Finanzausgleich

Aus dem Ausgleichstopf gibts 545 Franken für jeden Unterländer

Für 2020 fliessen netto 131,6 Millionen Franken an Finanzausgleich ins Unterland. Pro Kopf sind das 25 Franken weniger als noch für das Jahr 2019. Und das, obschon die Steuerkraft der Region leicht gesunken ist.

193,8 Millionen Franken erhalten die 36 Unterländer Bezügergemeinden zusammen.

193,8 Millionen Franken erhalten die 36 Unterländer Bezügergemeinden zusammen. Bild: Johanna Bossart

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Im Jahr 2018 waren die Unterländer Gemeinden mit ihren Einwohnern und Firmen steuertechnisch nicht mehr ganz so finanzpotent wie noch ein Jahr zuvor: Über beide Bezirke und alle 44 Gemeinden gerechnet ist die relative Steuerkraft pro Kopf leicht gesunken, um ein halbes Prozent von 3382 auf noch 3365 Franken.

Nun ist die Steuerkraft als Kennzahl massgeblich dafür verantwortlich, wie viel Finanzausgleich ein Dorf (zwei Jahre später) ausbezahlt erhält. Grundsätzlich gilt: Je weniger Steuerkraft eine Gemeinde hat, also je «ärmer» sie ist, desto mehr Ressourcenausgleich gibts aus dem Topf, den der Kanton und die «reichen» Kommunen alimentieren.

Entsprechend würde man annehmen, dass der Region für 2020 insgesamt ein umso grösserer Batzen zustehen würde. Doch dem ist nicht so. Der Grund dafür liegt in der Berechnungsformel: Die Höhe der Ausgleichszahlungen errechnet sich nicht aus der Steuerkraft der Gemeinde an sich, sondern aus der Differenz der letzteren zum kantonalen Mittelwert (ohne die Stadt Zürich). Diese kantonale Durchschnitts-Steuerkraft war von 2017 auf 2018 ebenfalls gesunken, und zwar um fast 1,3 Prozent, von 3769 auf noch 3721 Franken pro Kopf.

Einmal der Aufwand Bülachs

Damit erhalten die 36 Unterländer Bezügergemeinden zusammen 193,8 Millionen Franken. Das entspricht zwar gegenüber 2019 sogar einem sehr kleinen Plus von knapp 300000 Franken (oder 0,15%). Gleichzeitig aber zahlen die sechs finanzkräftigsten Gemeinden (Gebergemeinden) der Region zusammen 62,2 Millionen Franken in den Ausgleichstopf ein; um 4,4 Millionen (oder um 7,5%) mehr als im Vorjahr. Unter dem Strich sinkt damit der Netto-Ausgleichsbetrag für das Unterland als ganzes um 25 Franken (oder 3%) auf noch 545 Franken pro Kopf - oder, in absoluten Zahlen, auf 131,6 Millionen Franken. Zum Vergleich: Das entspricht relativ genau dem Gesamtaufwand der Stadt Bülach im Jahr 2018 (131,3 Mio.).

Freilich sieht die Abrechnung nicht in jeder Gemeinde gleich aus. Wasterkingen, Bachs, Rorbas und Oberglatt beziehen pro Kopf mehr als 2000 Franken Finanzausgleich, die bevölkerungsmässig grössten Bezügergemeinden Bülach, Regensdorf und Bassersdorf liegen alle zwischen 1000 und 1200 Franken pro Kopf. Nürensdorf und Dietlikon sind heuer Nullergemeinden, wo 2020 weder Ausgleich ins Kässeli rein- noch aus dem Kässeli rausfliessen wird.

Der Ü6000-Club

Auf der Seite der Geber gehören Kloten und Neerach zum Kreis der 12 Zürcher Gemeinden, die eine relative Steuerkraft von mehr als 6000 Franken pro Kopf ausweisen; entsprechend wird bei ihnen abgeschöpft. Kloten allein wird im kommenden Jahr 32,7 Millionen Franken einzahlen müssen. Für die Neeracher lautet die Rechnung auf 4,8 Millionen; die Summe könnten sie theoretisch ihren Nachbarn in Steinmaur überweisen, denen 4,3 Millionen an Ausgleich zustehen. Ebenso subventionieren die Walliseller in etwa die Regensdorfer (20,8 Mio.).

Neerach und Kloten gehören zu den zwölf Gemeinden mit einer Steuerkraft von über 6000 Franken pro Einwohner.

Innerhalb dieses Ü6000-Clubs der Geber spielt das Unterland allerdings die zweite Geige, namentlich hinter der Goldküste: So haben 7 der besagten 12 steuerkräftigsten Kommunen sogar mehr als 10000 Franken relative Steuerkraft pro Kopf, während Küsnacht und Rüschlikon mit 14374, beziehungsweise 15208 Franken pro Kopf in einer ganz eigenen Liga spielen.

