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Flugbewegungen in ZürichFliegen lässt sich wenig – buchen lässt sich alles

In den ersten beiden Aprilwochen verzeichnete der Flughafen Kloten noch 26 Starts pro Tag. Von den nächsten Ferien träumen bleibt derweil erlaubt – und auch buchen kann man sie.

Es ist 8.45 Uhr, als die Boeing 777 der Swiss auf der Startbahn 28 beschleunigt. Abgesehen von einem privaten Leichtflugzeug ist es die erste Flugbewegung am Dienstag nach Ostern. Der Langstreckenflieger ist auf dem Weg nach Shanghai, Flugzeit 11 Stunden – und er fliegt leer. LX2686 ist ein reiner Transportflug, mit dem medizinisches Material aus China geholt wird. Dann ist es für eine ganze Stunde still auf den Rollfeldern und Pisten in Kloten, bis um 9.45 Uhr die Embraer der Finnair, Flugnummer AY1511, aus Helsinki eintrifft.

Zu Hause bleiben! Die Weisung bezieht sich nicht nur darauf, in den eigenen vier Wänden zu bleiben, sondern auch im eigenen Land: Wo man sonst immer erwähnt, wie klein die Welt doch geworden sei, scheint das Ausland heute viel weiter weg als sonst. Das manifestiert sich nicht nur durch verbarrikadierte Grenzübergänge zu Deutschland, sondern eben auch durch das Ausbleiben von Flugverbindungen; schliesslich wärs als Passagier ziemlich witzlos, in ein Land zu fliegen, das einem die Einreise verweigert. Und gemäss einer fortlaufend aktualisierten Liste der Fachzeitschrift «Travel Inside» (siehe Kasten) ist das derzeit in so ziemlich allen Ländern der Erde der Fall – mal abgesehen vom Fürstentum Liechtenstein.

Wohin die Reisen noch gehen

Bis Betriebsschluss in Kloten sind an jenem Dienstag sieben Linienflüge gestartet: ein zweiter Shanghai-Flug, zwei Maschinen nach Frankfurt, je ein Flug nach Düsseldorf und London und die Finnair zurück nach Helsinki. Die KLM hatte eine Verbindung nach Amsterdam geplant, den Flug dann aber doch wieder annulliert, mangels Nachfrage. Und auch der Flug der Bulgaria Air nach Sofia fand nicht statt. Zählt man die Privatmaschinen dazu, so verzeichnete der Flughafen Zürich in den ersten zwei Wochen des April insgesamt 360 Starts – exakt gleich viele wie am 28. Februar, an einem einzigen Tag.

Die Swiss fliegt noch an, was sie seit dem 23. März als Minimum im Streckennetz festgelegt hat: Newark (New York) als einziges Langstreckenziel sowie ab Zürich die acht Europadestinationen London, Amsterdam, Berlin, Hamburg, Brüssel, Dublin, Lissabon und Stockholm; das alles aber eben nicht täglich, sondern mit einem Volumen von zusammen rund 40 Flügen die Woche. «Wir sind nun bei rund 5 Prozent unseres ursprünglichen Programms», sagt Swiss-Mediensprecher Michael Stief. Gemäss aktuellem Stand gilt dieses reduzierte Programm bis zum 3. Mai.

Die Langstreckenflotte der Swiss ist weiterhin in Kloten abgestellt. Für Passagiere bleibt Newark die einzige Überseedestination. Die Flüge nach Shanghai sind leer – und kommen mit Medizinmasken zurück.
Die Langstreckenflotte der Swiss ist weiterhin in Kloten abgestellt. Für Passagiere bleibt Newark die einzige Überseedestination. Die Flüge nach Shanghai sind leer – und kommen mit Medizinmasken zurück.
Foto: Florian Schaer

«Die aktuelle Lage verändert sich sehr dynamisch und wird daher laufend neu beurteilt», sagt Stief. Ziel sei es, den Minimalflugplan so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Die Auslastung der Flüge liege «sehr deutlich unter derjenigen, die wir in regulären Zeiten verzeichnen». Genaue Angaben zum Sitzladefaktor werde man erst Ende Monat machen.

Das Buchungs-Roulette

Wann Flüge ab Zürich wieder in gewohntem Umfang stattfinden werden, ist in allererster Linie abhängig von der Nachfrage. Und diese hängt an den Einreisebeschränkungen. Zwangsverordnetes Homeoffice mag Feriengelüste wecken. Und wenn auch aus dem Last-Minute-Urlaub gerade nichts werden kann, so ist es nicht verboten, sich die nächste Reise in den Sommerferien schon mal vorzustellen.

Bei der Swiss lässt sich der entsprechende Flug auch buchen. Der Direktflug nach Boston steht gemäss Website schon ab Montag, 18. Mai, wieder offen. Ob die USA allerdings dann die Einreise bereits wieder erlauben, ist fraglich. Und die Preise? «Aufgrund der krisenbedingt niedrigeren Nachfrage sind attraktive Angebote möglicherweise länger als üblich verfügbar», sagt Stief dazu.

Aber nicht nur die Airlines selbst schüren derzeit die Hoffnung auf eine Post-Corona-Zeit der Schnäppchen. Schliesslich sind es immer auch die einschlägigen Reiseportale wie etwa Ebookers oder Booking.com, die beim Preis-Gambling von Flugreisen ein Wörtchen mitzureden haben. Eine Abfrage auf der Flug-Suchmaschine Skyscanner listet derzeit Flüge nach Portugal, Spanien, Italien, Deutschland, Grossbritannien, Norwegen, in die Niederlande und die Türkei für weniger als 100 Franken – hin und zurück; vorausgesetzt, man ist mit dem Reisedatum genug flexibel, sprich, man kann seine Reise plus/minus ein paar Tage hin- und herschieben. Und es empfiehlt sich, zumindest für den Moment, sich gut über die Leistungen der Reisebüros und Fluggesellschaften hinsichtlich Umbuchungen und Stornierungen zu informieren. Denn welche der Flüge in naher Zukunft überhaupt stattfinden werden, kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen.