Kloten

Auf der Panzerpiste messen sich die Stahlesel-Fahrer

Ein eher ungewöhnliches Rennen findet am Samstag, 23.September auf der Panzerpiste statt. Männer in Tarnanzügen werden auf dem Ordonanzrad 05 in die Pedale treten. Und das richtig: Vor Jahresfrist schafften sie einen Schnitt von 35 km/h.

Der Bülacher Werner Albrecht ist auch mit 68 Jahren noch im Schuss. Er fährt nicht nur Militärradrennen, sondern betätigt sich darüber hinaus auch als Organisator des Kräftemessens auf der Panzerpiste.

Der Bülacher Werner Albrecht ist auch mit 68 Jahren noch im Schuss. Er fährt nicht nur Militärradrennen, sondern betätigt sich darüber hinaus auch als Organisator des Kräftemessens auf der Panzerpiste. Bild: zvg

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So flach wie sie scheint, ist die Panzerpiste zwischen Kloten und Bülach gar nicht. Das werden am Samstag in einer Woche auch die Militärradrennfahrer spüren, die dort vier Runden à 13,5 Kilometern abspulen: Die Strecke ist gespickt mit 355 Höhenmetern. «Es wird schmerzen über die kleinen Hügel», weiss Werner Albrecht schon jetzt.

Der Bülacher ist ein enthusiastischer Miltärradfahrer und betätigt sich als Mitorganisator des Rennens mit Start bei der Klotener Militärhalle.Schmerzen wird die Strecke, weil das Militärrad technisch gesehen nicht zu vergleichen ist mit den Hightech-Velos, die an gewöhnlichen Strassenrennen zum Einsatz kommen. «Darum heisst es auch Militärrad und nicht Militärvelo», sagt Albrecht.

«Ein Rennrad darf heute gemäss UCI-Regeln nicht weniger als 6,8 Kilogramm wiegen.» Ein Militärrad wiegt in etwa das Vierfache: 27 Kilo, Rahmentasche inklusive. «Es ist ein Stahlesel. Aber wer einmal darauf fährt, ist begeistert», glaubt Albrecht. Erschwerend kommt hinzu, dass das zum Wettkampf zugelassene Ordonanzrad 05 ein Eingänger ist. Um es bergauf in Schwung zu halten, «muss man voll durchdrücken», wie Albrecht sagt.

Trotzdem: Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug beim ersten Rennen auf der Panzerpiste vor Jahresfrist 35,5 km/h. «In der Ebene müssen wir 45 fahren, damit wir das schaffen.» Albrecht mag mithalten – obwohl er bereits 68-jährig ist.

Keine Trendsportart

Dass mit dem Rennen auf der Panzerpiste ein neuer Anlass in den Jahreskalender der Militärradrennfahrer aufgenommen wurde, ist aussergewöhnlich. Denn im Trend liegt die Sportart nicht unbedingt, weiss Albrecht. «Junge haben heute viele Möglichkeiten links und rechts.» Dennoch gebe es immer wieder Nachwuchsfahrer, die an den Rennen teilnehmen.

Nur: «Die Bodenhaftung in der Jahresmeisterschaft ist nicht so da», wie Albrecht es sagt. Die Jungen kommen ein, zwei Mal zu Rennen, dann nicht mehr. Und seit 2004 die Radfahrerkompanie der Schweizer Armee abgeschafft wurde, fehlen auch die Rekruten.

Die Rennen seien nur dank dem Einsatz von Walter Riedwyl überhaupt weitergegangen, sagt Albrecht. Mit ihm zusammen hat er das Kräftemessen auf der Panzerpuste lanciert, weil der Rennkalender ansonsten immer dünner wird. Und weil die Panzerpiste wie auch die Militärhalle in Kloten der Armee gehören. Die Infrastruktur ist also vorhanden.

Aufwändiger Anfang

Dennoch glich der Weg zur ersten Austagung vor Jahresfrist einem bürokratischen Marathon. Albrecht setzte sich mit Pius Segmüller in Verbindung, dem Chef für ausserdienstliche Tätigkeiten beim VBS. Dieser verwies ihn an den Waffenplatz Kloten-Bülach, wo es hiess, man sei in Frauenfeld zuständig.

Frauenfeld delegierte die Verantwortung nach Hinwil, und von dort ging es wieder zurück nach Kloten-Bülach. «Es dauerte fast ein Jahr, bis ich alle Bewilligungen zusammenhatte», blickt Albrecht zurück. Beim zweiten Mal ging nun alles ein wenig schneller, da die Zuständigkeiten von Anfang an klar waren.

Das Militär stellt für das Rennen Material zur Ausschilderung der Zufahrt, zur Sicherung der Strecke – und vom Bund gibt’s einen finanziellen Beitrag.

Immerhin konnte Albrecht nach der ersten Durchführung eine postive Bilanz ziehen. Das Feedback aufs Rennen war so positiv, dass die Organisatoren den Anlass weiterführen. «Im vergangenen Jahr kamen 25 Teilnehmer, jetzt hoffen wir auf über 30.» Im Einsatz stehen werden zudem acht Streckenposten, die die Rennfahrer in die richtige Richtung weisen und die anderen Benutzer der Panzerpiste auf das Rennen aufmerksam machen.

Auch Sanitäter sind vor Ort, und ein Begleitfahrzeug sichert die Strecke, denn die Panzerpiste bleibt während des Rennens, das um 9 Uhr startet, für alle offen. Das ganze Konzept mussten die Veranstalter von der Militärpolizei absegnen lassen.

Rennmässige Kameradschaft

Und der Reiz an der Sache? Wer Werner Albrecht diese Frage stellt, bekommt als Antwort eine Liebeserklärung ans Militärrad: «Es ist ein Fahrzeug, das man das ganze Jahr hindurch fahren kann. Wenn draussen Schnee liegt, steige ich aufs Militärrad.» Bei einem Sturz verletzte man sich weniger, weil es über keine Klickpedalen verfügt. «Und die Kameradschaft wird in dieser Sportart gross geschrieben.

Die würde ich missen, wenn ich nicht mehr fahren könnte.» Man könne mit Militärradrennen kein Geld verdienen. «Aber die innere Ruhe finden.» So motiviere er auch Leute zum gemeinsamen Training, wobei der Wettkampf der Reiz am Ganzen sei. «Es ist schön, wenn man alleine unterwegs ist. Aber noch schöner ist es, wenn man die Freude teilen und später davon erzählen kann.»

Neben Albrecht starten am Samstag mit Reto Hauser (Neerach), Giacomo Wyss (Glattfelden) und Dario Abbondanieri (Niederglatt) drei weitere Unterländer. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 13.09.2017, 15:13 Uhr

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Interessenten melden sich unter Werni.alberecht@bluewin.ch. Weitere Informationen gibt es auf www.svmlt.ch.

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