Viel Jugend und viel Gefälle

Wer von Finanzausgleich spricht, meint dabei primär den Ressourcenausgleich (oder die Ressourcenabschöpfung). Die Beträge also, die aufgrund der Steuerkraft entrichtet werden. Einzelne Gemeinden beziehen darüber hinaus aber noch Ausgleichsbatzen für Sonderlasten: Wer eine niedrige Bevölkerungsdichte (weniger als 150 Einwohner pro Quadratkilometer) oder steile Hänge (15 Prozent des Gemeindegebiets mit über 35 Prozent Steigung) ausweist, erhält den geografisch-topografischen Sonderlastenausgleich. Im Jahr 2020 sind das im Unterland die Gemeinden Eglisau (100000 Fr.), Freienstein-Teufen (410000 Fr.), Oberembrach (270000 Fr.), Wasterkingen (120000 Fr.), Bachs (230000 Fr.) und Schleinikon (180000 Fr.).

Auch Kinder gelten, zumindest aus ausgleichstechnischer Sicht, als Sonderlast: Im kantonalen Schnitt sind von 100 Einwohnern 22 jünger als 20 Jahre. Hat eine Gemeinde eine Jugendquote von mehr als dem 1,1-fachen davon, wird pro zusätzlichem U20-Einwohner eine Pauschale von 12000 Franken gezahlt. Auch bei diesem demografischen Sonderlastenausgleich ist die Region im kommenden Jahr vertreten: Mit Hochfelden (70000 Fr.), Lufingen (60000 Fr.), Rorbas (230000 Fr.), Hüttikon (290000 Fr.), Niederweningen (120000 Fr,) und Otelfingen (110000 Fr.).

Wer hat, dem wird gegeben

Ein besonderes Zahlenbeispiel liefert, wie schon in anderen Jahren, die Gemeinde Boppelsen: Als einzige Unterländer Kommune bezieht das Dorf sowohl einen geografisch-topografischen (120000 Fr.), als auch einen demografischen Sonderlastenausgleich (50000 Fr.). Gleichzeitig gehört es mit einer Steuerkraft (2018) von 4226 Franken pro Einwohner klar zu den Gebergemeinden und muss für das Jahr 2020 entsprechend knapp 130000 Franken in den Ausgleichstopf einzahlen. Weil nun aber die beiden Sonderlastenausgleiche zusammen den höheren Betrag ausmachen, beziehen die Bopplisser trotz ihrer hohen Steuerkraft netto rund 40000 Franken an Ausgleich.

Die Finanzausgleichszahlen für 2020 sind provisorisch. Die vollständigen Datensätze sind auf der Seite www.finanzausgleich.zh.ch jederzeit öffentlich einsehbar.

Erstellt: 07.07.2019, 15:35 Uhr

So wird gerechnet

Die relative Steuerkraft pro Kopf von 2018 ist die Berechnungsgrundlage dafür, wie viel Ressourcenausgleich eine Gemeinde 2020 ausbezahlt erhalten wird. Sie wird ins Verhältnis zum kantonalen Mittelwert (ohne Stadt Zürich) gesetzt. Liegt der Wert der Gemeinde unter diesem Schnitt (Bezügergemeinde), wird wie folgt gerechnet: Es wird so viel Ausgleich bezahlt, dass die Gemeinde über den Betrag verfügt, der an Steuern eingenommen worden wäre, wenn ihre Steuerkraft 95% des Kantonsmittels betragen hätte. Analog dazu wird berechnet, was Gemeinden mit einer Steuerkraft von mehr als 110% (Gebergemeinden) in den Ausgleichstopf einzuzahlen haben.

Zum Finanzausgleich gehören die Sonderlastenausgleiche: Gemeinden, die einen hohen Anteil an unter 20-jährigen Einwohnern haben, erhalten einen demografischen Sonderlastenausgleich ausbezahlt. Ferner bekommen Gemeinden mit einer geringen Einwohnerdichte und/oder einem hohen Anteil an steilen Hängen einen geografisch-topografischen Sonderlastenausgleich.

Lesebeispiel für die Tabelle (links): Dällikon hat für 2018 eine relative Steuerkraft von 2771 Franken pro Kopf ausgewiesen. Das kantonale Mittel lag bei 3721 Franken. Davon 95% sind 3534.95 Franken. Die Differenz beider Werte (763.95 Franken) wird nun mit der Einwohnerzahl (Dällikon: 4134) multipliziert, was den einfachen, absoluten Zuschuss ergibt (3158169.30 Franken).

Um auszurechnen, was tatsächlich überwiesen wird, muss dieser mit dem Gesamtsteuerfuss von 2018 (Dällikon: 109%) multipliziert werden. Dällikon bezieht 2020 demnach 3442405 Franken an Ressourcenausgleich, gerundet sind das 3,4 Millionen. Sonderlastenausgleiche stehen dem Dorf keine zu. Im Vergleich zum Vorjahr fällt der Ausgleich um rund einen Fünftel niedriger aus. 2017 hatte die Steuerkraft von Dällikon 2621 Franken pro Kopf betragen, was für 2019 total 4,3 Millionen an Ausgleich ergab. (red)

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