Zürich

Bierselige Grüsse an Sommaruga aus Zürich

Ein Zürcher Verein fordert, dass in der Schweiz die Herstellung von Pils nicht mehr länger verboten ist. Er gelangt mit einer unorthodoxen Aktion an den Bundesrat.

Bier ist eben nicht gleich Bier: Die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt hätte in der Schweiz gerne eine möglichst grosse Palette im Handel.

Bier ist eben nicht gleich Bier: Die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt hätte in der Schweiz gerne eine möglichst grosse Palette im Handel.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es klingt nach einer Bieridee, aber dahinter steckt ein seriöses Anliegen. Die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt (GFB) hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) zu ihrem Zwangsmitglied ernannt. Diese zweifelhafte Ehre wird ihr deshalb ­zuteil, weil der Bundesrat im Schweizer Handel nur Pils aus Tschechien zulassen will, nicht aber hierzulande gebrautes Bier unter demselben Namen. Die Justizministerin vertritt die ablehnende Haltung im Namen des Gesamtbundesrats.

Die GFB stört sich daran, weil dies die Biervielfalt im Land einschränke. Die Bezeichnung Pils oder Pilsner Art sei international gebräuchlich, und auch in der Schweiz würden viele Brauereien das hopfig gebraute helle Bier herstellen, heisst es in einer Medienmitteilung. Nur dürften sie dies nicht sagen und schon gar nicht auf der Etikette deklarieren.

Käse gegen Bier

Hartmuth Attenhofer, Generalsekretär der GFB, berichtet von einem Brauer, der dies trotzdem getan hat. «Er musste auf der Etikette das Wort Pils mit einem schwarzen Filzstift durchstreichen.» Hintergrund für diese strenge Regel ist ein Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Tschechien. Die Eidgenossenschaft garantiert dem Handelspartner, dass hierzulande nur «echtes» Pils zugelassen wird. Im Gegenzug darf in Tschechien nur Emmentaler aus der Schweiz verkauft werden.

Nicht nur Attenhofer, sondern auch CVP-Nationalrat Alois Gmür findet das einen Käse. Der Braumeister aus Einsiedeln, zugleich Mitglied in der GFB, regt in einem Postulat die Aufhebung des Staatsvertrags an und stösst damit beim Bundesrat auf taube Ohren. Deshalb erhält Sommaruga nun stellvertretend für die Regierung eine symbolische ­Strafe, eben die Zwangsmitgliedschaft in der ­Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt. Attenhofer – er war 18 Jahre lang Zürcher SP-Kantonsrat und 6 Jahre Statthalter von Zürich – hofft, dass dies seine Parteigenossin umstimmt.

Vielleicht gelingt dies ja, denn eine Zwangsmitgliedschaft ist keine erfreuliche Sache. Sie beinhaltet keinerlei Rechte, sondern nur Pflichten – namentlich die Entrichtung eines Mitgliederbeitrags von 40 Franken. Den Mitgliederausweis und die Rechnung hat Sommaruga bereits per Post erhalten. «Jetzt werden wir sehen, wie sie dar­auf reagiert», sagt Attenhofer.

Gnade für die Eidgenossenschaft

Falls keine Antwort kommt und der Beitrag nicht bezahlt wird, verschickt er eine Mahnung. Das war in der 25-jährigen Geschichte des Vereins schon einmal nötig, bei Sepp Blatter. Der damalige Fifa-Präsident war im Vorfeld der WM 2006 zum Zwangsmitglied ernannt worden, weil er einen Exklusivertrag mit einer US-Grossbrauerei genehmigt hatte. Blatter nahm die Mahnung offenbar bierernst. Er habe sich beim Rechtsdienst erkundigt, ob man ihn denn zu der Mitgliedschaft zwingen könne, erzählt Attenhofer.

Mit solchen Aktionen geht es dem Verein natürlich nicht um die zwanghafte Rekrutierung neuer Mitglieder, sondern um die öffentliche Wahrnehmung. Würde er dabei bis ans Äusserste gehen und die säumige Sommaruga betreiben? «Ach was, wo denken Sie hin», sagt Attenhofer. «Wir wollen doch die Eidgenossenschaft nicht in den Konkurs treiben.»

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 11.10.2017, 18:03 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Simonetta Sommaruga.

Hartmuth Attenhofer.

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.

Kommentare

Blogs

Zoologie Tierisch nützliche Daten

Salzkammergut Weltbekannt dank «weissem Gold»