Theaterbiennale Eglisau

45 Minuten Theater für 5 Franken

Am 1. und 2. September sind in Eglisau acht kurze Theaterstücke in vier Landessprachen zu sehen. Die Theaterbiennale bietet auch Nicht-Theater-affinen einen Einblick ins Amateurtheater der übrigen Landesteile – für sehr wenig Geld und in kurzen Häppchen.

Peter Keller ist seit zig Jahren der Mann fürs Amateurtheater. Mit der Biennale im Rheinstädtchen, wo er nicht nur selber Theater gemacht hat, sondern auch Gemeindepräsident war, will er unter anderem zeigen, was Tessiner, Welsche und Bündner auf ihre Laienbühnen stellen.

Peter Keller ist seit zig Jahren der Mann fürs Amateurtheater. Mit der Biennale im Rheinstädtchen, wo er nicht nur selber Theater gemacht hat, sondern auch Gemeindepräsident war, will er unter anderem zeigen, was Tessiner, Welsche und Bündner auf ihre Laienbühnen stellen. Bild: Paco Carrascosa

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30 bis 45 Minuten darf eine Aufführung dauern, die Vorgabe dees Verbands ist klar. «Das Stück soll auf jeden Fall nicht zu lang sein», sagt Peter Keller, «oder ich weiss nicht, ob da so viele Leute drei Stunden lang rätoromanischen Dialogen folgen will». Der Vorsitzende des RVA, des Regionalverbands Amateurtheater Zürich-Glarus, hält die Organisastionsfäden der diesjährigen Theaterbiennale in Eglisau in der Hand.

Und er sei selber sehr gespannt, was die acht Theatertruppen, die aus der ganzen Schweiz anreisen werden, dem Publikum am Rhein vorsetzen werden (siehe Kasten), sagt er. Die Kernidee der Theaterbiennale ist klar: Es soll ein Eindruck davon vermittelt werden, wie in den Mehrzweckhallen, Gemeinde- und Singsääle ennet dem Röstigraben, ennet dem Gotthard oder im rätoromanischen Sprachraum Theater gemacht wird.

Der Anlass richtet sich damit einerseits an die Mitwirkenden und Freunde des Schweizer Amateurtheaterschaffens, andererseits aber auch an ein möglichst breites Publikum. Die Vorgabe zum mitmachen: Die in Eglisau gezeigten Stücke müssen eigens für die Biennale einstudiert worden sein. Das Motto über den beiden Theatertagen: «Lieben».

Vielleicht gar nicht so leicht

Mit einem Unkostenbeitrag von einem Fünfliber pro Vorstellung ist der Eintritt in Eglisau bewusst niedrig angesetzt – Theater für wirklich alle. «Es sollen auch diejenigen ans Theater herangeführt werden, die nicht a priori interessiert sind», sagt Peter Keller. Auch darum sei die Zeitvorgabe von 30 bis 45 Minuten angebracht. «Wir wollen zeigen, dass die Laienbühne eine Volkskultur ist und dass sie in allen Landesteilen denselben Stellenwert hat.»

Nun, das Programm steht. Und es dürfte sehenswert sein, schätzt der Quasi-Intendant Keller, und zwar aus einem bestimmten Grund: «Ich denke weniger, dass man da simple Schenkelklopfer auf die Bühne stellen wird. Wer hier mitmacht, der will zeigen, dass er mit wenig Aufwand und in kurzer Zeit gutes Theater machen kann.» Genau darin liege freilich auch wieder ein Risiko: «Es könnte gut sein, dass die fremdsprachigen Stücke nicht ganz so leicht zu verstehen sind.»

Volkstheater in der Stichprobe

Zwar bekommt das Publikum für die Aufführungen je nach Sprache einen Abriss der Handlung ausgehändigt, die Dialoge aber werden nicht übersetzt; das würde besagter Kernidee grundsätzlich widersprechen, der Biennale, verstanden als Stichprobe aus der Schweizer Volkstheaterlandschaft. Da bringt Peter Keller selber Jahrzehnte eigener Theaterefahrung mit, auch als Organisator – und trotzdem sind gerade regionsübergreifende Projekte oft eine Herausforderung. «Eine Schwierigkeit besteht ganz einfach darin, überhaupt die Theatergruppen hinzukriegen», sagt er.

Für die Biennale wären eigentlich je zwei Produktionen aus den vier nationalen Theaterverbänden vorgesehen; aus der Deutschschweiz, der Welschschweiz, dem Tessin und der rätoromanischen Schweiz. Heuer ist es dem RVA bis zuletzt nicht gelungen, zwei Westschweizer Truppen für den Anlass zu gewinnen. Dafür hat man jetzt drei Deutschschweizer Ensembles. «Die Tessiner, ich meine, bei denen geht zwar alles etwas länger – aber wenn sie am Telefon sagen, dass es klappt, dann klappt es auch.»

Erstellt: 24.08.2018, 17:57 Uhr

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Diese Stücke werden in Eglisau gespielt

In Eglisau findet am Samstag und Sonntag, 1. und 2. September, die Schweizerische Biennale des Amateurtheaters statt. Alle Aufführungen finden entweder im Weierbachhus oder in der Aula des Städtli-Schulhauses statt. Der Eintritt kostet pro Vorstellung 5 Franken, für 60 Franken gibt es die Wochenendkarte, die neben allen Aufführungen auch das Bankett vom Samstag beinhaltet.

Am Samstag, 1. September


  • «SMS auf Abwegen» (deutsch) Spielleute von Seldwyla aus Bülach, Aula Schulhaus Städtli, 9.30 bis 10.15 Uhr

  • «Gion Tumasch va ell’uiara» (rätoromanisch), Union da Theater Sagogn aus Sagogn GR, Weierbachhaus, 10.45 bis 11.30 Uhr.

  • «L’allegoria del Tempo» (italienisch), Girondini aus Lugano TI, Aula Schulhaus Städtli, 13.30 bis 14.15 Uhr.

  • «Runter zum Fluss» (deutsch) Die Schatulle aus Greifensee ZH, Weierbachhaus, 14.45 bis 15.35 Uhr.



Am Sonntag, 2. September


  • «Aaaaaah» (französisch), Compagnie Catharsis VS, Aula Schulhaus Städtli, 9.30 bis 10.15 Uhr.

  • «Lo Spaventapasseri» (italienisch), I Matiröö, Locarno TI, Weierbachhaus, 10.45 bis 11.30 Uhr.

  • «Mamma che voul quai dir amar» (rätoromanisch), Società da theater Sent aus Sent GR.m Aula Schulhaus Städtli, 13.30 bis 14.15 Uhr.

  • «Old Saybrook» (deutsch), St. Gallerbühne aus St. Gallen SG, Weierbachhaus, 14.45 bis 15.30 Uhr.

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