Rümlang

Äthiopien ­– ein Land mit Vergangenheit und Zukunft

Philipp Schütz stellt in Zürich seinen Fotoband «Vintage Addis Ababa» über das Leben und die Menschen in Äthiopiens Hauptstadt vor. Er zeigt faszinierende Einblicke in ein Land, das man so nicht kennt.

Woldemikael Miquele mit dem gezähmten Löwen Mekuria der kaiserlichen Garde von Haile Selassie im Jahr 1968.

Woldemikael Miquele mit dem gezähmten Löwen Mekuria der kaiserlichen Garde von Haile Selassie im Jahr 1968. Bild: Philipp Schütz

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«Äthiopien ist ein wunderschönes Land, mit freundlichen Menschen und einem reichen Schatz an Kultur und Geschichte», sagt Philipp Schütz (29) gleich zu Beginn. Dies belegt der in Rümlang Aufgewachsene mit dem Fotoband «Vintage Addis Ababa» und grossformatigen Fotos, die er in der Photobastei in Zürich ausstellt. Die 242 Fotos aus den 1940er- bis 1980er-Jahren dokumentieren das Leben in Äthiopien. Viele der Aufnahmen könnten auch in der Schweiz geknipst worden sein.

Gemeinsamkeiten betonen

Zur Veranschaulichung legt Schütz zwei Fotos nebeneinander. Eines zeigt seine Grosseltern an ihrer Hochzeit ungefähr im Jahr 1940: der Bräutigam im dunklen Anzug, die Braut ganz in Weiss, mit Blumen. Beide lächeln. Das zweite Foto zeigt ein äthiopisches Brautpaar, er ebenfalls im Anzug und die Braut im weissen Kleid mit Blumen. «Die Ähnlichkeit ist frappant,» sagt Schütz. «Ich suche nach Gemeinsamkeiten und die finden sich in vielen Lebensbereichen», führt der 29-Jährige aus.

Bei der Arbeit in der Militärwerkstatt, circa 1971.

Die Fotos zeigen die Menschen bei der Arbeit, beim gemeinsamen Essen, Kinder in der Schule oder beim Spielen. Sie alle strahlen Würde aus. Äthiopien weist eine über 3000 Jahre alte Hochkultur auf und gilt als eines der Herkunftsländer des modernen Menschen. Bereits in den 1960er-Jahren war Addis Abeba eine lebendige, kosmopolitische Stadt. Das Fotobuch erwies sich bald als wertvolles Geschichtenarchiv.

Rümlang bis Addis Abeba

«Wir digitalisierten rund 2000 Fotos von normalen durchschnittlichen Menschen», berichtet Schütz. «Bei einigen Familien mussten wir die Fotos vor Ort einscannen, da die Besitzer diese nicht aus der Hand geben wollten. Denn jedes Bild erzählt eine persönliche Geschichte», erinnert sich der Buchautor.

Philipp Schütz ging in Rümlang zur Schule, schloss eine Lehre zum Polygrafen ab und ging nach London, um Englisch zu lernen. Dann stand er vor der Wahl, wo und wie er seinen Zivildienst leisten möchte. «Ich wollte diese Zeit sinnerfüllend nutzen und entschied mich, mein berufliches Wissen in Addis Abeba einzubringen.»

Dort durfte er ein Jahr lang helfen, einen Literaturverlag aufzubauen. «Die Aufgabe war vielseitig, abwechslungsreich, und ich lernte die Menschen im Alltag kennen», sagt Schütz. Er bekam Zugang zur hochinteressanten Geschichte des ostafrikanischen Landes und lernte die kulturellen Reichtümer kennen.

Wongel Abebe (links) arbeitet mit Philipp Schütz, Nafkot Gebeyehu ist eine Bekannte. Foto: PD

Heute sei Äthiopien längst nicht mehr ein von Bürgerkrieg und Hungersnöten geschundenes Land. «Die Menschen bauen mit Optimismus ihre Zukunft», sagt Schütz. Das Leben in Addis Abeba ist, im Gegensatz zum beschaulichen Rümlang oder Zürich, laut und geschäftig. «Genau dies gefällt mir. Man spürt Aufbruchstimmung, und die Menschen helfen einander.»

Aus dem Land mit, je nach Quelle, ungefähr 105 Millionen Einwohnern wanderten viele Menschen ab. Doch das Land am Horn von Afrika habe eine grosse Zukunft, ist Schütz überzeugt. Die Wirtschaft zieht an, dazu gehören auch die traditionelle Kaffeekultur und der Tourismus. «In Äthiopien reist man sicher», fügt er an. Die Liebenswürdigkeit der Menschen und die Schönheit des Landes veranlassten den jungen Mann, seinen Aufenthalt zu verlängern. Inzwischen sind sieben Jahre daraus geworden. Er ist glücklich darüber, hat eine zweite Heimat gefunden. Zweimal im Jahr besucht Schütz seine Familie in Rümlang. Hin und wieder bekommt er Besuch von seinem Bruder.

Unterstützung von Botschaft

Die Arbeit am Buchprojekt «Vintage Addis Ababa» wird unter anderem von der Schweizer Botschaft in Äthiopien unterstützt. Eingeladen an die Ausstellung haben ihn die Photobastei und das Völkerkundemuseum Zürich. Eingeladen ist auch die Künstlerin Wongel Abebe, die mit Schütz zusammenarbeitet. Ende Mai werden sie ihr Buch in London und Paris präsentieren. Nach einer Weiterbildung in New York kehrt Schütz nach Hause zurück. Nach Addis Abeba. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.05.2019, 10:55 Uhr

Infobox

Morgen Samstag, 18. Mai, ab 12 Uhr sind Philipp Schütz und Wongel Abebe in der Photobastei in Zürich anwesend; am Mittwoch, 22. Mai, 19 Uhr, Vortrag von Philipp Schütz und Wongel Abebe, Ausstellung bis 2. Juni. Donnerstag, 23. Mai, 19 Uhr, Vortrag von Philipp Schütz und Wongel Abebe im Völkerkundemuseum in Zürich. Das Buch gibts auf vintageaddis.com.

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