesslich bestätigte das Mailänder Spital San Raffaele, ja, der Test sei positiv ausgefallen. Grosses Drama, skandalträchtiges Verhalten, ausweichende Antworten. Wie so häufig im Leben des Formel-1-Zampanos, Playboys und, das vor allem, des mit viel Chuzpe schwerreich gewordenen Geschäftsmanns.

Im Mailänder Spital San Raffaele liegt Flavio Briatore seit einer Woche. Dort wurde er positiv auf Covid-19 getestet.
Im Mailänder Spital San Raffaele liegt Flavio Briatore seit einer Woche. Dort wurde er positiv auf Covid-19 getestet.
Foto: Andrea Fasani (Keystone)

1950 wurde Briatore im Piemont geboren. Seine Eltern waren Lehrer, aber er war ein schlechter Schüler. Umso besser, das zeigte sich bald, war er beim Geschäftemachen. Sein erstes Geld verdiente er mit Immobiliengeschäften, seinen ersten Bankrott erlebte er mit einer Trattoria.

An der Mailänder Börse lernte er Luciano Benetton kennen. Der Kleiderfabrikant wurde zum wichtigsten seiner Förderer. Vor allem hielt Benetton auch dann zu Briatore, als dieser es beim Geschäftemachen nicht so eng sah wie das Gesetz (oder seine Neider). Nach mehreren Verurteilungen entging Briatore dem Gefängnis durch Flucht auf die Virgin Islands. Dort und in den USA baute er für Benetton das Amerika-Geschäft auf. Es wurden Hunderte von Filialen.

Formel 1 als Spektakel

Benetton war so zufrieden mit seinem Zögling, dass er ihm die Verantwortung für seinen frisch zugekauften Formel-1-Rennstall gab. Von Motoren verstand Briatore nichts, umso mehr aber hatte er eine klare Idee davon, was den Rennzirkus wirklich ausmacht: nicht der Sport, sondern das Spektakel. Und er hatte den Riecher für die erfolgshungrigsten Piloten. Er holte den jungen Michael Schumacher und gewann mit ihm zweimal die Weltmeisterschaft.

Mit seinen Vorstellungen eckte er aber beim anderen grossen Ego der Formel 1 an, Max Mosley. Gegen den Formel-1-Präsidenten zettelte Briatore eine Revolte der Rennstallchefs an – und setzte sich durch. Briatore wechselte zu Renault. Mit einem zweiten von ihm geförderten Talent, Fernando Alonso, beendete er dort die Weltmeisterserie Schumachers.

Verurteilt und rehabilitiert

Was dann passierte, wird je nach Quelle anders geschildert. Für Mosleys Anhänger steht fest, dass Briatore beim Grossen Preis von Singapur 2008 einen Unfall fingieren liess, um Alonso zum Sieg zu verhelfen. Briatore aber gibt die ehrliche Haut. Die Formel 1 schloss ihn aus, doch ein französisches Gericht rehabilitierte ihn.

Nicht weniger turbulent als Briatores Geschäftskarriere ist sein Privatleben. Aus einer Affäre mit Topmodel Heidi Klum stammt die Tochter Leni. Klum war nur eine von vielen attraktiven Frauen an seiner Seite. Seit 2008 ist er mit dem dreissig Jahre jüngeren «Wonderbra»-Modell Elisabetta Gregoraci verheiratet.

Die Frau an seiner Seite: Elisabetta Gregoraci und Flavio Briatore in Monaco.
Die Frau an seiner Seite: Elisabetta Gregoraci und Flavio Briatore in Monaco.
Foto: Mark Thompson (Getty)

Briatore wäre nicht Briatore, wenn er aus seinem Playboy-Image nicht auch ein Geschäft gemacht hätte. In seinen Billionaire-Clubs kann sich jeder, der es sich leisten will, fühlen wie Flavio. Und man kann sich dort, wie man jetzt weiss, mit Corona anstecken, genau wie Flavio.

5 Kommentare
    Update

    Herr Briatore und seine (Ex-) Frau Elisabetta Gregoraci sind seit mehreren Jahren getrennt, nach italienischer Presse bereits geschieden. Tut nichts zur Meldung, dass nun auch Herr Briatore ein Covid-Patient ist!