Obergericht

Die Rache war in diesem Fall feurig

Ein 28-jähriger Mann hat 2016 zusammen mit drei Kollegen das Firmengebäude seines ehemaligen Arbeitgebers angezündet. Das Obergericht verurteilte ihn gestern zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe.

Beim Brand entstand ein Sachschaden von über 1,6 Millionen Franken.

Beim Brand entstand ein Sachschaden von über 1,6 Millionen Franken. Bild: Kapo ZH

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es soll ein Knochenjob gewesen sein: Der Beschuldigte sagt, dass er bei seinem ehemaligen Arbeitgeber viel arbeiten musste und wenig Geld verdiente. Bei der Firma, welche damals noch im Bezirk Dielsdorf lag und mit Lebensmitteln und Getränken handelt, seien ihm die Überstunden weder als Ferientage abgegolten, noch ausbezahlt worden.

Nachdem der 28-jährige Tamile Anfang 2016 die Kündigung erhalten hatte, brannte wenige Tage später das komplette Firmengebäude nieder, wobei ein Sachschaden von über 1,6 Millionen Franken entstand. Zufall? Oder etwa ein Racheakt? Die Untersuchung ergab, dass eine technische Ursache für das Feuer ausgeschlossen werden kann. Aufgrund der Auswertung der Videoaufnahmen im Innern des Gebäudes erhärtete sich der Verdacht, dass der Brand absichtlich gelegt wurde.

Die Ermittlungen führten letztlich zum ehemaligen Mitarbeiter der Firma und zu drei Kollegen von ihm. Für die Brandlegung will aber keiner der vier Beschuldigten verantwortlich sein. Der Staatsanwalt spricht hingegen von einer gemeinsam geplanten Aktion. In der Anklageschrift heisst es, dass das Quartett an jenem Tag von Zürich aus in Richtung Bezirk Dielsdorf gefahren ist. Unterwegs sollen sie Alkohol getrunken und Benzin in zwei PET-Flaschen abgefüllt haben. Letztlich seien die Beschuldigten über ein Fenster in das Lager der Firma eingedrungen und hätten dort das Benzin ausgeleert und entzündet.

«Ich stand unter Druck»

Der 28-Jährige, welcher sich gestern alleine vor dem Obergericht verantworten musste, hatte dabei die Rolle des Fahrers. Er beschwichtigte jedoch: «Ich wusste nichts von den Plänen der anderen. Ich liess sie bei der Firma aussteigen und wartete, bis sie zurückkehrten.» Hätte er von den Absichten seiner Kollegen gewusst, wäre er niemals dorthin gefahren. Einer von ihnen habe ihn jedoch derart unter Druck gesetzt, dass ihm keine andere Möglichkeit geblieben sei. Jener Kollege arbeitete ebenfalls für das Unternehmen, hatte jedoch einen Streit mit dem Chef.

Fragen ausgewichen

Bei der gestrigen Befragung durch den Richter fiel auf, dass der Beschuldigte oft versuchte auszuweichen. Seine Antworten wirkten wirr und konstruiert. Für den Verteidiger war trotzdem klar: «Mein Mandant wusste nichts von einem Brand und wollte auch nichts mit einem solchen zu tun haben.» Er forderte von der zweiten Instanz deshalb einen Freispruch im Punkt der Brandstiftung. Der Staatsanwalt, welcher bei der Verhandlung nicht anwesend war, hat beim Obergericht einen Bestätigungsantrag gestellt. Das Bezirksgericht Dielsdorf hatte den 28-jährigen Tamilen zuvor wegen Brandstiftung und einiger Verkehrsdelikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 42 Monaten verurteilt. Der Beschuldigte meldete jedoch Berufung gegen das Urteil an. Ohne Erfolg, wie sich nun gezeigt hat. Das Obergericht bestätigte das Urteil des Unterländer Gerichts.

Der Richter begründete den neuerlichen Schuldspruch: «Der Sachverhalt, wie er in der Anklage beschrieben ist, gründet auf den Aussagen eines der Mitbeschuldigten. Seine Aussagen sind jedoch stimmig und glaubwürdig.» Demnach sei der Brand bereits während der Autofahrt ein Thema gewesen. Als Fahrer habe der 28-Jährige das Delikt entscheidend gefördert, da seine Kollegen über keine Führerausweise verfügten. «Er ist mitverantwortlich für den Brand, weshalb die Taten, welche im Innern des Gebäudes passierten, ihm genauso zuzuschreiben sind.»

Erstellt: 23.01.2020, 19:52 Uhr

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.