Höri

Der Bagger arbeitet für den Naturschutz

Es geht weiter mit der Aufwertung des Neeracherrieds. Birdlife Schweiz schafft in den kommenden Wochen zusätzlichen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen. Dabei kommen auch schwere Maschinen zum Einsatz.

Schicht für Schicht wird im Neeracherried der Boden abgetragen, damit die Fläche anschliessend renaturiert werden kann.

Schicht für Schicht wird im Neeracherried der Boden abgetragen, damit die Fläche anschliessend renaturiert werden kann. Bild: Johanna Bossart

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Ein Bagger und ein Lastwagen im Naturschutzgebiet: Dieser Anblick wirft bei Spaziergängern Fragen auf. Doch in den Saumbachwiesen am Ostrand des Neeracherrieds in Höri arbeiten die schweren Maschinen für einmal im Dienste von seltenen Tieren und Pflanzen.

Birdlife Schweiz wertet dort, gleich angrenzend an den Beobachtungsturm, derzeit eine Fläche von einer Hektare auf. «Hier wurde das Moor in den 1960er-Jahren mit Bauschutt überdeckt», sagt Werner Müller, Geschäftsführer von Birdlife Schweiz. Nachdem der Kanton das Land vor rund 20 Jahren übernommen hatte, versuchte man erst, den Boden magerer zu machen. «Das brachte nicht den erhofften Erfolg», sagt Müller.

Vor sechs Jahren machte man deshalb einen ersten Versuch einer umfassenden Aufwertung und legte dabei auch zwei flache Teiche an. Die Erfahrungen waren positiv, sodass man nun eine weitere Etappe in Angriff nimmt.

Zum 20-jährigen Bestehen

Dieses Jahr feiert das Birdlife-Naturzentrum Neeracherried das 20-jährige Bestehen. «Das wollten wir nicht nur feiern, sondern auch etwas für die Natur tun», sagt Müller. Die Arbeiten im Ried werden von Birdlife Schweiz, vom Kanton und von einem Renaturierungsfonds des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich finanziert.

Durch die nun begonnene Aufwertung erhofft man sich eine tragfähige Population von verschiedenen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Profitieren sollen unter anderem Kiebitz, Laubfrosch, Kreuzkröte, Sumpfgrille und der Schweizer Alant, ein Korbblütler.

Humus geht nach Embrach

Zentimetergenau trägt der Bagger derzeit die oberste Erdschicht ab. Sie besteht aus Humus. Dieser wird nicht etwa entsorgt, sondern nach Embrach transportiert. Dort wird er als Deckschicht für eine zugeschüttete Kiesgrube verwendet. Der Unterboden wird entsorgt. «Sind beide Schichten abgetragen, wird die Natur die Fläche zurück erhalten», sagt Stefan Heller, Leiter des Naturzentrums Neeracherried.

Im Rahmen der Arbeiten werden weitere fünf flache Teiche angelegt. «Dazu braucht es nicht etwa Folien oder andere Hilfsmittel, es reicht das Erdreich genügend zu pressen, sodass das Regenwasser nicht versickert», sagt Müller.

Zum Abschluss der Arbeiten wird die Fläche mit der Heuernte einer artenreichen Wiese des Rieds direktbegrünt. Das bedeutet, dass das Schnittgut der Wiese kurz nach der Ernte auf der dannzumal renaturierten Fläche verteilt wird. Auf diese Weise fallen die Samen direkt auf den offenen Boden. «So wird sich hoffentlich innert relativ kurzer Zeit eine vielfältige Blumenwiese entwickeln können», erklärt Stefan Heller.

Je nach Witterungsverhältnissen sollten die Arbeiten voraussichtlich Anfang Oktober abgeschlossen sein. Danach wird man vom Spazierweg oder vom angrenzenden Beobachtungsturm aus mitverfolgen können, wie sich Tiere und Pflanzen ein weiteres Stück Neeracherried zurückerobern.

Erstellt: 15.08.2019, 17:00 Uhr

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