Bodenverbesserung

Aushub von Baustellen kommt auf den Acker

Der Kanton will mehr Boden für die landwirtschaftliche Produktion fit machen. Mit Aushubmaterial will er Flächen in Regensdorf, Dällikon und Niederhasli aufwerten. Trotz angekündigtem Mehrverkehr geben die Pläne kaum zu reden.

Der Kanton will den Boden der einstigen Kiesgruben bei Dällikon mit Aushubmaterial aufwerten.

Der Kanton will den Boden der einstigen Kiesgruben bei Dällikon mit Aushubmaterial aufwerten. Bild: Sibylle Meier

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Der Kanton will Ackerland fördern. Das ist eine Vorgabe des Bundes. Denn Zürich verfügt mit 44500 Hektaren hochwertigem Ackerland nur 100 Hektaren mehr als das vom Bund festgesetzte Minimum.

Das kantonale Amt für Landschaft und Natur hat darum im ganzen Kantonsgebiet nach Flächen gesucht, die sich für landwirtschaftliche Bodenverbesserungen eigenen würden. Dahinter steht die Idee: Auf minderwertigen Böden – ehemaligen Kiesgruben zum Beispiel – will man Erde austragen. Und zwar soviel, wie für eine sogenannte Furchtfolgefläche nötig ist und man Weizen, Gerste oder Raps anbauen kann.

Erdmaterial aus Aushub

Als Erdmaterial soll Aushub von Baustellen dienen – saubere Erde also, die auf den vielen Baustellen im Kanton in Hülle und Fülle aus dem Boden gebaggert wird. 16 geeignete Flächen hat das Amt für Landschaft und Natur im Kanton gefunden. Im Unterland je eine in Dällikon, Regensdorf und Niederhasli.

Als Voraussetzung für eine Bodenverbesserung braucht es entsprechende Einträge in den Regionalen Richtplänen Furttal und Zürcher Unterland. Die Planungsgruppe Zürcher Unterland PZU hat bei der letzten Teilrevision des regionalen Richtplans im Mai den Standort in Niederhasli aufgenommen.

«Im Moment ist nichts Konkretes geplant. Es geht vorerst nur um den Richtplaneintrag.»Max Walter, Präsident Zürcher Planungsgruppe Furttal

Die Zürcher Planungsgruppe Furttal ZPF stimmt am 8. Oktober über die Teilrevision ab. Noch wird aber keines der Aufwertungsprojekte in Angriff genommen. «Im Moment ist nichts Konkretes geplant. Es geht vorerst nur um den Richtplaneintrag», sagt ZPF-Präsident Max Walter.

Laut den Erläuterungen zu den Regionalen Richtplänen sind die Grundeigentümer und die Gemeinden mit den drei Projekten einverstanden. Die 9,5 Hektaren in Niederhasli befinden sich östlich des Ortsteils Nassenwil. Die beiden Flächen im Furttal sind ehemalige Kiesgruben. Die rund 10-Hektaren-Parzelle Steingasse gehört der Gemeinde Regensdorf. Die Parzelle Chilenwisen ist ähnlich gross. Sie liegt auf Regensdorfer und Dälliker Boden und hat mehrere Grundeigentümer.

Bis 50 Lastwagen pro Tag

Die Aufschüttungen führen zu Mehrverkehr in den betroffenen Gemeinden. Laut den Erläuterungen zu den Richtplänen sind bei allen drei Standorten je 100000 bis 250000 Kubikmeter Boden- und Aushubmaterial möglich, das entspricht der Ladung von 20000 bis 50000 Lastwagen pro Standort. Im Bericht zur Teilrevision des Regionalen Richtplans Furttal heisst es: «Dies würde bei einer fünfjährigen Bauzeit grob gerechnet einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von 20 – 50 Lastwagenfahrten pro Tag an circa 200 Tagen im Jahr entsprechen.»

Parallelen zu Otelfingen

Auf Würenloser Boden an der Grenze zu Otelfingen plant der Kanton Aargau eine Deponie für Aushub. Dort will man mit Aushubmaterial eine Senke im Boden auffüllen und zu einem Hügel aufschichten. Auf Zürcher Boden kommt nur soviel Material zum Einsatz, bis die gewünschte Bodenverbesserung erreicht ist. Max Walter rechnet von rund eineinhalb Meter Aufschüttung.

Kein Widerstand befürchtet

In Otelfingen kritisiert man die Staubemissionen und die Lastwagenfahrten, die eine Deponie zweifelsohne zur Folge hätten. Der Gemeinderat hat darum Widerstand gegen das Aargauer Projekt angekündet. Befürchtet man in Dällikon und Regensdorf denn nicht Ähnliches? Max Walter verneint: «Nein, das Aargauer Projekt bei Otelfingen ist etwas ganz anderes.» Die Aushubdeponie sei zu nahe am bewohnten Gebiet geplant. «Dazu kommt: In Otelfingen gehts um eine Deponie, in Regensdorf und Dällikon um eine Bodenverbesserung. Das heisst: bei einer Deponie wird eine viel grössere Menge Material angeliefert.»

Mit Widerstand aus der Dälliker oder Regensdorfer Bevölkerung wie in Otelfingen rechnet Max Walter darum nicht. «Die Belastung für die Bevölkerung ist viel kleiner.»

Erstellt: 07.10.2019, 17:32 Uhr

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