Dielsdorf

Das Fort Knox der Kunst steht in Dielsdorf

Die Umzugs- und Logistikfirma Welti-Furrer hat in ihrem Neubau in Dielsdorf soeben auch das Hochsicherheitslager für Kunstwerke in Betrieb genommen. Dieses ist strikt abgetrennt vom übrigen Firmenteil mit dem grossen Containerlager und dem Self-Storage-Bereich.

Der Welti-Furrer-Neubau an der Biologiestrasse in Dielsdorf weist ein Hochsicherheitslager für Kunstwerke, das landesweit modernste Containerlager der Schweiz und ein ausbaubarer Self-Storage-Bereich auf.

Der Welti-Furrer-Neubau an der Biologiestrasse in Dielsdorf weist ein Hochsicherheitslager für Kunstwerke, das landesweit modernste Containerlager der Schweiz und ein ausbaubarer Self-Storage-Bereich auf. Bild: Paco Carrascosa

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«Fotografieren verboten», lautet die Anweisung von Thomas Aebischer, Geschäftsführer der Kunstlagerabteilung im Welti-Furrer-Neubau im Industriegebiet von Dielsdorf. Absolute Sicherheit und Diskretion hat im landesweit modernsten Hochsicherheitslager für Kunst erste Priorität. Damit macht es dem amerikanischen Goldlager in Fort Knox, dem sprichwörtlich sichersten Ort der Welt, gehörig Konkurrenz.

Biometrische Daten

In den Hochsicherheitsbereich des Welti-Furrer-Komplexes in Dielsdorf gelangt nur, wer dazu berechtigt ist. Die Durchgangsschleusen öffnen sich ausschliesslich mit personalisierten Badges und elektronisch erfasstem Fingerabdruck. Versucht es ein Unberechtigter mit Gewalt, geht umgehend der Alarm los. «Und dann passiert sehr schnell etwas», sagt Geschäftsführer Aebischer mit einem geheimnisvollen Lächeln. Was genau, behält er für sich. Aus Sicherheitsgründen.

Sicherheit wird auch bei der Anlieferung der Kunst gross geschrieben. Die Zufahrtstore für die Lastwagen bestehen aus massiven Lamellen. Vorgelagert ist ein fingerdickes Gitter und aus dem Boden ragen pro Zufahrt zwei dicke Poller, die in den Boden versenkt werden können. Rammbock-Kriminelle brauchen es erst gar nicht zu versuchen, ist die Botschaft. Auch die Anlieferung funktioniert nach dem Schleusenprinzip: Innere Türen und Tore lassen sich nur öffnen, wenn die äusseren geschlossen sind – und umgekehrt.

Wasser und Feuer als Risiko

In den Lagerkammern, die gemäss Aebischer eine Fläche von mehreren Tausend Quadratmetern umfassen, ist alles vorgekehrt, damit die Kunstwerke nicht zu Schaden kommen. «Die grössten Risiken gehen nicht von Einbrechern aus, sondern von Wasser und Feuer», erklärt der Geschäftsführer. Deshalb führt keine einzige Wasserleitung durch die fensterlosen Lagerräume und die Leitungen für die Beleuchtung sind brandsicher eingebaut. Die zugeführte Luft wird gefiltert und der ganze Bereich ist klimatisiert, so dass ständig eine Temperatur von 20 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent herscht.

Für den Fall eines Brandes ist eine Gaslöschanlage installiert, die einem Feuer den Sauerstoff entzieht und es so erstickt. Damit können Löschwasserschäden an den pekuniär und kulturell hochwertigen Gegenständen ausgeschlossen werden. Brandgefahr ist auch der Grund, warum Welti-Furrer zum Beispiel keine Oldtimer in seinem Kunstlager aufnimmt, mögen sie noch so wertvoll sein.

«Moderne Kunst wird immer grösser», sagt Aebischer und zeigt den Lift zu den Kunstkammern. Der Aufzug hat eine Tragkraft von 6 Tonnen und Ausmasse von rund drei auf sechs Metern. Er ist mit «80 Personen» angeschrieben. Da könnte eine ganze Hochzeitsgesellschaft Lift fahren. Wird sie aber nicht, denn der Lift dient einzig dem Transport von Skulpturen und Gemälden, die manchmal Garagengrösse aufweisen.

Welti-Furrer hängt Bilder auf

Doch wer kauft schon Kunst, um sie in fensterlose Räume in der Dielsdorfer Industrie zu sperren? Die Kunst soll doch das Zuhause verschönern und aufwerten. «Ein grosser Teil unserer Kunden sind Museen und Galerien. Aber auch einige Private sind darunter», sagt der Geschäftsführer. Der Grund ist oft Platzmangel oder ein Umzug.

Gerade für Museen lagert Welti-Furrer viele Kunstgegenstände zwischen. Auch da oft aus Platzmangel oder etwa, weil für eine neue Ausstellung Kunstwerke aus aller Welt eintreffen. «Damit das Museum nicht jeden Tag eine Lieferung entgegennehmen muss, sammeln wir die Werke. Wir holen sie am Flughafen ab, erledigen die Zollformalitäten und bringen sie ins Hochsicherheitslager nach Dielsdorf.

Ist die Ausstellung komplett, liefern wir alles in sicherer Verpackung ins Museum», erklärt Aebischer. Dabei helfen seine Mitarbeiter sogar bei der Einrichtung der Exposition, etwa beim Aufhängen von Gemälden.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.07.2018, 16:18 Uhr

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