Endlager

Die Nagra bohrt ein Loch in den Bülacher Boden

Am Montag hat die Nagra mit der Tiefenbohrung in Bülach begonnen. Die Erkenntnis: Besonders laut sind die Arbeiten im Gebiet Herrenwis nicht, auch weil unter anderem eine grosse Lärmschutzwand aufgebaut wurde.

Die Bohrmaschine ist 24 Stunden am Tag in Betrieb. Pro Tag kommt sie maximal 15 Meter vorwärts.
Video: Paco Carrascosa

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Für die Mitarbeiter der Nationalen Gesellschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) war es ein spezieller Moment, als die Bohrmaschine in Bülach am Montag zum ersten Mal angeworfen wurde. Maurus Alig, Gesamtprojektleiter der Tiefenbohrungen, sagte: «Es ist ein ganz wichtiger Tag. Mit den Bohrungen erheben wir die letzten noch fehlenden Daten, um uns danach für den besten und sichersten Standort zu entscheiden.»

«Es ist ein ganz wichtiger Tag.»

Auf einer Fläche von rund 0,7 Hektaren wird nun im Gebiet Herrenwis in Bülach rund um die Uhr gearbeitet. Die Bohrungen dauern sechs bis neun Monate. Alig führte aus: «Es ist schwierig zu sagen, wie lange die Arbeiten effektiv dauern werden.» Die Bohrungen seien vergleichbar mit einer Autofahrt von Bern nach Zürich: «Man weiss nie, ob irgendetwas dazwischen kommt, was einen Zeitverlust zur Folge hat.»

Lärm hielt sich in Grenzen

Das mediale Interesse war gross. Rund ein Dutzend Journalisten fanden sich in Bülach ein, um vom Bohrstart zu berichten. Nach einer kurzen Führung über den Bohrplatz wurde es spannend.

Aus sicherer Entfernung beobachteten die Medienleute, wie sich die meterhohe Maschine Stück für Stück in den Boden hinein arbeitete. Maximal 15 Meter schafft der Bohrer pro Tag, bis er in über 180 Tagen sein Ziel in 1300 Metern Tiefe erreichen wird.

«Wir machen viel, um die Emissionen gering zu halten»

Der Lärm hielt sich in Grenzen. Lediglich die brummenden Spülungspumpen erzeugten ein hörbares, aber nicht störendes Geräusch. Die Maschine, mit welcher beim Industriegebäude gleich neben dem Bohrplatz das Dach repariert wurde, war jedenfalls um einiges lauter.

«Wir machen viel, um Emissionen wie Lärm, Verkehr und Licht gering zu halten», sagte Nagra-Geschäftsleiter Thomas Ernst, «so arbeiten wir etwa mit elektrisch betriebenen und daher leiseren Bohrgeräten.» Zudem wurden rund um die Pumpen hohe Lärmschutzwände, wie man sie von Strassen kennt, aufgebaut.

Wenig Action

Besonders spektakulär sind die Bohrarbeiten nicht. Zumindest sah man vom Besuchercontainer aus nur sehr wenig Action. Dennoch ist die Vorstellung verblüffend, dass die Maschine über einen Kilometer weit in den Boden vordringen wird.

Das Gestein, welches abgeraspelt wird, kommt jeweils anhand der Spülung hoch zur Oberfläche. Dort wird es dann von Spezialisten analysiert. Denn das Gestein muss letztlich den Einschluss des Lagers gewährleisten. Untersucht werden unter anderem die Mächtigkeit, die Dichtigkeit und die Zusammensetzung des Wirtgesteins Opalinuston.

Die Bohrung in Bülach ist die erste einer ganzen Reihe. Sie sollen das geologische Gesamtbild der potenziellen Standortregionen Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost vervollständigen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.04.2019, 18:17 Uhr

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