Bülach

Aussendienstler wegen Betrugs angeklagt

Über 620'000 Franken hat ein ehemaliger Angestellter eines deutschen Verlags erschlichen und dabei das blinde Vertrauen zweier Opfer ausgenutzt. Die Staatsanwaltschaft fordert viereinhalb Jahre Gefängnis.

Der wegen Betrugs Angeklagte verkaufte Faksimile-Drucke, das sind originalgetreue Wiedergaben von alten Büchern, zu überhöhten Preisen. Daneben spielte er auf Mitleid und betrog seine Opfer um Hunderttausende Franken.

Der wegen Betrugs Angeklagte verkaufte Faksimile-Drucke, das sind originalgetreue Wiedergaben von alten Büchern, zu überhöhten Preisen. Daneben spielte er auf Mitleid und betrog seine Opfer um Hunderttausende Franken. Bild: pixabay

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Ein heute 53-jähriger Deutscher, der in der Türkei wohnt, ist in der Schweiz wegen zweifachen Betrugs angeklagt. Laut der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland hat der Beschuldigte einen Mann und eine Frau aus dem Bezirk Bülach betrogen. Beim Mann handelt es sich um rund 270 000 Franken, bei der Frau sogar um 356 700 Franken. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.

Zwei ähnliche Fälle

Der Beschuldigte lernte beide Opfer in seiner Funktion als Aussendienstmitarbeiter einer Tochterfirma eines bekannten deutschen Verlages kennen. Er verkaufte ihnen Faksimile-Bücher, das sind originalgetreue Wiedergaben von alten Büchern. Anfänglich ging alles mit rechten Dingen zu, es gab einen Kaufvertrag, und die Bezahlung erfolgte per Einzahlungsschein. Doch irgendwann gingen beide Opfer dazu über, die Bücher bar und ohne Quittung zu bezahlen.

Der jüngere Betrugsfall ereignete sich zwischen 2012 und Mitte 2015. Der Angeklagte kaufte zusammen mit dem Mann aus dem Bezirk Bülach einen Faksimile-Druck für mehrere Zehntausend Franken. Ziel war es, den Druck mit Gewinn weiter zu verkaufen und sich Kaufpreis und Gewinn zu teilen. Laut Anklageschrift hat der Aussendienstler den Druck dem Bülacher aber nicht ausgeliefert, sondern selber aufbewahrt. Der Bülacher wollte – um dadurch wieder zu Geld zu kommen – die zuvor gekauften Faksimile-Bücher verkaufen und beauftragte den Angeklagten damit. Dieser konnte angeblich einen Druck für 12000 Franken verkaufen und gab dem Opfer 2000 Franken.

Auf Mitleid gespielt

Danach nahm der Betrugsfall richtig Fahrt auf: Der Angeklagte machte seinem Opfer weis, eine gemeinsame Bekannte zu haben. Er sprach dabei von einer flüchtigen Bekanntschaft, die Frau lebe zurzeit in den USA und habe eine Tochter, die in Kreuzlingen wohne. Damit diese gemeinsame Bekannte «in die Schweiz zurückreisen könne und hier etwas zum Leben habe uns sich psychologisch betreuen lassen könne» verlangte er Geld. Dabei machte sich der Angeklagte die wahrscheinlich altersbedingt reduzierten kognitiven Fähigkeiten des Opfers zunutze. So übergab der Bülacher dem Angeklagten 277000 Franken in bar.

Das Opfer hob 35 Mal Beträge zwischen 3500 und 10000 Franken von seinem Sparkonto ab und übergab sie dem Angeklagten, in der Annahme, dieser würde das Geld der Tochter und diese ihrer Mutter weitergeben.

Liebe vorgegaukelt

Bei einem früheren Betrugsfall zwischen 2009 und 2012 war die Ausgangslage ähnlich: Auch da ging es zunächst um den Verkauf von Faksimile-Bücher. Der Angeklagte hat dabei eine Frau aus dem Bezirk Bülach um 251000 Franken betrogen. Er verkaufte ihr Faksimile-Bücher zu einem Preis, der weit über dem geschätzten Wert liegt. Beispielsweise kassierte er für das Buch «Evangeliar des Johannes» 28500 Franken, der Schätzwert aber lag bei 5000 bis 9500 Franken.

Die Frau kaufte 13 Faksimile-Bücher für insgesamt 327000 Franken, wobei der geschätzte Wert lediglich 103100 Franken beträgt. Für die Frau kam es noch schlimmer: Der Aussendienstler spielte ihr vor, sie zu lieben. Er verlangte von ihr Bargeld als Darlehen für eine Rolex und ein Auto sowie für die Scheidung, was sie ihm jeweils ohne Quittung aushändigte.

In der Anklage heisst es: «Der Beschuldigte spielte der Geschädigten diese angebliche Liebesbeziehung vor, um diese dadurch zu veranlassen, ihm ihr gesamtes Vermögen zu überlassen.» Zusätzlich zu den 251000 Franken für die Bücher knöpfte der Angeklagte der Frau 105700 Franken für Zuwendungen ab.

Erstellt: 06.09.2019, 18:13 Uhr

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