Eglisau

Drei Brückenbauer berichten von ihrer Leidenschaft

Rund hundert Personen erfuhren am Donnerstag hautnah von drei Referenten, dass es zum Brückenbau Liebe, Leiden und Leidenschaft braucht.

Die Referenten (von links) Beat Anton Rüttimann, Armin Günter und Rainer Hohermuth vor dem Katholischen Pfarreizentrum. Walter Forrer vom Verein VIVA Eglisau baute die Brücke zwischen den drei Herren und dem Publikum.

Die Referenten (von links) Beat Anton Rüttimann, Armin Günter und Rainer Hohermuth vor dem Katholischen Pfarreizentrum. Walter Forrer vom Verein VIVA Eglisau baute die Brücke zwischen den drei Herren und dem Publikum. Bild: Beatrix Bächtold

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Star des Abends ist der Bündner Beat Anton Rüttimann alias «Toni El Suizo». «Man kann sterben mit dem Baby am Arm, verzweifelt am Flussufer, weil es keine Brücke hat», beginnt der 51-Jährige dann auch mit leiser Stimme, und den Eglisauern läuft ein Schauder über den Rücken.

Rüttimanns Leben

Als 19-Jähriger reist Toni Rüttimann ins Erdbebengebiet von Ecuador. Da sieht er Menschen, denen Schlammlawinen den Zugang zur Strasse und zu den Märkten abschneiden. Verzweifelt stehen sie an den Flüssen. Irgendwann stürzen sie sich in die Fluten, um das andere Ufer zu erreichen. Viele schaffen es nicht. Geschockt vom Erlebten beschliesst Rüttimann Brücken zu bauen. Er eignet sich Kenntnisse über Statik an, knüpft Kontakte zu Einheimischen und bettelt bei Erdölgesellschaften um alte Pipelineröhren und ausgediente Kabel der Bohrtürme.

Anfangs trägt er dieses Baumaterial auf der Schulter und reist per Anhalter. Mittlerweile karrt er mit einem LKW durch den Schlamm der Hauptstrassen und baut. Bereits hat er 822 Brücken in Lateinamerika und Südostasien fertiggestellt, von denen rund 2 Millionen Menschen direkt profitieren. In Filmen sieht man dann auch Menschen die Röhren schleppen, Frauen die den Schritt auf die Brücke wagen und Alte, die triumphierend mit zahnlosen Mündern lachen.

«Um eine Brücke zu realisieren braucht es eine dringende Notwendigkeit.»

Beat Anton Rüttimann 
alias «Toni El Suizo»

Die Ballade «Love Can Build A Bridge» schallt aus den Lautsprechern. Später sagt «El Suizo»: «Um eine Brücke zu realisieren braucht es eine dringende Notwendigkeit. Nur wenn die Menschen genug leiden und es wirklich wollen, entstehen solche Flussübergänge.» Manch einer im Saal erkennt Parallelen zur Situation des vom Durchgangsverkehr geplagten Eglisau. Auch hier steht demnächst eine neue Brücke an.

«Der» Brückenschlag

Ein weiterer Referent, der Bauingenieur Armin Günter hat die Geschichte des Eglisauer Strassenbrückenbaus in ein Buch gepackt. Er erzählt darin unter anderem, wie die heute bestehende 100-jährige Strassenbrücke entstand. Beim Vortrag zeigt der Eglisauer zahlreiche alte Fotos. Auf einigen sieht man, wie zuerst die Spundwandkästen die Strömung teilen und wie dann altertümliche Krane in die Höhe ragen. Später erkennt man die heutige Brücke, wie sie sich 135 Meter lang und fast elf Meter breit auf drei Bögen übers Wasser spannt.

«Vor rund Hundert Jahren hatte Eglisau kurzfristig drei Brücken. Die Eisenbahn-, die Holz- und die neue Steinbrücke», erzählt er und spannt damit den Bogen zum nächsten Referenten Rainer Hohemuth. Dieser geht nämlich konkret davon aus, dass Eglisau bald wieder drei Brücken haben wird. Demzufolge schauen die Eglisauer genau hin, als ihnen der Bauingenieur die kreativen Möglichkeiten des modernen Brückenbaus vor Augen führt. Am 25. September startet nämlich der Wettbewerb für die neue Brücke zur Umfahrung Eglisau und am 12. Dezember 2019 ist ein Entscheid zu erwarten.

Machen ist angesagt

Rainer Hohermuth ist Mitglied der Geschäftsleitung von ACS-Partner AG, einem Bauingenieur-Unternehmen mit Sitz in Zürich-Oerlikon. Auch dieses Unternehmen hat einen Vorschlag eingereicht. Wie dieser allerdings aussieht, will Rainer Hohermuth selbst auf hartnäckige Nachfrage, nicht ausplaudern.

Der Verein Viva Eglisau hat den Abend als Beitrag zu den Veranstaltungen anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Strassenbrücke Eglisau organisiert. Das dreitägige Geburtstagsfest selbst wird Mitte September stattfinden. Viva Eglisau Präsident Christoph Hagedorn sagt: «Den Geburtstag unserer Brücke sollte man nicht auf drei Tage Festbetrieb reduzieren. Eglisau kann mehr. Mit diversen kulturellen Veranstaltungen wollen wir im Geburtstagsjahr zurückdenken, philosophieren und auf die nächsten hundert Jahre vorausblicken. Dabei lautet die Devise: Nicht jammern, sondern machen.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.05.2019, 16:07 Uhr

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