Tiefenlager

Bevölkerung stellt Fragen zu Katastrophenszenarien

Die Informationsveranstaltung des Bundesamts für Energie zeigte: Anwohner eines möglichen Tiefenlagers in der Region Nördlich Lägern sind skeptisch bezüglich der Sicherheit. Die Experten sind sicher, dass nur ein Meteoriteneinschlag zum Austritt von radioaktiven Stoffen führen könnte.

Ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle (siehe Abbildung) ist 400 bis 900 Meter unter Tage geplant. Schwach- und mittelaktive Abfälle werden in 200 bis 800 Metern Tiefe eingelagert.

Ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle (siehe Abbildung) ist 400 bis 900 Meter unter Tage geplant. Schwach- und mittelaktive Abfälle werden in 200 bis 800 Metern Tiefe eingelagert. Bild: Visualisierung: Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat

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Die Suche nach dem passenden Standort für ein Tiefenlager, in dem radioaktive Abfälle eingelagert werden sollen, ist in drei Etappen gegliedert. Nun neigt sich die zweite dem Abschluss zu. Dabei wurden von den sechs festgesetzten Standortgebieten drei zurückgestellt. Nun kommen nur noch die Regionen Jura Ost, Zürich Nordost und Nördlich Lägern für das Tiefenlager infrage.

Kantone, Gemeinden, Organisationen und Privatpersonen haben während der dreimonatigen, bereits laufenden Vernehmlassung die Möglichkeit, zum Ergebnis Stellung zu nehmen. Voraussichtlich Ende 2018 entscheidet der Bundesrat, ob die verbliebenen drei geologischen Standortgebiete in der dritten und letzten Etappe weiter untersucht werden sollen. Dann geht es um die definitive Standortwahl.

Nur ein Meteorit kann dem Tiefenlager gefährlich werden

Dass sich viele Personen aus den betroffenen Gebieten skeptisch zum Projekt äussern, sind sich die Experten der Nagra und des eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) gewohnt. Auch am Dienstag, als in der Bülacher Stadthalle verschiedene Experten Referate zum Thema Tiefenlager hielten, war diese Skepsis spürbar.

Grafik: Bundesamt für Landestopografie

Bei der anschliessenden Fragerunde wurden mehrere Fragen zu möglichen Katastrophenszenarien gestellt. «Das Gebiet Nördlich Lägern liegt nicht weit entfernt vom Flughafen Zürich. Sind die Anlagen an der Oberfläche, wo die Abfälle umgepackt werden bevor sie ins Tiefenlager kommen, gegen Flugzeugabstürze geschützt?», lautete eine davon. Darauf antwortete Piet Zuidema, inzwischen pensionertes Mitglied der Geschäftsleitung bei der Nagra: «Die Gebäude sind auf solche Szenarien ausgelegt. In der heutigen Zeit, in der Flugzeuge auch als Waffen benutzt werden, ist es noch viel wichtiger, diese Sicherheit zu gewährleisten.»

Ebenfalls werde darauf geachtet, dass das Lager nicht in einem Gebiet gebaut wird, in dem es immer wieder zu einem Erdbeben kommt. Ausserdem äusserte die Regionalkonferenz die Forderung, dass man die Oberflächenanlage gegenüber dem Terrain absenkt.

Als Gau (Grösster anzunehmender Unfall) wird der schlimmste denkbare Störfall beim Betrieb eines Atomkraftwerks bezeichnet. Auf solche Notfälle müssen die Sicherheitssysteme der Anlagen ausgelegt sein. Ist die Reaktorkatastrophe dagegen nicht mehr beherrschbar, spricht man von einem Super-Gau. Ein Beispiel dafür wäre die Explosion in Tschernobyl, die eine gesamte Region für immer unbewohnbar machte. Würde es in einem Tiefenlager also zu einem Unfall kommen, bei dem radioaktive Stoffe austreten, kann man nicht von einem Super-Gau sprechen.

Eine Katastrophe wäre dies aber allemal. Deshalb lautete eine weitere Frage aus dem Publikum: «Unter welchen Umständen kann es dazu kommen, dass radioaktive Stoffe aus dem Tiefenlager oder der Oberflächenanlage entweichen?». «Dazu müsste ein Meteorit einschlagen, der ein kilometertiefes Loch in den Boden reisst», antwortete Piet Zuidema. Wenn dieser Fall eintreten würde, hätte die Bevölkerung aber noch ganz andere Probleme, sagte Zuidema weiter.

Standortwahl dürfte im Jahr 2029 erfolgen

Genehmigt der Bundesrat die Ergebnisse aus Etappe 2, ist alles bereit für den finalen Schritt in Richtung Tiefenlager. Unter Einbezug der Standortregionen wird das Lagerprojekt konkretisiert. Auf Basis der Untersuchungen wird die Nagra einen Standort für ein SMA-Lager (schwach- und mittelaktive Abfälle) und ein HAA-Lager (hochaktive Abfälle) vorschlagen. Die Gesuche werden danach durch das Ensi und weitere Fachstellen des Bundes geprüft. Der Bundesrat erteilt die Bewilligungen, welche vom Parlament genehmigt werden müssen.

Die Standortentscheide unterliegen dem nationalen fakultativen Referendum. Das Schweizer Volk hat demnach das letzte Wort zur Standortwahl. Stefan Jordi ist Leiter des Dienstes regionale Partizipation beim Bundesamt für Energie. Er sagt: «Die Etappe 3 dürfte bis ins Jahr 2029 dauern.» Es sei zwar noch ein langer Weg zu beschreiten, aber die absolute Sicherheit habe in der Standortauswahl oberste Priorität. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.01.2018, 17:58 Uhr

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