Zürich

Der lange Weg zur schwarzen Null

Seit einem Jahr haben die beiden Zürcher Stadtspitäler Waid und Triemli eine gemeinsame Führung. Noch sind sie finanziell nicht über dem Berg.

Als gemeinsames Stadtspital spezialisiert sich das Triemli auf die Herzmedizin (im Bild eine Operation an der Herzklappe), das Waid konzentriert sich auf die Altersmedizin.

Als gemeinsames Stadtspital spezialisiert sich das Triemli auf die Herzmedizin (im Bild eine Operation an der Herzklappe), das Waid konzentriert sich auf die Altersmedizin. Bild: Andrea Zahler

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Eiger, Mönch und Jungfrau, das Bundeshaus, der Rheinfall: Die Zimmertüren in der Akutgeriatrie im Stadtspital Waid schmücken Fotografien. So finden die betagten Patienten ihre Zimmer leichter, erklärt die leitende Ärztin Claudine Geser bei einem Medienrundgang. Einige von ihnen sitzen gerade in der Gruppentherapie und werfen sich gegenseitig einen blauen Ball zu. Gezielte Therapien in der Akutgeriatrie halfen auch einer über 90-jährige Patientin wieder mit dem Rollator gehen und Treppen steigen zu können.

Die Frau hatte sich bei einem Sturz das Becken gebrochen. Sie kam darauf in die Notfallstation im Stadtspital Triemli. Dort wurde sie operiert – und bereits von den Waid-Gerontologen besucht. Diese klärten ab, welche Betreuung die Frau braucht, die nach der OP nicht direkt nach Hause kann, weil sie alleine wohnt in einem Haus ohne Lift.

«Entscheide waren richtig»

Diese enge Zusammenarbeit ist neu, denn seit einem Jahr gehören die beiden Stadtspitäler zusammen. So will sie Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri (GLP) aus den tiefroten Zahlen führen. Die Misere um die Stadtspitäler war mit ein Grund für den Rücktritt von Hauris Vorgängerin Claudia Nielsen (SP).

Ein Jahr nachdem Triemli-Direktor André Zemp die Führung beider Spitäler übernommen hat, zeigt sich Hauri gestern verhalten optimistisch: «Die gefällten Entscheide waren richtig.» So wie das Zentrumsspital mit zwei Standorten heute aufgestellt sei, könne man die anstehenden Herausforderungen angehen.

Die Jahresrechnung 2018 wies für das Triemli einen Gewinn von 1,4 Millionen Franken aus. Das Waid konnte das budgetierte Defizit von 14,4 Millionen Franken einhalten. Die stationären Fälle haben an beiden Standorten zugenommen und auch die Fallkosten sanken. Allerdings ist das Waid Schlusslicht der Zürcher Spitäler. Ziel sei, sagt Hauri, dass beide Spitäler langfristig ins Mittelfeld der Liste rücken.

Für die Neuvergabe der kantonalen Leistungsaufträge mit der Spitalliste 2023 müssen die Spitäler nicht nur qualitativ gut aufgestellt sein, sondern auch finanziell. Zwar sei das Stadtspital Waid und Triemli nicht gewinnorientiert, aber für eine schwarze Null müsse noch einiges getan werden, sagt Hauri.

Eine statt zwei Dienstabteilungen?

Dies ist auch der Grund, warum vorerst darauf verzichtet wird, aus den beiden städtischen Dienstabteilungen wie vom Stadtrat vorgesehen eine öffentlich-rechtliche Anstalt zu machen. Gesunde Finanzen, die Sicherung der Leistungsaufträge und eine erfolgreiche Positionierung seien die Voraussetzungen für die Änderung der Rechtsform. 2023 soll es soweit sein. Derzeit überlege man sich ob und wann aus den zwei nach wie vor getrennten Dienstabteilungen eine gemacht werden könnte, sagt Hauri. Dies würde der neuen Organisation entsprechen.

Vieles wurde in den letzten zwölf Monaten umgekrempelt. «Es war ein sehr intensives Jahr», sagt Spitaldirektor Zemp. Es gibt nur noch ein Personalwesen, die Finanzen und der Einkauf werden zusammen gesteuert, und es wird gemeinsam geplant. Zwar positionieren sich beide Spitäler als Grundversorger, das Waid will aber zum Spezialisten in der Altersmedizin werden, während sich das Triemli auf die komplexe Herz- und Tumormedizin konzentriert. Zusammen will man auch Neues lancieren und hat etwa ein Institut für Notfallmedizin gegründet, dessen Chefarzt bald bestimmt wird. Es gebe noch «1001 weitere Möglichkeiten für Synergien», sagt Zemp.

Nächtliche Teleradiologie

Konkret bedeutet dies, dass Röntgenbilder im Waid nachts nicht mehr vor Ort, sondern per Teleradiologie im Triemli beurteilt werden. Im Waid – wo dies viel seltener nötig ist als im dreimal so grossen Triemli – macht kein spezialisierter Arzt mehr Nachtdienst. Die Belegung der Operationssäle wird zusammen koordiniert, um diese besser auszulasten. So könne man bei der anstehenden OP-Sanierung im Waid auf ein teures Provisorium verzichten, sagt Zemp. Manches wird auch neu möglich: Während die Labors der beiden Spitäler zuvor vieles auswärts gegeben haben, können sie dies zusammen jetzt selber machen.

Gekostet haben solche Anpassungen bis Ende August 50 Stellen im Waid, denn dort rissen die Personalkosten ein zu grosses Loch in die Kasse: Sie machten 76 Prozent der Kosten aus. Der Branchenschnitt liegt bei 63,2 Prozent. Bis Ende Jahr werde man 70 Stellen gestrichen haben, sagt Zemp, so erreiche man 2020 das Ziel von 65 Prozent. Dies sei bisher ohne Entlassungen gelungen, sondern durch natürliche Fluktuation, restriktive Wiederbesetzung und Versetzungen etwa von einer Pflegeassistentin vom Waid in ein städtisches Pflegezentrum.

Oft emotional

Dieser «Change-Prozess» habe zu Unruhen geführt und sei oft emotional, sagt Hauri. Aber gerade im Waid seien die Mitarbeiter vor einem Jahr dankbar gewesen um klare Entscheide und das Wissen, dass es weitergehe. Zwar gebe es nach wie vor «Triemlianer und Waidianer», ergänzt Zemp. Dort wo eng zusammengearbeitet werde, entstehe aber bald eine neue Kultur als gemeinsames Stadtspital.

Dies bestätigt Hannah Schlau, Oberärztin am Zentrum für Palliative Care auf dem Medienrundgang. Sie arbeitet sowohl in der neuen Station im Waid wie auch im Triemli, wo sie Patienten berät: «Der Austausch fällt leichter, wenn man sich persönlich kennt.»

Erstellt: 17.09.2019, 18:17 Uhr

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