Dielsdorf

Angeklagtem steckt noch immer eine Kugel im Kopf

Am Mittwoch hat am Bezirksgericht Dielsdorf der Prozess gegen einen 36-jährigen Kosovaren begonnen. Er muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Zudem hat er im grossen Stil geleaste Autos verkauft und illegal Kredite vergeben.

Der Angeklagte wurde per Gefangenentransport zum Bezirksgericht Dielsdorf gefahren.

Der Angeklagte wurde per Gefangenentransport zum Bezirksgericht Dielsdorf gefahren. Bild: Johanna Bossart

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Es ist nicht alltäglich, dass mehrere, schwer bewaffnete, Polizisten den Eingang des Bezirksgerichts Dielsdorf bewachen. Die Stimmung wirkt angespannt. Grund ist der Prozess gegen einen Kosovaren aus Regensdorf. Der Angeklagte lebt zurzeit, nicht weit weg von seinem Zuhause, in der Strafanstalt Pöschwies. Von dort wurde er per Gefangenentransport nach Dielsdorf verfrachtet.

Anzug und Fussfesseln

Die Angehörigen des Angeklagten werden vor der Verhandlung durchsucht. Ein weiteres Indiz, dass es die Polizei ernst meint mit den Sicherheitsvorkehrungen.

Als der 36-jährige Kosovare den Gerichtssaal betritt und seine Familie sieht, kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Er scheint den Moment zu geniessen. Sein schicker, dunkelblauer Anzug lässt ihn nicht wie einen Verbrecher wirken. Dass der grossgewachsene, muskulöse Mann aber kein Unschuldiger ist, erkennt man an den Fussfesseln, die er den ganzen Prozess über tragen muss.

Gegen 11 Gesetze verstossen

Laut Staatsanwalt Thomas Keller hat der Angeklagte elf Gesetze gebrochen hat. Die gravierendsten Vorwürfe: versuchter Mord und Gefährdung des Lebens.

Was ist geschehen? Der Kosovare hat einem Bekannten ein Darlehen ausbezahlt und verlangte im Gegenzug horrende Zinszahlungen. Der Schuldner war nicht in der Lage, um dem Kosovaren die Zinsen und das Darlehen zurückzuzahlen.

Beim Treffen im Keller eines Restaurants im Bezirk Dielsdorf lief alles aus dem Ruder. Dort versuchte der Schuldner zu erklären, dass er nicht in der Lage sei, so viel Geld aufzutreiben. In der Folge bedrohte ihn der Kosovare mit einer Pistole. In der Anklage heisst es, dass er auf den Kopf seines Opfers zielte und danach abbdrückte.

Aus unerklärlichen Gründen soll sich aber kein Schuss gelöst haben. Unmittelbar danach lud der Beschuldigte die Waffe erneut, zielte aber absichtlich am Kopf vorbei und schoss eine Kugel in die Wand.

Bei der Verhandlung sagt der Kosovare: «Ja, ich habe in die Wand geschossen. Aber ich habe niemals auf den Kopf meines Gegenübers gezielt.» Er steht auf und beschreibt gestikulierend wie es sich abgespielt hat.

Kugel steckt noch im kopf

Vorne im Saal sitzen die drei Richter der 2. Abteilung (Andreas Bleuler, Marc Gmünder und Christian Fischbacher). Sie beginnen den Prozess mit der Befragung des Angeklagten. Es geht um dessen Vergangenheit im Kosovo. Bis im Jahr 2010 lebte der 36-Jährige nämlich dort. «Ich war dort in einer Spezialeinheit im Militär und begann ein Studium, dass ich aber nie ganz abgeschlossen habe.» Zudem erzählt der Beschuldigte, dass noch immer eine Kugel von einer Schiesserei in seinem Kopf steckt.

Der Prozess wird heute mit den Plädoyers des Staatsanwalts und der Verteidigung fortgesetzt. Das Urteil verkünden die Richter am Mittwoch.

Erstellt: 15.06.2017, 17:34 Uhr

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