Flughafen

Das Ende der Belair ist besiegelt

Nach den Auflösungsgerüchten vom Dienstag und den Flugausfällen der letzten Tage ist nun klar: Die Belair wird definitiv aufgelöst. Für die 275 Mitarbeitenden im Cockpit und in der Kabine gibt es aber eine Anschlusslösung.

Die Belair fliegt seit 2009 im Kleid der Air Berlin und ist nur noch an der Schweizer Immatrikulation (HB-IOP) als solche zu erkennen.

Die Belair fliegt seit 2009 im Kleid der Air Berlin und ist nur noch an der Schweizer Immatrikulation (HB-IOP) als solche zu erkennen. Bild: zvg

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Die Belair wird definitiv aufgelöst. Dies ergibt sich aus einer Mitteilung des Mutterkonzerns Air Berlin an die Mitarbeitenden der Glattbrugger Tochtergesellschaft, welche dem «Zürcher Unterländer» vorliegt. Das Cockpit- und Kabinenpersonal erhält darin die Bestätigung für eine Anschlusslösung: Die Crews bleiben für zwölf weitere Monate formell bei Belair angestellt und in Zürich stationiert. Faktisch werden sie von der Air Berlin aber «vermietet» und auf Strecken der Eurowings und Austrian Airlines ab Wien eingesetzt.

Die Air Berlin vermietet total 40 Flugzeuge an Eurowings (sogenanntes Wet-Lease), Belair war aber bisher nicht in diesen Deal integriert. Nun will man die 300 Mitarbeitenden der Glattbrugger Tochter also doch nicht einfach fallen lassen. Nachdem am Dienstag inoffizielle Meldungen über die Auflösung der Belair kursierten und das Management die Belegschaft nicht beruhigen konnte, standen die sechs Schweizer Flugzeuge in den letzten Tagen still. Die mit Existenzängsten kämpfenden Piloten und Flight Attendants meldeten sich mehrheitlich arbeitsunfähig, was im Sinne der Sicherheit sowohl von Personalverbänden wie auch vom Management unterstützt wurde. Die Air Berlin wurde dadurch zum raschen Handeln gezwungen und hat nun schneller als ursprünglich angekündet Nägel mit Köpfen gemacht ht.

Schweizer in Wien, Österreicher in Zürich

Bei der am Freitababend präsentierten Anschlusslösung werden die Schweizer Belair-Crews für ihre Einsätze jeweils von Kloten aus nach Wien eingeflogen. Nach den Flügen geht es für sie als Passagiere zurück nach Zürich. Paradox an dieser Situation ist: Die jetzigen Belair-EU-Flüge übernimmt ab April die österreichische Niki. Schweizer Crews werden also ab Österreich fliegen und umgekehrt.

Die ausländische Niki darf ab Zürich aber nur zu Zielen innerhalb der EU fliegen. Für die Strecken nach Ägypten, Pristina oder Istanbul hat Air Berlin vom Bund zwar eine temporäre Ausnahmebewilligung, um diese Flüge mit ihren deutschen Crews abzudecken. Langfristig geht das aber nicht, wie das Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigt. Am Flughafen Zürich stehen mit Swiss, Edelweiss, Germania Schweiz und Helvetic aber gleich mehrere Gesellschaften in den Startlöchern, um auf diesen Destinationen allenfalls einzuspringen.

Verlängerung wird geprüft

Ob die nun präsentierte Anschlusslösung für die Belair-Mitarbeitenden nach 12 Monaten verlängert wird, soll geprüft werden. Ergänzend finden Verhandlungen statt, um das Personal dauerhaft in die deutsche Air Berlin zu integrieren. Die Konditionen davon sind allerdings nicht bekannt.

Erstellt: 13.01.2017, 20:24 Uhr

Von der Balair zur Belair

Lange Geschichte endet

Die Balair gab es bereits in den Anfangszeiten der Fliegerei, als Basler Luftverkehrs AG. Diese fusionierte 1931 mit der Zürcher Ad Astra Aero zur Swissair.
Die Balair wurde später neu gegründet und flog Chartereinsätze für die Swissair, aber auch für die UNO und das Rote Kreuz. 1995 endete der Betrieb der damaligen Balair CTA vorerst, 1997 wurde sie aber reaktiviert. Nun flog sie wieder als Balair und zwar exklusiv für den Glattbrugger Reisekonzern Hotelplan.

Infolge des Swissair-Groundings am 2. Oktober 2001 endete drei Tage danach auch die Zeit der Balair. Die von Hotelplan geleasten Boeing 757 wurden in die Auffanggesellschaft Belair mit Sitz in Glattbrugg überführt. Die Belair gehörte nun vollständig der Hotelplan und flog ab dem 3. November 2001 wieder an die Badestrände der Welt.

Sechs Jahre später begann eine Partnerschaft mit Air Berlin, welche über die Hotelplan-Airline den Eintritt in den Schweizer Markt fand. Für die Glattbrugger war die Partnerschaft eine Risikominimierung im härter werdenden Konkurrenzkampf über den Wolken. Die Deutschen übernahmen die Belair bis Ende 2009 komplett und integrierten sie in ihre Flotte. Die Langstreckenmaschinen Boeing 757 und 767 wurden ausgemustert, die Mittelstreckenflugzeuge Airbus A319 und A320 umgespritzt. Sie sind heute noch an der Schweizer Immatrikulation HB zu erkennen, das Schweizer Kreuz an der Heckflosse ist aber längst passé. Zudem werden Flüge ausserhalb der EU mit dem Belair Code 4T durchgeführt, beispielsweise nach Ägypten, aus verkehrsrechtlichen Gründen.

Nach etwas mehr als 15 Jahren endet die Geschichte der Belair nun vorerst wieder, wobei das Unternehmen schon seit Jahren kaum mehr unter dem eigenen Namen bei den Passagieren bekannt war. Da die 275 fliegenden Mitarbeitenden weiterhin Belair-Verträge haben, bleibt ein Teil der reichhaltigen Historie erhalten. Belair-Flüge oder Flugnummern wird es aber ab April nicht mehr geben.

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