Bezirksgericht Dielsdorf

«Die Aussagen des Mädchens sind glaubhaft»

Ein 75-jähriger Mann wurde am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt. Er hat ein Mädchen sexuell missbraucht. Da es nur sehr wenige Beweise gibt, sind vor allem die Aussagen der heute 12-Jährigen ausschlaggebend für den Schuldspruch.

Der Beschuldigte küsste nach der Urteilsverkündung seine Ehefrau und wurde anschliessend von der Polizei abgeführt.

Der Beschuldigte küsste nach der Urteilsverkündung seine Ehefrau und wurde anschliessend von der Polizei abgeführt. Bild: Johanna Bossart

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Freispruch oder mehrjährige Freiheitsstrafe: Alles war möglich, als sich der Beschuldigte am Freitagnachmittag zur Urteilsverkündung im Bezirksgericht Dielsdorf eingefunden hat. Der 75-Jährige wehrte sich bis zuletzt gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. An der Verhandlung, die am Mittwoch stattgefunden hat, sagte er: «Alles, was das Mädchen erzählt, ist falsch. Sie lebt eine Fantasie.»Ganz so einfach ist das aber nicht. Über einen Fernseher spielte das Gericht die polizeiliche Einvernahme der damals 11-Jährigen ab. In etwas mehr als 90 Minuten erzählte sie erstaunlich reif und wortgewandt von den sexuellen Übergriffen. Das Gericht ist deshalb überzeugt: «Sie hat die Aussagen nicht auswendig gelernt.» Dafür habe die Einvernahme zu lange gedauert. «Die Aussagen sind zudem sehr detailliert und glaubhaft», so der Richter.

Gericht widerspricht den Einwänden der Verteidigung

Das Mädchen wurde insgesamt zweimal einvernommen. Beim ersten Mal war sie alleine bei einer Polizistin. Beim zweiten Mal, drei Monate später, war der Beschuldigte ebenfalls mit dabei. Und so argumentierte der Verteidiger in seinem Plädoyer: «Die erste Einvernahme ist nicht verwertbar, da der Beschuldigte nicht dabei sein durfte.» Das Gericht ist anderer Meinung. «Die Aussagen des Mädchens waren auch bei der zweiten Einvernahme, die einige Zeit später stattgefunden hat, sehr genau.»

Der Verteidiger machte aber noch einen zweiten prozessualen Einwand. Die Anklage sei für ihn zu ungenau. «In der Anklage ist nicht ersichtlich, wo und wie viel Mal der Beschuldigte die Taten begangen hat.» Auch in diesem Punkt widerspricht ihm das Gericht. «Handelt es sich um zahlreiche Delikte, reicht die Nennung eines Zeitraums aus», sagte der Richter.

Laut Anklageschrift wurden die Taten zwischen 2015 und 2017 begangen, als das Mädchen gerade mal zwischen acht und zehn Jahren alt war. Die Geschädigte verbrachte in dieser Zeit oft ihre Schulferien beim Beschuldigten und dessen Ehefrau, da die beiden Familien gut miteinander befreundet waren. «Dies grenzt die Zeitpunkte der Taten nochmals ein.»

Die Vorahnung des Beschuldigten tritt nun ein

Somit kommt das Gericht zum Schluss, dass der Sachverhalt, wie in der Anklage geschildert, erstellt ist. Der 75-Jährige wurde deshalb der mehrfachen sexuellen Nötigung, mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern sowie der mehrfachen Pornografie schuldig gesprochen.

Der Beschuldigte habe das Mädchen nach den Übergriffen immer wieder unter Druck gesetzt. Er soll zum Beispiel gesagt haben: «Du darfst niemandem davon erzählen, sonst muss ich ins Gefängnis und verliere meine Ehefrau.» Und weiter: «Ich habe immer alles für dich gemacht, nun musst du mir etwas zurück geben.» Alle diese Handlungen seien laut dem Richter nötigend.

Die Vorahnung des 75-Jährigen ist nun Realität. Die Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 2 Monaten muss er absitzen. Seine Ehefrau dürfte aber zu ihm halten. Nach der Urteilsverkündung durften sich die beiden kurz verabschieden und küssten sich dabei. Danach wurde der Mann von der Polizei abgeführt.

Der Beschuldigte wird auch zur Kasse gebeten. Er muss dem Mädchen eine Genugtuung von 35 000 Franken bezahlen. Zudem darf er die Geschädigte in den kommenden fünf Jahren nicht kontaktieren und in den nächsten zehn Jahren keine Tätigkeit ausüben, die etwas mit Kindern zu tun hat. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.01.2019, 18:24 Uhr

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