Bülach

300 000 Franken für 300 000 Kilometer

Nach 300 000 geleisteten Kilometern hat das Spital Bülach gestern den Krankenwagen «Büli 1» ersetzt. Das neue fünf Tonnen schwere Gefährt verbraucht 13 Liter Diesel auf 100 Kilometer und hat 300 000 Franken gekostet.

Die Sanitäter begutachten das Innenleben von «Büli 1». In den kommenden fünf Jahren wird die Ambulanz im Unterland unterwegs sein.

Die Sanitäter begutachten das Innenleben von «Büli 1». In den kommenden fünf Jahren wird die Ambulanz im Unterland unterwegs sein. Bild: Paco Carrascosa

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Jede Zürcher Gemeinde muss einen Rettungsdienst organisieren. So ist es im Gesetz vorgeschrieben. Für die Unterländer Gemeinden, die einen Leistungsvertrag mit dem Spital Bülach haben, kommen in erster Linie dessen vier Ambulanzwagen «Büli 1» bis «Büli 4» zum Einsatz. Sie rücken jeweils von den beiden Standorten Bülach und Steinmaur aus und decken vom Rafzerfeld bis zum Flughafen und von Niederweningen bis Nürensdorf ein Gebiet mit 180 000 Einwohnern ab.

Effekt der Wiedererkennung

Gestern Donnerstag hat Spitaldirektor Rolf Gilgen die Autoschlüssel für den neuen «Tigis Europa 1» überreicht bekommen. Letzerer wird den Namen «Büli 1» tragen und den bisherigen «Büli 1» nach rund 300 000 geleisteten Kilometern ablösen. «Vor allem, weil er statt eines einzelnen Blaulichts einen ganzen Blaulichtbalken rund herum hat, wird dieser neue Krankenwagen bestimmt auffallen», wagte der Direktor eine Prognose. Auch um eine solche Verankerung in der Bevölkerung, um solch einen Wiedererkennungseffekt, müsse es einem gelegen sei, wenn man sich als Spital für die Bevölkerung verstanden haben wolle.

Die letzte Ersatzanschaffung hatte 2016 den «Büli 4» betroffen. «Allein schon seit damals lässt sich wieder eine Modernisierung feststellen», meint der Spitaldirektor. Allerdings: «Büli 4» wurde von der Londero GmbH in Volketswil geliefert. «Büli 1» dagegen stammt von der Firma Ambutech, die ihren Sitz (bezeichnenderweise) in Rotkreuz ZG hat. «Weil es das erste Fahrzeug dieser Art in der Schweiz ist, haben wir besonders viele Kundenwünsche berücksichtigt», erwähnte Thomas Hugener, der gestern als Repräsentant der Ambutech die Schlüssel überreicht hat. «So wie es dasteht, ist es ein Vorzeigemodell, das wir anderen interessierten Rettungsdiensten zeigen.»

Keine einheitliche Flotte

Bei allen technischen Schmankerln des Flottenneulings – wäre es für Betrieb, Schulung, Wartung oder Ersatzteilbeschaffung nicht effizienter und günstiger, wenn man einfach vier identische Ambulanzmodelle hätte? «Ja sicher, eine einheitliche Flotte wäre für uns eine Wunschvorstellung», sagte der Leiter des Rettungsdienstes, Jean Mezghini. Aber die Sanitäter hätten da nicht zu entscheiden. «Wir erfüllen als Spital einen Auftrag der öffentlichen Hand», erläuterte Gilgen die Sachlage. «Und das bindet uns an die Submissionsverordnung.» Jede Anschaffung eines neuen Rettungswagens muss als Auftrag öffentlich ausgeschrieben werden, das beste Angebot erhält den Zuschlag. «Und gerade das soll ja die Kosten senken.»

Dass das Bülacher Spital einen Rettungsdienst unterhält, den es im übrigen seit Anfang 2018 mit einem Notarztmodell ergänzt (siehe Kasten), war seit jeher ein Entscheid des Betriebs, eine gesetzliche Pflicht gibt es dafür nicht. «Wie gesagt, wir wollen ein Spital für die Bevölkerung sein», meinte Rolf Gilgen, «also haben wir entschieden, dass es uns das wert sein soll». Flottengrösse und Personalstärke, auch darüber hat das Spital selber entschieden.

Die Frage nach einem «Büli 5»

Indessen entspricht es der politischen Strategie auf Kantonsebene, dass auch in den ländlichen Regionen Notärzte stationiert sein sollen. Und: Bei der Frage, ob bald schon einmal ein «Büli 5» im Unterland seine Sirenen aufheulen lassen soll, könnte der Kanton ein Wörtchen mitreden. Denn seit dem 1. Juli wird das Projekt «Optimierung Rettungswesen im Kanton Zürich» in die Tat umgesetzt. Und zu diesem gehört derzeit eine Bedarfserhebung; Anzahl Ambulanzen, Anzahl Sanitäter, welche Vorhalteleistungen je Rettungsdienst.

«Sie können mir glauben, ich bin kein Befürworter solcher Regulierungen von oben», sagte der Spitaldirektor. Noch ist nichts entschieden – und eine gesetztliche Grundlage für verbindliche Rettungsdienst-Vorgaben existiert derzeit nicht. Das könnte sich aber ändern, «und im Extremfall könnte das dazu führen, das die einen oder anderen Spitäler oder private Anbieter auf einen Rettungsdienst verzichten müssen», mahnte Gilgen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.08.2018, 17:22 Uhr

So funktioniert der Rettungsdienst mit dem neuen Notarztmodell

Mit ihren vier Rettungswagen sind die Sanitäter des Spitals Bülach im Jahr 2017 insgesamt 4145 mal ausgerückt. Das entspricht einem Durchschnitt von gut 11 Einsätzen pro Tag. Seit Anfang 2018 wird der Rettungsdienst mit einem Notarzt-Modell kombiniert. Klaus Homburg, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, erläutert, was das im Alltag bedeutet: «Bei jedem Notruf, der bei der Einsatzzentrale eingeht, wird abgeschätzt, wie schwer eine Verletzung oder eine Erkrankung ist, wie das Unfallmuster ausschaut – und dann wird entschieden, ob ein Notarzt geordert wird oder nicht.»

Bei einem instabilen Kreislauf, wenn eine bestimmte Gravität der Verletzung vorliegt, wenn jemand nicht mehr atmet – das könnte einen Arzt nötig machen. Während im Rettungswagen immer zwei Sanitäter sind (ein Fahrer, ein Betreuer), würde der Notarzt separat, zusammen mit einem weiteren Sanitäter, in einem (ebenfalls mit allem Notfallequipment ausgestatteten) Personenwagen losgeschickt. «Damit stellen wir ein Maximum an Flexibilität sicher», sagt Homburg. Wird der Notarzt für die Rückfahrt zum Spital in Anspruch genommen, steigt er mit in die Ambulanz ein, und der dritte Sanitäter fährt den Personenwagen zurück.

Stellt sich heraus, dass zwei Sanitäter ausreichen, steht der Notarzt für die Zentrale umgehend wieder zur Verfügung und könnte sofort zum nächsten Einsatz weiterfahren. Seit die Notärzte Anfang 2018 in den Rettungsdienst einbezogen worden sind, kamen sie bei 470 Fahrten zum Einsatz. Das entspricht laut Homburg in etwa der prognostizierten Quote von 20 Prozent. red

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