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Obergericht ZürichFreispruch für zwei Ärzte bestätigt

Weil sie den Tod eines Patienten verursacht haben sollen, mussten sich zwei Ärzte vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Dieses bestätigte am Mittwochnachmittag die erstinstanzlichen Freisprüche.

2012 wurde ein Patient in einer Zürcher Klinik mit der Schlüssellochmethode am Magen operiert. Ein paar Tage später war er tot.
2012 wurde ein Patient in einer Zürcher Klinik mit der Schlüssellochmethode am Magen operiert. Ein paar Tage später war er tot.
Themenfoto: Keystone

Beschuldigt waren ein heute 70-jähriger Chirurg und ein 64-jähriger Intensivmediziner. In einer Zürcher Privatklinik waren sie im Herbst 2012 für einen 42-jährigen Patienten zuständig, der eine Fehlstellung des Magens operieren lassen musste.

Nach der OP kam es zu schweren Komplikationen, und eine Woche später starb der Mann. Die Staatsanwaltschaft warf den Ärzten fahrlässige Tötung vor. Dafür sollten die Mediziner mit bedingten Geldstrafen belangt werden.

Einzelrichter sah Sorgfaltspflicht verletzt

Der Einzelrichter am Bezirksgericht hatte im Januar 2019 die beiden Ärzte zwar vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung eines Patienten freigesprochen. Im Rahmen der Urteilseröffnung hielt er aber fest, die beiden Mediziner hätten die Sorgfaltspflicht verletzt. Den Beschuldigten gewährte er nur reduzierte Prozessentschädigungen.

Das Obergericht bestätigte nun die Freisprüche und nahm in seinem Urteil den Vorwurf der verletzten Sorgfaltspflicht nicht wieder auf. Es sprach den beiden Beschuldigten eine leicht höhere Prozesskostenentschädigung von insgesamt 89’000 Franken zu.

Der vorsitzende Richter kritisierte in der Urteilseröffnung die Strategie der Anwälte der Privatklägerschaft. Diese hätten versucht, statt des Verhaltens der Ärzte nach der missglückten Operation plötzlich das Vorgehen während der Operation ins Zentrum zu rücken. Das sei aber nicht zulässig.

«Ich habe dem Beschuldigten während der Verhandlung auch bewusst nicht die Frage gestellt, ob er heute anders handeln würde», sagte der Richter. Im Nachhinein würden natürlich selbst medizinische Laien zu einem anderen Vorgehen raten. Entscheidend sei aber einzig die damalige Situation, in der die Ärzte ihre Entscheidungen treffen mussten.

Zustand des Patienten verschlechterte sich zusehends

Die mehrstündige Operation hatte der Chirurg laparoskopisch, also mit der sogenannten Schlüssellochmethode, ausgeführt.

Wie der Vertreter der Privatklägerin ausführte, kam es schon während der OP zu Atemproblemen des Patienten. Die Narkoseärztin habe den Chirurgen wiederholt gebeten, auf die herkömmliche Operationsmethode umzusteigen. Darauf sei er aber nicht eingegangen.

Nach der OP ging es dem frisch Operierten immer schlechter. Am Morgen des darauffolgenden Tages war der Intensivmediziner der Meinung, ein Röntgenbild zeige eine erneute Fehlstellung des Magens. Er teilte dies telefonisch dem Chirurgen mit und schlug eine sofortige korrigierende Operation vor.

Keine zweite OP

Ohne das Bild angesehen zu haben, lehnte der Chirurg dies ab. Er ging davon aus, dass es sich um eine Luftblase handelte. Der Kollege solle eine Magensonde legen. Hierbei wurde die Speiseröhre verletzt.

Eine sich rasch ausbreitende Infektion führte zum Kollaps der Lunge. Der Patient kam an eine Herz-Lungen-Maschine und erhielt deshalb Blutverdünner. Dieser hatte eine tödliche Hirnblutung zur Folge.

(SDA)