Kloten

Die Kloten-Maske ist schon bestellt

Klotens neuer Torhüter Joren van Pottelberghe hat einen spannenden Weg hinter – und einen wohl noch spannenderen vor sich.

Klotens Goalie Joren van Pottelberghe hat schon zweimal das Tor des Schweizer A-Nationalteams gehütet, wie hier im April gegen Weissrussland.

Klotens Goalie Joren van Pottelberghe hat schon zweimal das Tor des Schweizer A-Nationalteams gehütet, wie hier im April gegen Weissrussland. Bild: Keystone

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94,51 Prozent Abwehrquote steht in der Statistik von Joren van Pottelberghe. Nach drei Partien gegen die Swiss-League-Top-Teams Visp, Ajoie und Olten. Der neue Mann zwischen den Pfosten ist zwar erst 21 Jahre alt, aber er brauchte in Kloten keine lange Anlaufzeit. «Es ist hier alles bestens. Auf dem Eis hat es bisher sehr gut funktioniert. Meine Vorderleute haben in diesen Partien einfach und klarlinig gespielt.»Und er konnte endlich wieder spielen. Erst eine Woche vor dem Saisonstart der National League erfuhr er, dass Davos mit Anders Lindbäck einen ausländischen Torhüter verpflichtet hatte. Van Pottelberghe wurde zur Nummer 3. «Das war zuerst ein Schock», sagt er dazu. «Aber das sind Situationen, die im Leben eines Sportlers immer wieder vorkommen, auch in Nordamerika. Damit muss man einfach umgehen können.» Er tat das, indem er im Training noch härter an seiner Physis arbeitete, und er genoss die zwei Wochen, die er in Dänemark für Ringsted spielen konnte, um ein bisschen Praxis zu sammeln.

Wie Van Pottelberghe ärgerte sich indes auch Kloten lange darüber, dass der Goalie-Entscheid in Davos so spät gefallen war. Das Angebot, Van Pottelberghe zu übernehmen, kam erst, als mit Bernhard Starkbaum der österreichische Schlussmann in der Flughafenstadt bereits unter Vertrag stand. Weil Kloten gemerkt hat, dass die zwei zugelassenen Ausländerplätze mit Feldspielern besser besetzt sind, kam es Ende November dann doch noch zum Deal – der bis jetzt alle Beteiligten glücklich macht.

Die beste Entscheidung

Joren van Pottelberghe wuchs als Kind belgischer Eltern in Zug auf, seine Gotte brachte ihn zum Eishockey. Zum Goalie wurde er erst später, ihn faszinierte das Gesamtpaket an dieser Position: «Stark, geschmeidig und schnell musst du sein, über 60 Minuten konzentriert.» Später wollte Van Pottelberghe auf den Sport setzen, sich nicht durch eine Lehre vom Weg abbringen lassen. Deshalb beschloss er mit 16, nach Schweden zu wechseln, nach Linköping. «Das war die beste Entscheidung, die ich bisher getroffen habe», sagt er. Da war einerseits die Ausbildung im Sportgymnasium mit zwei Trainings pro Tag, andererseits der grosse Schritt in die Selbstständigkeit. Untergebracht waren die Nachwuchsspieler in einem Block, Van Pottelberghe wohnte alleine in einem Studio. «Die Gastfamilie war weit weg, ich habe selber gekocht und meine Wäsche besorgt.» In diesen drei Jahren Schweden wuchsen Freundschaften ­heran, die noch heute Bestand haben. Mit dem damaligen Goalietrainer Nizze Landén hat er weiterhin Kontakt, er war der Mann, der Van Pottelberghe am meisten vorwärtsbrachte.

2015 wurde der Goalie von Detroit gedraftet, er ist bereits in vier Trainingscamps der Red Wings gewesen, die er als «sehr cool» bezeichnet. Sein Talent ein erstes Mal zeigen konnte er den Schweizern an der U-18-WM 2015 in Zug. Da erreichte sein Team das Bronzespiel gegen Kanada. Am gleichen Turnier waren Spieler wie Auston Matthews und Patrik Laine dabei. Oder Kyril Kaprisow, der an Olympia 2018 im Final das entscheidende Tor erzielte. Oder Jesse Puljujärvi, der ebenfalls bereits eine Rolle in der NHL spielt. Oder Denis Malgin.

Zuger Fahrgemeinschaft

Dorthin, wo sie alle sind, will Van Pottelberghe auch. Wann, das ist noch offen. «Was ich nächste Saison mache, ist noch nicht bestimmt.» Zurzeit gilt sein Fokus Kloten. Noch wehrt er die Schüsse der Gegner mit einer Maske ab, die in den Davoser Farben gehalten ist. «Doch die Kloten-Maske ist bestellt», sagt er mit einem breiten Lächeln und im Bündner Dialekt. Den hat das Sprachtalent – er spricht flämisch, französisch, englisch, schwedisch und natürlich deutsch – zu seiner eigenen Überraschung in den zwei Jahren Davos sehr schnell angenommen. Vielleicht wird er ihn auch schnell wieder los.

Auf jeden Fall lebt Van Pottelberghe seit dem Wechsel nach Kloten wieder bei seinen Eltern in Zug. Mit den Routiniers Fabian Sutter und René Back bildet er eine Fahrgemeinschaft, «obwohl mir alle davon abgeraten haben», wie er lachend sagt. Ihm passt die lockere Stimmung in der Klotener Garderobe. Mit seinen bisherigen Paraden hat auch er seinen Anteil daran.

Erstellt: 07.12.2018, 17:14 Uhr

Am Sonntag in Weinfelden

Lehmanns letztes Spiel des Kalenderjahrs

In der Swiss-League-Meisterschaft hat Kloten erst einmal keinen Treffer zustande gebracht: beim ersten Gastspiel in der Weinfelder Eishalle Güttingersreuti gegen den HC Thurgau. Es setzte ein 0:3 ab. Das soll am Sonntag ab 18.30 Uhr anders werden. Kloten will mit einem Sieg in die zweite Nationalteampause gehen.

Erst am Dienstag, 18. Dezember, geht es mit dem Heimspiel gegen Winterthur weiter. Die Partie morgen Sonntag könnte für Marco Lehmann für längere Zeit die letzte mit Kloten sein. Er gehört zum Kader der U-20-Nationalmannschaft, die in Vancouver zum Jahreswechsel die WM absolviert. Julian Mettler gehört auch dem erweiterten Kader an. Ob er aber einen WM-Platz holen kann, ist unsicher. jch

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