Flughafen

Behörden und Verbände schauenBelair nun genau auf die Finger

Der umstrittene Belair-Sozialplan hat letzte Woche für harsche Kritik gesorgt. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt will bei der Glattbrugger Airline nun genauer hinschauen. Derweil zeichnet sich bei den Managern aber offenbar Einsicht ab.

Die Belair-Angestellten hatten vor kurzem eine Arbeitsgarantie bis März 2018 erhalten.

Die Belair-Angestellten hatten vor kurzem eine Arbeitsgarantie bis März 2018 erhalten. Bild: Keystone

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Die Manager der Belair haben offenbar verstanden, dass der vor zehn Tagen bekannt gewordene Sozialplan angepasst werden muss. Das vermutet zumindest der Pilotenverband Aeropers, der Kenntnis von Gesprächen zwischen der Belair-Spitze und dessen Berufsverband Belpers hat. «Es ist ein positives Zeichen, dass innert der Konsultationsphase nochmals darüber diskutiert wird», sagt Aeropers-Sprecher Tobias Mattle.

Von Belpers selber ist keine Auskunft zur momentanen Lage zu erhalten, die Verantwortlichen verweisen auf Aeropers und wollen nicht namentlich in der Zeitung erwähnt werden. Offenbar sitzt die Verunsicherung und die Angst beim Belair-Personal derzeit zu tief, nachdem das Management das Ende des Flugbetriebs per 31. Oktober und einen Sozialplan mit Arbeitszwang verkündet hat.

Klausel zielt auf Streikverbot

Konkret hatten die Belair-Angestellten noch vor kurzem eine Arbeitsgarantie bis März 2018 erhalten. Diese erzwangen sie, nachdem die Mutterfirma Air Berlin die Belair eigentlich sofort dicht machen wollte. Ein Grossteil der damals noch 270 Piloten und Flugbegleiter meldete sich krank und Belair-Flüge mussten gestrichen werden.

Nun wurde die Arbeitsgarantie bis März 2018 aber wieder aufgehoben, das Versprechen gebrochen. Dafür sollen die Angestellten im November einen Ersatz in Form von sechs Monatslöhnen erhalten. Dies aber nur unter der Bedingung, dass bis dahin monatlich nicht mehr Mitarbeitende krank sind, als im Vorjahr.

Damit zielt das Management wohl auf ein Streikverbot, damit sich nicht wie anfangs Jahr Dutzende Angestellte krank melden. In der Praxis hat dies aber auch zur Folge, dass Piloten und Flugbegleiter nun praktisch gezwungen sind, krank zur Arbeit zu erscheinen, da jeder Krankheitstag zu viel das Scheitern des Sozialplans bedeuten würde.

Bund schaut nun genauer hin

Aeropers spricht dabei ganz deutlich von einer Gefährdung der Flugsicherheit, welche diese Bedingung mit sich bringt. Auch die Aufsichtsbehörde, das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), ist hellhörig geworden. «Aufgrund der besonderen Situation bei Belair hat das Bazl vor allem die operationelle Aufsicht erhöht», sagt Medienchef Urs Holderegger.

«Sollten wir im Rahmen dieser Aufsicht Anzeichen dafür finden, dass Mitglieder des Flugpersonals krank beziehungsweise unfit-to-fly zum Dienst erscheinen würden, würden wir entsprechende Massnahmen zur Gewährung der Flugsicherheit ergreifen.» Bis jetzt habe das Bazl noch keine solche Hinweise erkennen können.

Unzulässige Kollektivstrafe

Für den Pilotenverband Aeropers ist klar, dass das Bazl entscheiden muss, wann die Flugsicherheit gefährdet ist, mit solchen Bedingungen gehe man aber davon aus, dass dies der Fall sei. Man unterstütze die Belpers deshalb auch mit dem eigenen Rechtsdienst, erklärt Mattle. Man gehe davon aus, dass die umstrittene Bedingung kaum vor Gericht Bestand haben würde.

Das denkt auch SP-Nationalrat Thomas Hardegger, der in der Verkehrskommission einsitzt und die Luftfahrt als Schutzverbandspräsident bestens kennt. «Eine Kollektivstrafe für gesundheitsbedingte Absenzen ist sicher nicht zulässig», sagt er. Nun seien die Personalvertretungen und auch die Aufsichtsbehörde gefordert. «Ich werde mir überlegen, ob es allenfalls einen Vorstoss bezüglich Aufsicht und Zulässigkeit braucht.»

Die Hoffnung der Aeropers ist vorerst, dass das Belair-Management von sich aus zur Einsicht kommt und die «unverschämten und unanständigen Bedingungen» aus dem Sozialplan streicht.

Erstellt: 21.04.2017, 17:18 Uhr

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