Bülach

Die Sek misst mit anderen Ellen

Die Angestellten der Sekundarschulgemeinde Bülach und der vier Kreisgemeinden werden nicht ins neue zentrale Verwaltungsgebäude einziehen. Bei der Stadt Bülach bedauert man den Entscheid, während die Oberstufenschulgemeinde auf ihre Eigenständigkeit pocht.

So wird das neue Bülacher Stadthaus ungefähr aussehen. Ab 2020 werden hier neben Polizei und Feuerwehr (hinten) an der Allmendstrasse fast alle Verwaltungsstellen zusammengefasst.

So wird das neue Bülacher Stadthaus ungefähr aussehen. Ab 2020 werden hier neben Polizei und Feuerwehr (hinten) an der Allmendstrasse fast alle Verwaltungsstellen zusammengefasst. Bild: Visualisierung: Stadt Bülach/Keystone

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Ab 2020 werden in Bülach fast alle Verwaltungsstellen an einem Standort zu finden sein. Das dürfte allerdings nicht gelten für die Büros der Sekundarschulgemeinde, die separat organisiert ist. Die Verwaltung der Primarschule und der Kindergärten der Bezirkshauptstadt ist in einer eigenen Behörde zusammengefasst. Diese Verwaltung wird hingegen sehr wohl im neuen zentralen Verwaltungsgebäude Bülachs integriert sein.

Am Mittwoch hat die Sekundarschulgemeinde eine Mitteilung verschickt, die auf den Rückzieher aufmerksam macht. Man habe den Umzug ins neue Stadthaus zwar geprüft, sehe aber davon ab. In der Folge sucht die Oberstufenschulgemeinde nun andere Räume, statt in den zentralen Neubau zu ziehen. Grund: Dort gibts gemäss der verantwortlichen Schulpräsidentin, Irene Jaggi, schlicht und einfach zu wenig Platz für die Sekundarschulverwaltung und deren Bedürfnisse. «Uns wurden 55 Quadratmeter angeboten. Das deckt aber nicht einmal die Hälfte des Bedarfs der Sekundarschule ab», sagt sie. Die Verwaltung der Sekundarschule benötige inklusive Archiv und Sitzungszimmer «zur alleinigen Nutzung» nämlich rund 120 Quadratmeter.

Eigenständigkeit wird betont

Nebst den konkreten Zahlen sind die weiteren Ausführungen der Schulpräsidentin ganz grundsätzlicher Art: «Wir möchten daran erinnern, dass die Sekundarschule Bülach eine Kreisschulgemeinde ist, die nebst der Stadt Bülach mit den Gemeinden Bachenbülach, Hochfelden, Höri und Winkel eine eigenständige Körperschaft bildet. Demzufolge wird auch die Schulverwaltung eigenständig und für alle Kreis­gemeinden gleichermassen zugänglich geführt.» Will heissen: Man untersteht nicht vollumfänglich der Bülacher Stadtpolitik. Die Bezirkshauptstadt stellt aber mit rund 50 Prozent den grössten Teil der Oberstufenschüler in diesem Gemeindeverbund, räumt Jaggi ein.

Das Platzproblem sei «seit längerem bekannt», sagt Jaggi. Dass die Stadt falsch plant, will sie so nicht sagen und macht keine Schuldzuweisungen. «Die Sekundarschule hat kein Recht und keinen Grund, sich in die Planung der Stadt einzumischen. Wir sind wie erwähnt eine eigene Körperschaft und nicht der Stadt angeschlossen.» Was bräuchte es denn mindestens, damit die Sekundarschulgemeinde dereinst auch ins zentrale Verwaltungsgebäude einziehen würde? «Die erwähnten 120 Quadratmeter Raum und einen eigenen Empfang – auch aus datenschutzrechtlichen Gründen.»

