Flughafen/Buchs AG

714 Tonnen süsses Prestige aus dem Aargau

Die Schokoladen-Täfelchen, die die Passagiere der Swiss vor der Landung gereicht bekommen, stammen auch weiterhin von der Chocolat Frey AG. Die Migros-Tochter aus dem Aargauischen Buchs hat den Zuschlag für weitere drei Jahre bekommen - und damit für 51 Millionen Schöggeli.

Die Swiss-Schöggeli sind begehrt – und sie stellen für die Chocolat Frey AG einen Prestigeauftrag dar.

Die Swiss-Schöggeli sind begehrt – und sie stellen für die Chocolat Frey AG einen Prestigeauftrag dar. Bild: Florian Schaer

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Die Maschine ist schon im Sinkflug, bald zuhause in Kloten. Die Flugbegleiterin geht mit dem Körbchen voller Schoggi-Täfelchen durch den Gang der Economy-Class – ein Ritual auf jedem Flug, die überwiegende Zahl der Passagiere wird wohl nicht nein sagen können. Seit 2006 verteilt die Swiss die rot-weiss verpackte Versuchung, «Thank you for flying Swiss» steht drauf. Seit 2014 wird die Schokolade von der Aargauer Migros-Tochter Chocolat Frey AG produziert.

Im August nun hatte Swiss den Auftrag neu ausgeschrieben. Bewerben konnten sich alle schweizerischen Schokoladenproduzenten. Die Frey hat sich erneut gegen die Konkurrenz durchgesetzt und darf weiterhin liefern: insgesamt rund 17 Millionen Stück pro Jahr, à 14 Gramm. Die ganze Schoggi für ein Jahr wiegt damit exakt gleich viel wie eine voll beladene Boeing 777-300ER der Swiss (ohne den Treibstoff, also das Maximum zero fuel weight): 238 Tonnen. Und der Vertrag ist auf drei Jahre ausgelegt, demnach auf 714 Tonnen.

Viel Süsses, wenig Geld

Obschon das ziemlich viel Schoggi ist – wirklich reich wird die Chocolat Frey AG mit dem Auftrag nicht. Konkrete Zahlen gibt es dazu zwar keine, aber die Aargauer müssen der Airline wohl bezüglich Mengenrabatt grosszügig entgegenkommen. «Viel Geld verdienen wir damit tatsächlich nicht», sagt Mediensprecherin Pascale Buschacher dazu, «aber unsere Marke in die ganze Welt hinaustragen zu können, das ist für uns natürlich ein wichtiger Prestige-Auftrag.» Die Frey AG darf ihr Logo mit dem Einhorn dezent hinten auf jeder Tafelverpackung anbringen.

Das grosse Hamstern im Flug

Während nun die Flugbegleiterin das Schoggikörbchen jedem Fluggast vor die Nase hält, wird der Passagier hinten auf Sitz 51D so langsam kribbelig. Hat es überhaupt genug für alle? Immerhin weist die Statistik 17 Millionen verteilte Schöggeli und 16,5 Millionen Swiss-Passagiere pro Jahr aus; und dabei hat man doch genau gesehen, wie die Dame weiter vorne gleich vier Täfelchen genommen hat!

Tatsächlich ist die Frage, ab wie vielen Swiss-Schöggeli man als unanständig gelten muss, schon auf Social-Media diskutiert worden: Auf der Plattform Reddit etwa findet sich eine entsprechende Diskussion; die etwas provokative (im Original auf englisch abgefasste) Frage: «Was ist euer Rekord beim Swiss Schoggi-Klau?». Die einen Nutzer finden, ihnen sei es gar nie in den Sinn gekommen, mehr als eines zu nehmen. Andere gestehen durchaus mal 3 oder 4 eingeheimst zu haben. Nutzerin «Gloras» aus Zürich schreibt dazu: «Ich arbeite als Mitglied der Kabinenbesatzung bei Swiss und uns ist es wirklich egal, wie viel ihr nehmt – nehmt einfach nicht den ganzen Korb bitte.»

Bei der offiziellen Swiss unterschreibt man diese Haltung nur bedingt: «Wir freuen uns natürlich, wenn das Schöggeli bei unseren Fluggästen gut ankommt», sagt Sprecherin Meike Fuhlrott. Die Idee sei aber schon, dass sich die Passagiere jeweils ein Täfelchen nehmen würden. «Sollte sich jemand mehr als eines nehmen, ist das aber auch kein Problem», fügt sie an. Man vertraue da grundsätzlich auf das «gesunde Augenmass» der Passagiere.

360 Stück auf 360 Sitze

Zwar gibt es gute Gründe, warum die Angst, auf 51D punkto Schokolade zu kurz zu kommen, unberechtigt ist. Zum einen zählen zum Beispiel Business- und Firstclass-Passagiere auf der Langstrecke nicht zum Topf der 16,5 Millionen Gäste, weil dort andere Schokolade gereicht wird (Lindt oder Sprüngli). Zum anderen nehmen längst nicht alle Reisenden ein Schöggeli mit.

Trotzdem: Allzuviel Reserve ist nicht an Bord: Gemäss Meike Fuhlrott wird eine A320 (bis 180 Sitze) auf einem Europaflug mit sechs Schachteln à 60 Stück beladen – gerechnet für Hin- und Rückflug. Wäre die Maschine also auf beiden Flügen zu 100 Prozent voll, gäbe es für jeden Passagier genau eine Schoggi. So betrachtet bleibt das Schoggi-Hamstern auf Swiss-Flügen, wenngleich bloss als Kavaliersdelikt zu ahnden, ganz bestimmt nicht die feine Art. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.11.2017, 16:34 Uhr

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