Wil

An der Grösse der Fusion scheiden sich die Geister

Im Rafzerfeld wurde am Mittwoch über eine mögliche Fusion kontrovers diskutiert.

Im vergangenen Juni überreichte Ernst Kraft (mit Geschenkbox) dem Wilemer Gemeindepräsident Urs Rüegg die Initiative für die Ausarbeitung einer Fusion mit Hüntwangen und Wasterkingen. Vor der Abstimmung am 9. Februar wurde nun im Sternensaal darüber diskutiert.

Im vergangenen Juni überreichte Ernst Kraft (mit Geschenkbox) dem Wilemer Gemeindepräsident Urs Rüegg die Initiative für die Ausarbeitung einer Fusion mit Hüntwangen und Wasterkingen. Vor der Abstimmung am 9. Februar wurde nun im Sternensaal darüber diskutiert. Bild: Archiv/Paco Carrascosa

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am 9. Februar wird im Rafzerfeld darüber abgestimmt, ob Wil, Wasterkingen und Hüntwangen einen Fusionsvertrag ausarbeiten sollen. Davor organisierten die Gemeinden in allen drei Dörfern am Mittwochabend eine Informationsveranstaltung. Anhand der Diskussion in Wil lässt sich exemplarisch eine Auslegeordnung der Argumente für und wider der Initiative vornehmen.

Die Initianten

Die Initianten, in Wil vertreten von Ernst Kraft, propagieren eine «Politik der kleinen Schritte». Ihre Idee ist, dass zuerst die drei Gemeinden im unteren Rafzerfeld ihre «Hausaufgaben» erledigen und sich zusammenschliessen. Wenn das dann gemacht ist, würde der Blickwinkel erweitert werden und eine Fusion mit der Schulgemeinde Unteres Rafzerfeld ins Auge gefasst, um eine Einheitsgemeinde zu bilden. Und danach wäre das ultimative Ziel der Initianten, sich mit Rafz zusammenzuschliessen.

Mehrere Argumente sprechen gemäss Kraft für diese Idee. «Aus geografischer Sicht liegen Wil, Wasterkingen und Hüntwangen in einem Radius von zirka vier Kilometern beieinander», führte er etwa aus. Diese drei Dörfer würden in vielen Bereichen bereits heute mit Rafz oder Eglisau zusammenarbeiten, die aufgrund ihrer Bevölkerungszahlen aber klar die stärkeren Parteien in den Partnerschaften seien. Zum Vergleich: Wil zählt derzeit etwa 1400 Einwohner, Hüntwangen 1000 und Wasterkingen 550. Eglisau hingegen zählt bereits über 5200 Einwohner, Rafz über 4500. «Schlössen wir uns zusammen, wären wir eine stärkere Gemeinde mit rund 3000 Einwohnern», so Kraft. Dadurch liessen sich auch Doppelspurigkeiten vermeiden. So kämen heute auf die 3000 Einwohnern zusammen 15 Gemeinderäte – die ungleich grösseren Dörfer in Rafz und Eglisau zählen jeweils nur 5. Insgesamt liessen sich dadurch je nach Rechnung jährlich über 500000 Franken sparen, schätzen die Initianten.

Der Gemeinderat

Die Stellung des Gemeinderats vetrat am Mittwoch in Wil Gemeindepräsident Urs Rüegg (SVP). Die Exekutive empfiehlt die Initiative zur Ablehnung. «Selbst fusioniert sind knapp 3000 Einwohner noch keine starke Position für eine Verhandlung», sagte Rüegg. Zudem seien Aussagen über mögliche Kosteneinsparungen oder mögliches Synergiepotenzial zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation. Der Gemeinderat führt zudem an, dass die Fusion nicht nur Kosten einspart, sondern auch welche verursacht. So etwa durch den Fusionsprozess an sich, aber auch, weil ab einer gewissen Grösse einer Gemeinde auch mehr Führungspersonen in der Verwaltung eingestellt werden müssen. Schliesslich gebe es schlicht auch keine finanzielle Notwendigkeit für einen Zusammenschluss. Besser sei es, die bisherige Zusammenarbeit weiterhin aufrecht zu erhalten und zu fördern, bis der Zeitpunkt reif sei für eine Gesamtfusion des Rafzerfelds.

Die Bevölkerung

Nachdem das Initiativkomitee, der Gemeinderat und auch die Rechnungsprüfungskommission – sie empfiehlt, die Initiative anzunehmen, um die Fakten zu klären – ihre Argumente präsentiert hatten, diskutierte die Bevölkerung. Dabei zeigte sich, dass die Initianten paradoxerweise zwar mit der Fusionsidee durchaus auf Sympathien stiessen – aber eventuell an der Urne darüber stolpern werden, dass sich viele Fusionsbefürworter einen noch grösseren Zusammenschluss wünschen. «Ich habe einen grösseren Schritt erwartet», sagte etwa ein Wilemer. «Mindestens, dass man direkt Rafz auch noch in die Fusion miteinbezieht». Durch die Politik der kleinen Schritte wären die Behörden über Jahre mit der Ausarbeitung neuer Verträge beschäftigt.

Ein anderer Votant stiess ins gleiche Horn. «Ich bin für eine Fusion», sagte er. «Aber wir brauchen mehr Leute. Mit 3000 Einwohnern sind wir einfach nicht gross genug.» Und ein weiterer Teilnehmer erklärte: «Bei einer Partnerschaft hat oft die bevölkerungsreichere Gemeinde das sagen. Da nützen uns auch 3000 Bewohner nichts.»

Interessanterweise wollte das Initiativkomitee sogar tatsächlich ursprünglich eine grössere Fusion vorschlagen. «Das war ursprünglich so angedacht», erklärte Ernst Kraft. Doch sämtliche Experten für Fusionen hätten davon abgeraten. «Wir wurden informiert, dass es sehr schwierig wäre, einen Zusammenschluss zu vollziehen, wenn so viele verschiedene Parteien und Gemeinschaften zusammengeführt werden.» Es werde dann so komplex, dass die Stimmberechtigten den Überblick verlören. «Man hat uns deshalb gesagt, wir sollen das Boot nicht überladen. Ansonsten sei es sehr unwahrscheinlich, eine Mehrheit zu finden.»

Wohin geht die Reise?

Eine Prognose für den Abstimmung zu treffen ist aufgrund der Diskussionen am Mittwochabend schwierig. Zwar ging aus vielen Wortmeldungen hervor, dass die Idee der Initianten skeptisch beurteilt wird. Es zeigte sich aber auch, dass die Idee einer Fusion grundsätzlich von vielen befürwortet wird. Für die Abstimmung wird deshalb entscheidend sein, ob die Rafzerfelder lieber zuerst eine kleinere Fusion anpeilen oder ob sie sich direkt mit einer grösseren Gemeinde zusammenschliessen möchten.

Erstellt: 23.01.2020, 16:44 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!