Bülach

Auf einem Einachser-Traktor Richtung Nordkap

Mit einem Einachser-Traktor fuhr Andreas Zimmermann zum Nordkap hin und wieder zurück. Am 31. Januar berichtet er unter in Bülach von seiner Reise.

Mit einem Rapid Einachser-Traktor aus dem Jahre 1981 machte sich  Andreas Zimmermann auf zum Nordkap.

Mit einem Rapid Einachser-Traktor aus dem Jahre 1981 machte sich Andreas Zimmermann auf zum Nordkap. Bild: PD

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«Langsamkeit führt auch ans Ziel», steht auf dem Wohnanhänger von Andreas Zimmermann. Am 10. Juni 2018 begann der damals 55-Jährige, mit seinem Einachser-Traktor vom Flumenthal in Solothurn in Richtung Nordkap zu tuckern. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 17 km/h bestritt er die über 9000 km lange Reise innert vier Monaten.

Wer Zimmermann kennt, weiss, dass dies nichts Aussergewöhnliches ist. Mit seinem Bruder ruderte er schon mit einem Kanu durch Alaska und Kanada. Im Sommer 2018 habe ihn wieder die Abenteuerlust gepackt, wie Zimmermann erzählt. «Ich wollte mal wieder eine Reise mit einem speziellen Fahrzeug unternehmen.» So kaufte er sich kurzerhand einen Einachser-Traktor, baute dazu einen Wohnanhänger und fuhr los. Von Deutschland über Tschechien bis nach Polen, weiter nach Estland fuhr Zimmermann mit seinem «Cabriolet», wie er sein Gerät liebevoll nennt, in den kalten Norden hinauf. In Tallinn, der Hauptstadt von Estland ging es mit der Fähre weiter nach Helsinki. Genau geplant habe er die Strecke nicht, sagt Zimmermann, der als Fotograf für Reiseveranstaltungen oft unterwegs ist. Die allgemeine Richtung habe er ja gewusst.

Entschleunigung pur

Befürchtungen, dass sich die Leute über ihn und sein langsamen «Cabriolet» ärgern würden, bewahrheiteten sich nicht. Wo Zimmermann auch auftauchte, fiel er auf und die Leute freuten sich über den Solothurner. Reisende fuhren extra langsam, damit sie sein Gefährt inspizieren konnten. «Das ist ja Entschleunigung pur», wurde ihm oft gesagt, oder «Du hast das perfekte Meditationsfahrzeug». Das sei auch das, was ihm am meisten geblieben ist: Begegnungen mit den Leuten. «Viele fragten mich, ob ich etwas brauche oder luden mich sogar zu ihnen nach Hause zum Essen ein.» Auch warme Duschen wurden ihm angeboten. «Das war einfach das Schönste!», schwärmt er.

Selber war Zimmermann nicht schlecht ausgestattet. Da er mit einem Fünflitertank nicht weit gekommen wäre, baute er eine mobile Tankstelle mit 60 Liter bei seinem Traktor ein. «Mein Häuschen habe ich zudem mit einer Kühlbox samt Solaranlage und mit einem chemischen WC eingerichtet», sagt Zimmermann. Wie gut sein «Hüsli» ausgestattet war, beim Fahren musste er trotzdem draussen sitzen. So machte das raue Wetter auch dem gebürtigen Abenteurer zu schaffen. «Nach tagelangem Regen und bei null Grad musste ich mich dann schon mehrere Stunden in meinem Häuschen mit einem Kaffee aufwärmen», erzählt er.

Licht am Ende der Röhre

Noch intensiver sei aber der sieben Kilometer lange Nordkap-Tunnel gewesen, der 212 Meter unter dem Meer liegt. Aufgrund des neun prozentigem Gefälle, tuckerte er im dritten Gang fast eine Stunde lang durch den Tunnel und musste dabei auf den dichten Verkehr aufpassen. «Als ich das Licht am Ende der Röhre sah, wurde ich wirklich emotional», erinnert sich der 56-Jährige. Das Nordkapp selber sei für ihn nichts Spezielles gewesen, sagt Zimmermann. Er sei ja schon vorher mal dort gewesen. Für den Solothurner war viel eher der Weg das Ziel und nicht etwa die eigentliche Destination.

Zurück in der Schweiz, möchte er nun seine Erlebnisse mit den Leuten teilen. Zusammen mit seinem Bruder, der dieses Jahr seinerseits mit einem Einkaufswagen nach Moskau pilgerte, tourt er momentan durch die Schweiz und hält Vorträge. Auch in Bülach wird er am 31. Januar im Ref. Kirchgemeindehaus auftreten und mit Fotos und Filmvorführungen von seiner Reise mit dem «Cabriolet» erzählen.

Erstellt: 23.01.2020, 11:28 Uhr

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