Bülach

Auf dem rauchfreien Bahnhof wird munter gequalmt

Seit einem Monat ist der Bülacher Bahnhof rauchfrei. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Viele wissen es nicht, anderen fehlt eine klare Signalisation der Raucherzonen.

Zwei Meter rund um die Stelen darf geraucht werden.

Zwei Meter rund um die Stelen darf geraucht werden. Bild: Johanna Bossart

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Der Mann nimmt einen letzten Zug von der Zigarette, wirft sie danach zwischen die Gleise und steigt in die S9 Richtung Uster. Es ist Donnerstagmittag – und der Bahnhof Bülach eigentlich seit einem Monat rauchfrei (siehe Kasten). Ganz verboten ist das Qualmen zwar nicht, es wurde aber stark eingeschränkt. Erlaubt ist es nur noch in speziell gekennzeichneten Raucherzonen. In Bülach findet man sie an jedem Ende der Perrons und beim Abgang zur Unterführung. Die Raucherbereiche sind durch mit Aschenbechern ausgerüstete Stelen signalisiert. Im Umkreis von zwei Metern darf dort geraucht werden.

«Rauchverbot? Interessiert mich nicht»

Doch kaum jemand scheint sich daran zu halten. «Rauchverbot? Interessiert mich nicht», sagt ein Mann, der auf einem Bänkli beim Gleis 1 sitzt und eben eine Zigarette angezündet hat. «Solange die noch hier stehen, würde ich auch keine Busse akzeptieren», sagt er und zeigt auf einen der vielen runden Abfallkübel mit einem Aschenbecher im Deckel. Er weiss um das Rauchverbot, findet dieses aber «völlig überflüssig». Ein anderer Mann, der unmittelbar beim Abgang zur Unterführung an seiner Zigarette zieht, sieht keinen Sinn in der neuen Regelung: «Egal, wo man raucht, der Wind bläst den Rauch sowieso in alle Richtungen.»

«Als bewusste
Raucherin wünsche ich mir eine klare Signalisation.»
Pendlerin am Bahnhof Bülach?

Keine Ahnung, dass sie in diesem Bereich des Perrons nicht mehr rauchen dürfte, hat dagegen eine jüngere Frau. «Das müsste man viel besser beschildern», findet sie. Zwar weisen einige Plakate darauf hin, dass nur noch im Raucherbereich gequalmt werden darf. Doch wo dieser Bereich genau beginnt und wo er endet, ist offensichtlich für viele nicht ganz einfach zu erkennen. Auch der Weg zu den an den Enden der Perrons gelegenen Raucherstelen ist nicht ausgeschildert.

550 Kilo Stummel pro Tag im Gleisfeld

Eine der wenigen Raucherinnen, die an diesem Tag vorschriftsgemäss bei der Raucherstele steht, meint ebenfalls: «Als bewusste Raucherin wünsche ich mir eine klare Signalisation.» So komme man wirklich nicht draus. Sie selber werfe nie einen Zigarettenstummel auf die Gleise.

«Ich habe Freunde, die bei den SBB arbeiten. Sie haben mir erzählt, wie mühsam und teuer es ist, die Stummel einzusammeln.» Tatsächlich landen aktuell landesweit täglich rund 550 Kilo Zigarettenstummel im Gleisfeld, das sind 200 Tonnen pro Jahr. In mühsamer Handarbeit muss das Personal diese aus dem Schotter klauben. Das kostet die SBB rund 3 Millionen Franken pro Jahr. Für die Umrüstung aller Bahnhöfe rechnen die SBB mit 7 Millionen Franken.

Das Vermeiden von Littering ist denn auch das Hauptthema für zwei der befragten Nichtraucherinnen. Sie stören sich weniger am Rauch als an den weggeworfenen Zigarettenstummeln. Eigentlich müsste das gebüsst werden, sagen beide. Der Taxifahrer, der am Bahnhof auf Kundschaft wartet, hat keine Ahnung vom Rauchverbot. Auch er wäre für ein Littering- statt für ein Rauchverbot. «Hier im Freien ist das doch völlig überflüssig», findet er.

«Im Wiederholungsfall wegweisen»

Reisende, die ausserhalb der Raucherzonen rauchen, würden höflich angesprochen und auf die signalisierten Raucherbereiche hingewiesen, heisst es bei den SBB. «Personen, die sich wiederholt nicht daran halten, können weggewiesen werden», sagt Mediensprecher Martin Meier. Am Bahnhof Bülach ist an diesem Tag keine Kontrolle zu sehen. Sie seien noch nie auf das Verbot angesprochen worden, weder von Mitreisenden noch von Mitarbeitenden der SBB, sagen denn auch alle befragten Raucher.

Über Reaktionen der Reisenden auf das neue Rauchverbot und die «Raucherinseln» will man bei den SBB noch keine Aussagen machen. «Für eine aussagekräftige Zwischenbilanz ist es noch zu früh.» Die Akzeptanz der Einführung von rauchfreien Bahnhöfen mit Raucherzonen sei aber hoch, da sie einem Bedürfnis der Kundschaft entspreche.

Erstellt: 22.08.2019, 17:42 Uhr

Zeitplan der Umstellung

Die SBB rüsten ihre 750 Bahnhöfe innert sechs Monaten schrittweise um. In den Bezirken Bülach und Dielsdorf ist folgender Zeitplan vorgesehen (Änderungen vorbehalten).


  • Bereits rauchfrei: Glattfelden, Bülach, Embrach-Rorbas, Eglisau, Hüntwangen-Wil und Rafz



  • Mittwoch, 28. August: Wallisellen



  • Donnerstag, 12. September: Bassersdorf, Kloten und Kloten Balsberg



  • Freitag, 13. September: Dielsdorf, Niederglatt, Niederhasli, Steinmaur



  • Dienstag, 17. September: Dietlikon, Niederweningen, Niederweningen Dorf, Schöfflisdorf-Oberweningen



  • Donnerstag, 19. September: Buchs-Dällikon, Regensdorf-Watt



  • Freitag, 20. September: Otelfingen, Otelfingen Golfpark



  • Donnerstag, 26. September: Zweidlen

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