Immer mehr Platzbedarf

Momentan sucht Jaggi nach neuen Räumen, wie es in der besagten Mitteilung heisst. Derzeit ist man in einem Haus an der Hans-Haller-Gasse in der Bülacher Altstadt einquartiert. Dort arbeiten gemäss Irene Jaggi, Präsidentin der Sekundarschulpflege Bülach und Kreisgemeinden, insgesamt sechs Personen. «Zudem wäre ein Arbeitsplatz für das Präsidium in der Verwaltung sinnvoll», findet sie. Und da die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) immer mehr den Schulalltag mitbestimmt – Stichwort Lehrplan 21 –, wäre es gemäss Jaggi angezeigt, auch einen eigenen «ICT-Support» für die Schulen zu haben. Doch auch dieser Mitarbeiter bräuchte einen eigenen Arbeitsplatz, was den Platzbedarf noch weiter steigert.

Wenn das neue Stadthaus zu wenig Platz bietet, wieso bleibt man dann nicht am jetzigen Standort? «Zur Klärung dieser Frage sind wir momentan im Austausch mit der Stadt.»

Der 28 Millionen Franken teure Neubau der Stadtverwaltung wird in den nächsten zwei Jahren bei der Stadthalle direkt neben der Feuerwehr entstehen. Die Bülacher haben das nach mehrjähriger politischer Debatte letztlich mit überwältigendem Mehr beschlossen. Mit fast 80 Prozent Ja-Stimmen haben sie dem Baukredit im September 2017 an der Urne zugestimmt.

Stapi findets «bedauerlich»

Dass die Sekundarschulgemeinde jetzt zum Schluss komme, dass sie dort nicht einziehen wolle, sei «bedauerlich», findet Stadtpräsident Mark Eberli (EVP). «Wir rechnen mit einem anderen Flächenbedarf pro Mitarbeiter», sagt er. Die Sekundarschule rechne offensichtlich nicht gleich wie die Stadt. Zudem gehe es um die gemeinsame Nutzung von Sitzungszimmern und einen gemeinsam mit der Primarschule betriebenen Schalter für die Bevölkerung. Dies sind die Streitpunkte. Dabei meint Eberli: «Da hätte es sicherlich Synergien gegeben.» Aufstocken könne man den Bau jedenfalls nicht. Er hofft, dass es nicht nur um Abgrenzungsfragen geht in dieser Sache. Denn es sei tatsächlich so, dass die Sekundarschule in einer eigenständigen Einheit organisiert sei.

In anderen Abteilungen der Stadtverwaltung, deren Büros teils in der Industrie liegen, freut man sich hingegen auf den Zusammenzug am neuen Standort. Entsprechend tönt es etwa vom Leiter Soziales + Gesundheit, Daniel Knöpfli. «Wir sind früh einbezogen worden und ich sehe viele Vorteile an einem zentralen Standort.» So profitiere man von der Nähe zu anderen Fachleuten der Stadtverwaltung – vor allem aus den Abteilungen Finanzen, Einwohnerkontrolle oder etwa dem Zivilstandsamt. Die Knöpfli unterstellte Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde arbeitet zudem auch nicht nur für Bülach allein, sondern gar für 16 Gemeinden, die Beistände für 11 Gemeinden. «Das funktioniert einwandfrei und ist ganz normal», findet er zum Abgrenzungsargument der Sekundarschule, die nicht nur für Bülacher Belange verantwortlich ist.

Andere freuen sich auf Umzug

Ebenfalls positiv eingestellt ist man beim Betreibungsamt, das wie das Sozialamt in der Industrie angesiedelt ist. «Wir haben im zentralen Verwaltungsbau genügend Platz bekommen, sogar noch Ersatzfläche», sagt die Abteilungsleiterin Silvia Reichvilser.

Auch das Betreibungsamt sei übrigens nicht nur für Bülach, sondern ebenso für die Kreisgemeinden zuständig, gibt sie zu bedenken. Für sie zähle vor allem die Nähe zur Finanzabteilung und auch zur Polizei. Letztere gerade, weil die Sicherheit bei ihr am Schalter ein grosses Thema sei.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 25.10.2018, 22:14 Uhr

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