Regensdorf/Zürich

Die Fassade des ZSC-Stadions wird in Regensdorf entwickelt

Die ZSC Lions erhalten ein neues Stadion. Die Fassade ist für die Baufachleute allerdings eine Knacknuss. Bei der Marti AG in Regensdorf wurde darum ein Muster erstellt.

Das Fassadenmuster auf dem Regensdorfer Werkhof der Baufirma Marti fällt alleine schon durch seine Grösse auf.

Das Fassadenmuster auf dem Regensdorfer Werkhof der Baufirma Marti fällt alleine schon durch seine Grösse auf. Bild: Paco Carrascosa

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Der ZSC spielt im September 2022 sein erstes Spiel im neuen Stadion in Zürich-Altstetten. Noch stehen Bagger und Betonmischer an der Stelle, wo die Pucks übers Eis fliegen und die Hockeyfans johlen werden. Die Swiss Life Arena, wie das Eishockeystadion heisst, wird bis zu 12000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bieten.

Eine 10 Meter hohe, freistehende Wand sorgt beim Bauunternehmen Marti AG in Regensdorf für Aufsehen. Marcel Lappert freut das Interesse, auch wenn er eigentlich auf der Baustelle alle Hände voll zu tun hätte. Er ist Baustellenchef beim Eishockey-Stadion in Zürich-Altstetten. Auf der Grossbaustelle sind zu Spitzenzeiten 100 Arbeiter tätig. Marcel Lappert ist einer von drei Bauführern. Er hält die Fäden in der Hand, koordiniert die Arbeiten und das Personal.

«Weltweit gibt’s keine Fassade in dieser Grösse und Struktur. Wir haben daher keine Referenz.»Marcel Lappert, Bauführer bei Marti AG

Die grösste Herausforderung für ihn ist allerdings die Fassade aus 14000 Quadratmeter weissem Sichtbeton. Die Begeisterung ist dem 32-Jährigen anzusehen: «Wenn man sonst eine Fassade baut, kommt ein Verputz drauf und man sieht sie nicht mehr», erklärt er. Auch wenn er über die Struktur spricht, kommt der diplomierte Baumeister ins Schwärmen. «Wir erstellen eine Wand die 10 Meter hoch und 21 Meter lang ist. Das sind 200 Quadratmeter. An der höchsten Stelle ist sie sogar 30 Meter hoch.»

Sichtbeton ist heikel

Dazu kommt die Struktur. Die Fassade soll an einen Vorhang erinnern: An den Stirnseiten des Stadions wie Stoff rund um Fenster drapiert, an den Längsseiten in geraden Wellen fallend. Die Fenster erinnern an riesige Bullaugen oder – passend zum Eishockey – an überdimensionierte Pucks. «Die Fassade ist einmalig», fasst er zusammen. «Weltweit gibt’s keine in dieser Grösse und Struktur. Wir haben daher keine Referenz.»

Also haben die Bauleute entschieden, das Vorgehen erst einmal an einem Muster auf dem Werkhof in Regensdorf zu testen. Die Idee mit dem Muster stammt von Marcel Lappert selber. Er erklärt die Knackpunkte: «Der weisse Sichtbeton ist äusserst heikel. Wir müssen sehr vorsichtig sein mit Rost.» Denn die Armierungseisen hinterlassen gerade bei Regen schnell Rostflecken auf dem Beton. Und Rost lasse sich nur schwer wieder entfernen.

Ein weiterer Knackpunkt des weissen Betons sei, dass er sehr schnell hart werde und man deswegen beim Betonieren keine Unterbrüche haben darf, da sonst Fugen im Beton entstehen können. Dazu kommt die komplexe Struktur eines fliessenden Vorhangs.

Am Muster getestet

«Wir haben Gussformen aus Kunststoff herstellen lassen, die sich wie Puzzleteile zusammensetzen lassen», erklärt der Bauführer. Man habe entschieden, möglichst grosse Flächen zu machen. «Das haben wir beim Muster so ausprobiert und gesehen, dass es gut funktioniert.» Jetzt gilt es für die Baufachleute ihre Erfahrungen mit der Musterfassade auf der Baustelle umzusetzen. «Dieselbe Gruppe ist jetzt auch draussen am Arbeiten und gibt die Erkenntnisse aus dem Test in Regensdorf den anderen Gruppen weiter.»

Bis die Fassade ganz steht, dauert es noch ein Jahr. Heute sind 40 Meter gemacht, das sind erst 4 Prozent der ganzen Fassade. Die Wand ist gut geschützt. Für den Fall, dass Vandalen das Werk besprayen, hat man einen Schutzfilm auf den Beton gespritzt. Damit die Bauleute von Marti und Barizzi wie vorgesehen im Juli 2022 das Stadion dem ZSC übergeben können.

Erstellt: 08.11.2019, 17:25 Uhr

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