Embrach

Am Ende des Theaterstücks bestehen noch immer viele Zweifel

Im Teatro Di Capua gastierte am Wochenende das Theater Purpurrot mit einem Drama.

Schwester Aloysius will Pater Flynn aus der Pfarrei loswerden.

Schwester Aloysius will Pater Flynn aus der Pfarrei loswerden. Bild: Urs Weisskopf

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

John Patrick Shanley schuf 2004 mit seinem Stück «Doubt: A Parable» (Zweifel: Eine Parabel) ein Meisterstück über den Umgang mit Ungewissheit in Bezug auf Recht und Unrecht, Schuld und Unschuld und das Leben allgemein. Das Stück spielt in den 60er-Jahren in einer US-amerikanischen katholischen Schule in New York. Die Geschichte verfolgt den Feldzug der dortigen Schuldirektorin gegen einen Pater, den sie des Kindesmissbrauchs verdächtigt. Shanley erhielt für das Werk den Pulitzer-Preis, und 2009 wurde sein Drehbuch für die Filmadaption mit Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman für einen Oscar nominiert.

Ein schrecklicher Verdacht

Das semiprofessionelle Theater Purpurrot mit Sitz in Rorbas-Freienstein gastierte mit diesem Stück letzten Freitag in Embrach im Teatro Di Capua. Unter der Regie von Christian Kraut spielt «Zweifel: Eine Parabel» zwar weiterhin in den USA, jedoch in der Gegenwart. Schwester Aloysius (Karen Ochsner) führt ihre Schule mit eiserner Hand und Disziplin, die sie gleichermassen von den Schülern und den Nonnen erwartet, so zum Beispiel auch von der jungen, unsicheren Schwester James (Leyla Siegen). Als diese von einer für sie ungewöhnlichen Situation zwischen dem weltoffenen, beliebten Pater Flynn (Richard Rabelbauer) und dem einzigen Flüchtlingskind der Schule, einem 12-jährigen Mädchen (im Original ist es der erste schwarze Junge der Schule) erzählt, schöpft Schwester Aloysius einen schrecklichen Verdacht. Von diesem lässt sie nicht ab, bis sie ihr Ziel, den Pater aus der Pfarrei loszuwerden, erreicht hat. Die letzten Worte des Stückes kommen von einer veränderten Schwester Aloysius: «Das Böse zerfrisst mich. Ich zweifle, ich habe solche Zweifel.»

Keine Schuldzuweisung

Hat sich Schwester Aloysius auf den idealistischen Pater Flynn eingeschossen, weil er ihre Weltordnung nicht teilt, zudem er sie als Mann in der Hierarchie schon seines Geschlechtes wegen übersteigt? Oder ist die Progressivität von Pater Flynn nur Deckmantel für seine düsteren Ziele, seine gelegentlichen Wutausbrüche nur Anzeichen für seine Anmassung von Unantastbarkeit? Das Abwägen von Aussagen und Analysieren bringt nichts – das Publikum erfährt bis zum Schluss nicht, ob Pater Flynn wirklich schuldig war.

Regisseur will kein Mörder-Mystery

John Patrick Shanley erreicht sein Ziel auf bemerkenswerte Weise. Darum ging es auch dem Regisseur des Theaterstücks. «Ich möchte nicht, dass sich das Publikum in die Diskussion begibt, ob er es getan hat oder nicht», erklärte Kraut. Er erinnere sich daran, wie er sich nach dem Anschauen des Films und Lesen des Stücks gefühlt habe – verunsichert. «Das reicht. Ich will kein Mörder-Mystery machen. Es geht darum, dass ich es nicht weiss, und darum, wie ich damit umgehe, dass ich es nicht weiss.»

Einer der Besucher meinte: «Zuerst wirkt die Schwester sehr hart, danach zweifelt man und ist im Dilemma. Hat sie recht mit ihrer sturen Haltung? Oder ist es nicht eine sture, sondern die richtige Haltung? Man kann es nicht sagen.»

Erstellt: 10.11.2019, 17:02 Uhr

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles